Stereo Kritik

STEREO“ von Maximilian Erlenwein (B+R; D 2013; K: Ngo The Chau; M: Enis Rotthoff ; 95 Minuten; Start D: 15.05.2014); ja, ich weiß, WIR wollen es – endlich – auch. Machen. Also herstellen können: Einen richtig deftigen, schön- schmutzigen Genre-Film. Einen schmucken unterhaltsamen Bastard. Mit allem düsteren Drum und Dran. Hier versucht sich der 38jährige Berliner Maximilian Erlenwein daran. DER studierte erst Soziologe und Medienwissenschaft in Marburg und nahm dann 1999 ein Regie-Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) auf. Währenddessen schuf er zahlreiche Kurzfilme, die auf internationalen Festivals liefen und mehrfach prämiert wurden. 2010 kam sein Spielfilm-Erstling und DFFB-Abschlussfilm auf dem Max Ophüls-Festival heraus, „Schwerkraft“, und wurde dort dreifach ausgezeichnet, darunter als „Bester Langfilm“.

Hier nun driftet er – zunächst durchaus reizvoll – ins Spinnerhafte ab. Stellt den oft nur düster dreinblickenden Erik (JÜRGEN VOGEL) in den Mittelpunkt des Geschehens. DER hat seine, sagen wir mal, zwielichtige Berliner Großstadtvergangenheit hinter sich gelassen. Hat sich als Motorrad-Mechaniker in ein ländliches, pardon, „Ostkaff“ zurückgezogen, wo er mit netter Freundin und deren niedlicher Tochter glücklich bürgerlich und „vergraben“ lebt. Wie er glaubt. Doch dann taucht dieser Fremde auf. Henry (MORITZ BLEIBTREU). Mit Kapuze und aggressiven Tönen. UND: Nur er, Erik, vermag ihn zu sehen. Mit ihm zu sprechen. Für die Anderen bleibt Henry unsichtbar. Bis Erik dies versteht und akzeptiert, vergeht eine geraume (Rätsel-)Zeit. In der die Menschen um den nun „merkwürdiger“ agierenden und sprechenden Erik natürlich nur „Bahnhof“ verstehen und nicht begreifen können, warum DER sich plötzlich „so komisch“ benimmt. Natürlich vermag der grimmige Erik dies nicht zu erklären (dann würden sie ihn ja für völlig bekloppt halten, klar), was den künftigen Schwiegervater (RAINER BOCK) von ihm auf den dussligen Plan ruft. Weil er ja schon immer und überhaupt gegen „so einen Schwiegersohn“ war. Aus dem sonnigen Osten geht es in die dunkle Nacht. Gen Berlin. Mit Erik, seinem „unsichtbaren“ Seelen-Bruder Henry und dem nunmehr gewendeten Schwiegervater-Polizisten. Mitten hinein in eine ziemlich logikfreie finstere Gangster-Ballade. Dabei Ton-angebend wie furchterregend-quatschig: Der „scharfe“ österreichischer Gangster-Loddel Keitel (GEORG FRIEDRICH). Der brutale Rest ist Schweigen.

Wenn eine Story sich nach einer überschaubaren Zeit nur minimal wie ziemlich überraschungslos-vorhersehbar bewegt, bevor sie dann plötzlich zu einem dreckigen Berliner Neon-Show-Down ansetzt; wenn die Typen sich so eindimensional bewegen wie wir sie kennengelernt haben, sich also kaum oder eben nur klischee-triefend charakterisieren; wenn der Schmuddel-Geruch hier nur konstruiert wirkt und „Spannung“ mehr als überschaubar ist und bleibt; wenn also die Einfälle und Pointen dünn gesät sind und nur nach Besser-Bekannt riechen, dann ist dieses Milieu-Drama natürlich in Ansätzen, im Genre-Spielen und den Spannungshoffnungen stecken geblieben. Schlimmer formuliert – WIR kriegen es einfach nicht hin. Diesen atmosphärisch-faszinierenden filmischen Billigfusel a la frühem Roger Corman („Der Mann mit den Röntgenaugen“). Was wir hier besitzen, sind einige vage Ideen haben, um sie dann nicht annähernd ausgedacht und ausgeschrieben adäquat umsetzen / inszenieren zu können. Obwohl Drehbuch-Autor und Regisseur Maximilian Erlenwein noch Glück hatte, denn die beiden riesigen Darstellerfüchse Jürgen Vogel & Moritz Bleibtreu mildern seinen talentbegrenzten Mystery-Krimi ordentlich und sehr bemüht ab.

Anschauen aber muss man sich dieses verpatzte neue deutsche Spannungsding dennoch nicht. Jedenfalls nicht im Kino. Dort ist „Stereo“ verschenkte Zeit, bei den Mit-Produzenten ARTE und beim ZDF kann man den Film demnächst zur späten Sendezeit „besser“ halt so durchlaufen lassen… (= 2 PÖNIs).