Stolen

Schon die kraftmeierische, „übertriebene“, meist grässliche Musik von (immerhin) MARK ISHAM (1993 „Oscar“-Nominierung für seinen Soundtrack zum Robert Redford-Film „Aus der Mitte entspringt ein Fluß“) signalisiert andauernd, hier ging es ziemlich „schlampig“, also wohl schnell und billig zu. Und auch das Werk des britischen Regisseurs, des 51jährigen SIMON WEST, verzeichnet zuletzt ziemlich dämliche, weil nur brutale, ordinäre Genre-Ware wie „The Expendables 2“ und „The Mechanic“. Aber immerhin, Simon West hat einst auch beachtenswerte Action-Movies wie „Con Air“ (1997, mit Nicolas Cage), „Wehrlos – Die Tochter des Generals“ (mit John Travolta, 1999) sowie „Lara Croft: Tomb Raider“ (2001; mit Angelina Jolie) fabriziert. In seinem 8. Kinofilm, der hierzulande gleich auf DVD Premiere hat, hat er sich wieder mit „Oscar“-Preisträger Nicolas Cage („Leaving Las Vegas“/1996) zusammengetan:

STOLEN“ von Simon West (USA 2011; B: David Guggenheim; K: James Whitaker; 96 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 26.10.2012).

Nur zur Kurzwiederholung – die besten Filmtage des NICOLAS CAGE, inzwischen 48, scheinen längst vorbei. Zuletzt verdiente er Geld mit Auftritten in, höflich formuliert, wenig qualitativen Streifen wie „Ghost Rider“, „Trespass“, „Pakt der Rache“ oder „Der letzte Tempelritter“. Dennoch, und das ist halt sein Actors-Pfund, bleibt man aufmerksam, wenn wieder einmal ein Film mit ihm auftaucht. Mit diesem eigentlich charismatischen, hochinteressanten Schauspieler. Und Neffen von Francis Ford Coppola. Ob er nicht doch mal wieder in „was Besserem“ mitmischt. Gleich gesagt – EIGENTLICH ist auch „STOLEN“ purer B-Schrott. Ein hanebüchener Quatsch mit riesigen Logik-Löchern. Angesiedelt in New Orleans. Allerdings – wenn man sich mal „davon“ löst, zu lösen versteht, und einfach nur in diesen furiosen Blödsinn ein- bzw. mal abtaucht, erweist sich „Stolen“ als gigantisch SPANNEND. Richtig GUT spannend. Nicolas mimt Will. Will Montgomery. Einen Meisterdieb, dessen letzter Klau-Coup schief läuft. Auch, weil er in seinem Team einen „Überreagierer“ mit-drin hat, der einen Zeugen am Tatort abmurksen will. Was Will zu verhindern weiß. Allerdings auf Kosten des Erwischens. Nach acht Jahren kommt er frei. „Bin ein anderer Mensch geworden“.

Wir kennen das aus unzähligen Filmen. Einmal Ganove, immer Ganove. Nicht ganz: Erst als seine Teenie-Tochter Allison von dem ehemaligen aggressiven Kumpan Vincent (JOSH LUCAS) per Taxi entführt wird, um an die einstige vermeintliche Bank-Beute von immerhin 10 Millionen Dollar heranzukommen, wird es kribblig. Für Bill, der eigentlich die Verbrecher-Schnauze voll hat und sich nach Bürgerlichkeit sehnt, wie für uns. Zuschauende. Denn nun setzen ordentliches Tempo, überzeugende Verfolgungsjagden und dramatische Situationen ein. Bei denen man deren Unglaubwürdigkeit hinnimmt. Akzeptiert. Weil ziemlich urige psychotische Typen hier ziemlich viel Adrenalin-Puste kurzweilig voll ‚rauslassen. Zudem mischt sich auch noch ein offensichtlich „ansonsten“ gelangweilter Will-Verfolger-Polizist (DANNY HUSTON) ein und stiftet ebenfalls „komische wie kreative Unruhe“: „Kommt Jungs, Beeilung“/gemeint sind die Kollegen/“los, los, los“. Als ein neuerlicher, „goldiger“ Bank-Überfall „vonnöten“ wird. Von Will und seinem netten Riley-Girl (MALIN AKERMAN). (In solchen Filmen warten liebe Mädels immer auf ihre Frechdachs-Burschen. Bis DIE sich endgültig „draußen“ ausgetobt haben und für immer nach Hause kommen).

NICOLAS CAGE als – DER schräge Entertainer. In einer Gangster-Performance, die zielgerichtet NUR auf ihn zugeschnitten ist. Wurde. Und DIE er bravurös zu bedienen versteht. Mit seinen klasse-profanen Bewegungen, mitunter surrealen Motiven und seinem glorreichen Naiv-Sarkasmus („Das hast du alles im Knast geplant?“ „Ich hab‘ mich gelangweilt“). Während sein filmischer Kontrahent schließlich anerkennen muss: „Du siehst gut aus; wie immer“. Im Showdown gibt es einige Verletzungen und wird auch viel an Auas ausgedampft, dann aber kommt endlich das erlösende Wort: „Ich bin hier, Dad“. Der Liegestuhl winkt. Endlich. Für Will & Begleitung. Mit hellem Gewinn-Gestein.

Es gibt Zeiten, da „braucht“ man „so was“. Nicht viel Überlegen-Müssen, gut gespielter heißer Action-Dampf, von einem Typen dargeboten, der zwar inzwischen unter seinen darstellerischen wie intellektuellen Möglichkeiten hantiert, es aber immer noch manchmal drauf hat, anderthalb Stunden unterhaltsam fürs anspruchslose Heimkino herumzuturnen. EINFACH so. Wie hier NICOLAS CAGE. Der perfekte Artist für den Bunsenbrenner.
Das (untertitelte) Bonus-Material, mit „Behind the Scenes“ und „Interviews“, passt sich allerdings der lächerlichen Handlung bestens an; bietet nur beknackte Beweihräucherungen. Von den Beteiligten. Ist aber auch egal. Dies muss man sich ja dann nicht mehr anschauen. Anhören.

Anbieter: „Splendid Films“