SNOW WHITE & THE HUNTSMAN

SNOW WHITE & THE HUNTSMAN“ von Rupert Sanders (USA 2011; 125 Minuten; Start D: 31.05.2012); das gute alte “Schneewitchen”-Märchen der Brüder Grimm von 1812 ist derzeit in Hollywood geradezu inflationär angesagt. Kürzlich erst startete in unseren Kinos die ironische Version als Kostüm-Rausch und Design-Delikatesse unter dem Titel „Spieglein, Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen“ von Tarsem Singh (mit Lily Collins + JULIA ROBERTS/s. KRITIK), seit dem 25.5.2012, ist hierzulande der US-Streifen „Snow White –A Deadly Summer“ von David DeCoteau (USA 2011/mit Shanley Caswell + Eric Roberts) auf dem DVD-Markt („Schneewittchen“-Variante als Horror-Nervenkitzel, so die Werbung); und am 8. Juni 2012 wird die amerikanisch-kanadische Co-Produktion „Schneewittchen – Die Schönste im ganzen Land“ von Caroline Thompson aus dem Jahr 2001 (mit Kristin Kreuk + Miranda Richardson als böse Stiefmutter) bei uns auf DVD veröffentlicht.

„Zwischendurch“ jetzt also das nächste aufwändige neue Leinwand-Spektakel. Um Süß gegen Bitter. Beziehungsweise umgekehrt. Es ist der mit rd. 70 Millionen Dollar budgetierte Debütspielfilm des britischen Werbefilmers Rupert Sanders. Der nach einem Drehbuch inszenierte, das von gleich drei sehr unterschiedlichen Autoren stammt: Evan Daugherty, John Lee Hancock („Blind Side – Die große Chance“; auch Regisseur) sowie HOSSEIN AMINI („Wings of the Dove – Die Flügel der Taube“/“Oscar“-Nominierung 1998; neulich für „Drive“, mit Ryan Gosling). Ebenso „verschieden“ ist dann auch dieser neue – diesmal vorwiegend sauernste – Grimm-Streich. Pendelnd zwischen ganz, leicht und smart aggressiv. Als Fantasy-Abenteuer-Kriegsfilm mit aber auch feinen Poesie-Nuancen. Und Western-„Positionen“. Fräulein gezwungenermaßen Prinzessin Outlaw gegen Frau „widerliche“ Herrscherin-Schurkin. Gemixt mit (sehr) viel pfiffiger Trickserei. Und einem namhaften Ensemble. Mit Charlize Theron, Kristen Stewart sowie Chris Hemsworth „an der Front“.

Märchen sind brutal. Böse. Gemein. Furchterregend. Schrecken und Erschrecken. Also lautet hier das bevorzugte (Gewalt-)Motto: „Die Frau der Ringe“. Nach der schmucken, farben-intensiven Vorzeige-Lady Julia Roberts in dem Neulich-Epos der Konkurrenz trumpft nun die attraktive, ebenfalls bereits „Oscar“-geschmückte US-Südafrikanerin CHARLIZE THERON (36/“Monster“) süffisant meuchelnd auf. Als machtbesessene hexerische Königin, die nach ewiger Schönheit giert. Und nichts unversucht lässt, die Stieftochter-Schönheit endlich aus dem Weg zu räumen. Warum sie diese überhaupt 18 Jahre in einem Turm dahinsiechen und sich schön „entwickeln“ ließ und nicht gleich beseitigte,…. na gut. Ist halt so. Märchen eben. Jetzt aber braucht sie „die Unschuld“. An ihrer Seite: Ein erblondeter, (Inzest-?) debiler und aggressiver Bruder, der ihr höfisch-speichelleckend zu Diensten ist. Damit die diktatorische Macht weiterhin mit ihr sei. Also in der Familie bleibt. In diesem düsteren Land. Und damit ihr, vor allem, das Alter äußerlich nichts anhaben kann. Forever young. Aussehend. Auch heute bekanntlich d e r Spleen unserer (wahnhaften) Zeit.

