Stonehearst Asylum Heimkino

In den experimentierfreudigen, preiswerten 60er Ami-Film-Jahren waren B-Adaptionen von Edgar Allan Poe-Geschichten an der bunten Tagesordnung; siehe etwa die herrlich verruchten Roger Corman-Movies „Die Verfluchten / Der Untergang des Hauses Usher“; „Das Pendel des Todes“; „Lebendig begraben“ oder „Der Rabe – Duell der Zauberer“. Jetzt ist als „deutsche Erstaufführung“ im Heimkino wieder eine schwarze Komödie annonciert, die auf Motiven einer Poe-Kurzgeschichte basiert: „Das System des Doktor Tarr und Professor Fether“, erstveröffentlicht im November 1845. Sie war schon des Öfteren – verteilt über die Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts – Vorlage für internationale Filmproduktionen, Bühnenstücke, für eine italienische Oper (1948/“Il sistema della dolcezza“ von Vieri Tosatti) sowie 1976 für ein Musikstück auf dem Album „Tales of Mystery and Imagination“ von „The Alan Parsons Project“:

STONEHEARST ASYLUM – DIESE MAUERN WIRST DU NIE VERLASSEN“ von Brad Anderson (USA 2013/2014; B: Joe Gangemi; nach Motiven der Kurzgeschichte „Das System des Doktor Tarr und Professor Fether“ von Edgar Allan Poe; K: Thomas Yatsko; M: John Debney; Co-Produzent: Mel Gibson; 113 Minuten; Heimkino-Veröffentlichung: 30.1.2015).

Raben, diese typischen Poe-Symbol-Tiere, tauchen auch auf. Ganz kurz. Auf einem Baum hocken zwei dieser intelligenten Vögel vor der Irrenanstalt. In diese, mit Namen Stonehearst, Schloss-ähnlich und in einem abgelegenen englischen Waldgebiet sich befindend, begehrt Dr. Edward Newgate (JIM STURGESS) am Heiligabend des Jahres 1899 Einlass. ER, ein Absolvent aus Oxford, möchte hier seine Studien erweitern („Ich war immer schon fasziniert von der gequälten Seele“). Jedenfalls erklärt er dies dem Anstaltsleiter, Dr. Silas Lamb (BEN KINGSLEY). Hier befinden sich 200 Insassen, wird Edward vom „herben“, etwas bedrohlich wirkenden Hausmeister Mickey Finn (DAVID THEWLIS) aufgeklärt: Söhne und Töchter aus einigen der besten Familien des Königreichs; Lords, Herzoge und sogar eine Cousine der Königin. Ihre Familien schämen sich für sie, und deshalb wurden sie hierher abgeschoben. Bei einem Rundgang lernt der Ankömmling von der weit entfernten Stadt auch sogleich die „speziellen“ „besseren“ Behandlungsmethoden des Hauses kennen: Bildet sich ein Patient ein, ein Pferd zu sein, wird er auch als solches akzeptiert; eine andere Heilung sei nicht möglich. Und warum sollte man auch „aus einem glücklichen Pferd einen unglücklichen Menschen machen?“, erläutert Silas Lamp seine erfolgreiche Methode: „Man kann den Tod so wenig verhindern wie man den Wahnsinn heilen kann“.

Natürlich stimmt hier etwas nicht. Sogar vieles ist nicht in Ordnung. Wenn bzw. wo „Verrückte“ und „Gesunde“ miteinander, untereinander, also angeblich ganz friedfertig offen zusammen leben. Es blitzt und donnert, wie es sich für eine klassische Gruselstimmung ziemt, und dann macht der gute wie gutgläubige Edgar im Kesselraum eine schlimme Entdeckung: Hier werden offensichtlich die „richtigen“ Pfleger, Ärzte und weitere Mitarbeiter des Instituts gefangen gehalten. Die Patienten haben das Regiment übernommen und das Personal, darunter den Betriebsleiter, Dr. Benjamin Salz (MICHAEL CAINE), weggesperrt. Wenn es denn tatsächlich so war. Und ist. Edgar ist verunsichert. Aber stark verliebt. In Eliza Graves (KATE BECKINSALE), einer Patientin, der er schon einmal, ganz am Anfang, bei seinem Ausbildungs-Professor in Oxford (BRENDAN GLEESON), begegnete. Ihr vertraut er. Sich und seine Entdeckungen an. Aber kann er ihr voll vertrauen? Und überhaupt: Who ist hier Who? Wirklich?

BRAD ANDERSON, 50jähriger Drehbuch-Autor und Regisseur fürs Kino (2004 „The Machinist“/mit Christian Bale; 2008 „Transsiberian“/mit Woody Harrelson + Ben Kingsley; 2012 “The Call“ mit Halle Berry) und für das amerikanische Serien-Fernsehen (mit Folgen für „Homicide“; Fringe – Grenzfälle des FBI“; „Boardwalk Empire“), besitzt ein Gespür für listigen Schauer. Mit soliden Spannungs-Pointen. Für dieses prominente Figuren-Karussell. Sein makabrer Humor signalisiert: Show mit Augenzwinkern. Die pompösen wie atmosphärischen viktorianischen Bilder – man drehte den Film im Sommer 2013 in Bulgarien – erinnern an die früheren britischen Hammer-Produktionen. Mit Vincent Price und Peter Cushing in den Hauptrollen. An deren Stellen jetzt die „Oscar“-Heros Ben Kingsley und Michael Caine hantieren. Während Jim Sturgess („Zwei an einem Tag“) als Edward mehr den Narren wie einen Helden hervorkehrt, ist Kate Beckinsale („Pearl Harbor“) eine attraktive wie unentschlossene Augenweide. Deren Innenposition reizvoll-rätselhaft erscheint. Wie halt so viele und vieles hier.

„Wir sind alle verrückt; nur manche nicht verrückt genug, es zuzugeben“, erklärt Ben Kingsley in seiner Rampen-Rolle einmal das Motto dieses spannenden Komödien-Thrillers. An dessen Herstellung übrigens auch Mel Gibson als Co-Produzent beteiligt war. Das Heimkino hat in seinem aktuellen Programm ein gutes Unterhaltungspfund.

Anbieter: „Universum Film“