STALLED

Eigentlich wollte ich den Film schon eine Woche früher empfehlen. Zur heißen Schlussphase des Faschings. Denn nüchtern ist er eigentlich kaum zu ertragen. UND: Wieder einmal müssen gesittete, vornehme Kunstsachverständige und sensible Cineasten erklärt bekommen, dass dies hier möglicherweise nix für sie ist. Denn hier geht es in Sachen Ketchup-Blutströmen dank gieriger Zombies unmissverständlich zur Sache. Auf engem, präzise engstem Raum. Dieser Film hätte auch – besser – „Zombies auf dem Damen-Klo“ heißen können. Stammt aus Great Britain und setzt die urigen und inzwischen als kultig geltenden filmischen Untoten-Späße à la „Shaun of the Dead“ (von 2004) kurzweilig im Low Budget-Rhythmus fort:

STALLED“ von Christian James (GB 2013; B: Dan Palmer; K: Sashi Kissoon; M: Adam Langston; 84 Minuten; Heimkino-Veröffentlichung: 07.02.2014).

Zur Titel-Begriffserklärung: „Stalled“, gesprochen: Stohlt (mit Hamburgischem St vorne), bedeutet abgewürgt (bei einem Motor), abgestorben, fest steckend. Und dies trifft auf den jungen, gut = etwas unterbelichteten Typen zu. Mit Namen W.C. (Drehbuch-Autor DAN PALMER). Der ist selbst am Weihnachtsabend beim Fest der Firma, wo er angestellt ist, tätig. Landet auf der Damen-Toilette, wo er etwas reparieren soll. Ist angemüdet, zieht sich zu einem kurzen Nickerchen auf die enge Klo-Räumlichkeit zurück, und als er aufwacht, ist um ihn herum buchstäblich der Teufel los. Plötzlich sind aus den feiernden Kollegen/Innen blutgierige, sabbernde, grunzende Zombies geworden. Die auch ihn „anvisieren“. Shit Happens! Guter Rat ist gefragt. Und irgendwie cleveres Handeln. Mal alles durchdenken, so gut es jedenfalls geht: W.C. ist im 7. Stock des Büroturms, besitzt eine Handwerker-Tasche, aus der andauernd Geldscheine herausquillen, da stimmt sowieso irgendwas nicht, und dann kommt aus dem Nebenan-Klo auch noch eine freche, selbstbewusste weibliche Stimme. Wie W.C. noch nicht angebissen und mit ihm nun flott kommunizierend („Ich bin fast das Ebenbild der blonden Keira Knightley, aber mit Brüsten und weitaus schlanker“.

Der Garfield-Fan und die Nebenan-Stimme, die sich anfangs Georgina Romero nennt, beginnen gemeinsam verbal zu planen. Wie was weiter. Und überhaupt. Nebenbei tauschen sie sich natürlich, wie beim ersten Date, mit privaten Info-Details aus. Man will ja „trotzdem“ die Etikette (be-)wahren. Irgendwie. Und als Sie Ihm eine „freundliche Pille“ zuwirft und er sie auch einpfeift, wird es vollends grotesk. Vor wegen – Tanzen auf dem Damenklo im Ecstasyrausch. So etwas hat die Musikvideowelt noch nicht gesehen. Dann aber riechen die Zombies das Frischfleisch hinter den Türen und ab geht die absurde, herrlich grotesk bekloppte Genre-Party.

Logisch. Dies hier ist bescheuert. Völliger Nonsens. Aber in dieser Slapstick-Horror-Arie ein buchstäblich irrer Jux. Auf so etwas muss man erst einmal kommen: Fast die ganze Filmzeit befinden wir uns in einer überschaubaren Damentoilette, die prall gefüllt ist mit lüsternen lebenden Toten. Mittendrin, ein einfach strukturierter Bursche mit kriminellen Energieschüben (vorher) und eine offensichtlich etwas mehr aufgeweckte Frau, die Mann aber nie von vorn zu Gesicht bekommt. Deren launige Stimme zu seiner Fantasiefrau wird. Was planen, machen, anstellen? Um hier vielleicht doch herauszukommen? Denen zu entkommen? Der Gag am Ende signalisiert, dieser Horror auf Mini-Raum könnte durchaus und noch enger weiterbluten. Schön fortgesetzt werden.

Komplett prima verrückt. Mit bisweilen menschlichen Zügen. Beim Austauschen der seelischen Innereien. Inmitten eines rabenschwarzen, mitunter köstlich sarkastischen Humors. Samt erheblichen britisch-bissigen Pointen-Charmes. Um einen Gaga-Tollpatsch. Mit Denk-Luft nach oben. Und seiner „atmosphärischen“ Splatter-Slapstick-Show. Die kurzweilig urig trashig „hämmert“. Und, wie gesagt und gerne nochmal erwähnt, mit einer Zombie-Dance-Nummer, die in der exzentrischen Filmkulthitparade sicher obere Plätzen erreichen wird.

Übrigens – für Insider: Die Macher kennen wir bereits. Von 1999 bis 2003 haben Christian James (Co-B + R)und Dan Palmer (Co-B + Darsteller) an ihrem britischen Horror-Happening „FREAK OUT“ gearbeitet, das 2004 herauskam und hierzulande am 5. April 2007 auf DVD veröffentlicht wurde. Thema dieser damals für rund 30.000 Pfund hergestellten und inzwischen ebenfalls mit Kultstatus ausgestatteten Trash-Komödie: Ein nach 12 Jahren aus der Psychiatrie entkommener, verstörter Typ wird von zwei Horrorfreaks vereinnahmt. Mit schließlich unkontrollierten Folgen. Auch diese Independent-Horror-Perle ist heute sicherlich einen neuerlichen Unterhaltungsblick wert.

Zum „STALLED“-Fazit: Biere kaltstellen, Knabberzeugs bereithalten und ab geht die lustige Horror-Luzie.

Anbieter: „Mad Dimension“