Doch dann vermag Snow White, wie Schneewittchen hier heißt, in den Wald fliehen. Verfolgt von einem depressiven Huntsman, der sie eigentlich aufspüren und zurückbringen soll. Denn „Mutti“ hat inzwischen einige „Falten“ bekommen und benötigt unbedingt das jungfräuliche Herz. Und Blut. Der Kleinen. Schönen. Doch der unsichere Jägersmann, wir ahnen es, wir wissen es, wird zum Gefährten. Von Schneekindchen. Was natürlich bei der Hexen-Mama wie auch bei ihrem garstigen Bruder-Verfolger sauer aufstößt. Später tauchen dann im verwunschenen Wald auch die obligatorischen wie hier auch ziemlich debilen und dann auch noch vom Computer „kleingemachten“ 8 erwachsenen „Zwerge“ (u.a. Bob Hoskins, Ray Winstone, Nick Frost oder Eddie Marsan) auf, kein Schreibfehler, sie sind erst mal zu 8, und fortan wird viel gehauen, gestochen, drangsaliert. Gemeuchelt. Viel Brutalität ist sinnlos annonciert. Immer feste druff. Die üblichen Schlachten. Daneben sind dann aber wiederum auch spannende Abenteuer-Motive ebenso im Blickpunkt wie ein faszinierendes Burgen-See-Landschaftspanorama. Sowie wunderschöne Atempausenmotive um liebe Elfen und ähnliche wunderschöne Humanwesen. Optisch ist der Streifen bisweilen eine richtige faszinierende Wucht (Kamera: GREIG FRASER). Doch insgesamt ist: der Film mal wischi, mal waschi. Weder Fisch noch Fleisch.

Will ALLE bedienen. Die Einen mit vielen markigen kriegerischen Duellen, die Anderen mit einigen zauberhaften, beruhigenden, sanften Fabelkreaturen aus dem Fantasy-Reich. Zudem„ der Genre-Eintopf winkt. Mal macht Snow White & The Huntsman“ auf Abenteuer-Krimi mit ganz ordentlicher Suspense-Atmosphäre, um dann zum hehren Freiheitskampf auszuarten. Mal ist andeutungsweise auch „Romantik“ angezeigt. Doch wenn Snow White am Ende wie eine dunkle „Barbie“-Jeanne d’Arc in Ritterrüstung auf ihrem schwarzen Pferd mit ihren Getreuen gen Stiefmama-Burg heranfliegt, um die letzte Schlacht zu schlagen (und das dauert wieder, bis „Mama“ endlich abgemurkst ist), wirkt dies nur peinlich. Weil „das Mädel in Black“ = KRISTEN STEWART = grauslich ist. Mimt. Tut. Mit nur zwei Posen auszukommen gedenkt: Staunen und Staunen. Augenleer. Egal, ob traurig oder „anders“, es ist immer der Blick auf und in eine triste fade Schnute. Zwar stets schön rot lippengeschminkt und auch nach vielem Herumflitzen oder Herumreiten im Dschungelwald vorbildlich Langhaar-gekämmt, aber „rundum“ nur völlig uninspiriert wirkend. Unwahr. Niente. Nothing. Läppisch. Bieder. Banal. Dumm. Langweilig. Ohne jedwede akzeptable oder gar wechselnde Emotion. Immer nur voll-doof. Entsetzlich. Warum ist man bloß auf die Idee gekommen, solch Harmlose mit diesem Part zu betreuen? Kristen Stewart: Diese kleine „Bella“-Mieze aus den vampirischen „Twilight“-Kinder-Movies? Für DIE das-hier viel zu „viel“ ist. Bedeutet.
Und wenn in einem Film halt die HAUPTPERSON so „effektiv“ ausfällt wie Kristen Stewart hier, dann kann der Film ja auch gar nicht (mehr) funktionieren. Egal, wie viele Mühe sich die attraktive Power-Hexe Charlize Theron auch gibt. Chris Hemsworth als Jägermannsgefährte, gerade auch als Thor in „The Avengers“ auf der Leinwand zu betrachten, macht dagegen treue Mine zum läppischen Pin-up-Auftritt seiner Kollegin und bewegt sich lediglich auf unterforderter, also routinierter Stichwortgeber-Charme-Ebene. Mit grimmig deprimiertem Dauer-Ausdruck. Und diesem „Gefährlichkeit“ ausstrahlenden Dreitagebart. Piepsig.

Gespaltenes Blockbuster-Kintopp. Nicht ganz bekloppt, aber zu viel. „Davon“. Mit zwischendurch immer mal wieder rasanten Momenten, wenn „Mädel“ Kampfpause hat. Und die Anderen kurz mal „professionell“ loslegen können. Dürfen.
Blasswittchen oder ein hakiges Popcorn-Schlachtefest (= 2 ½ PÖNIs).