Singin‘ in the Rain

Wer mag ihn schon, den REGEN? Normalerweise trübt er die Stimmung, und das Tragen eines Regenschirms gehört zwar zu den Nutzdingen, wenn es pladdert, ist aber nicht unbedingt das bequemste Trage-Untensil. Dennoch zählt eine Regen- bzw. Regenschirm-Szene zu einer der populärsten Szenen, sprich TANZ-SZENEN in der Filmgeschichte. Es kommt nicht selten vor, dass ich in einem überflüssigen, dämlichen, langweiligen Film meine Zeit absitze und mir wünsche, jetzt gleich sofort würde Gene Kelly unerwartet in dieser blöden Pressevorführung auftauchen und würde uns alle mit seinem unvergesslichen Song und Leinwand-Auftritt beglücken. Das würde zwar keinen Sinn machen/ergeben, aber für viel mehr Spaß sorgen. Als der Mist, den ich verpflichtet bin, gerade über mich komplett ergehen zu lassen. Passiert ist dies übrigens leider nie. Dafür aber gilt es jetzt – in diesem Zusammenhang – ein phantastisches Jubiläum per DVD (+ Blu-ray) zu annoncieren. Die Anlässe: Am 27. März 1952, also kürzlich vor 60 Jahren, hatte DER FILM seine US-Kino-Premiere. Und am 23. August 2012 wäre DER ENTERTAINER 100 Jahre alt geworden. Die Rede ist natürlich von

SINGIN‘ IN THE RAIN“ von Stanley Donen (Spielszenen) und GENE KELLY/Choreographie-Regie (USA 1951; B: Betty Comden, Adolph Green; K: Harold Rosson, M: Nacio Herb Brown, Al Goodhart sowie Produzent Arthur Freed; 103 Minuten; Start D unter dem Titel „Du sollst mein Glücksstern sein“: 30.3.1953 + in der OmU-Fassung am 11.3.1971; DVD-Veröffentlichung: 24.08.2012).

Die Dreharbeiten zu Metro-Goldwyn-Mayers Produktion Nummer 1546 begannen am 18. Juni 1951. Mit einem „alten Song“ als Filmtitel, denn das Lied „Singin‘ in the Rain“, geschrieben-komponiert vom Duo Arthur Freed + Nacio Herb Brown, stammt aus den Zwanzigern und wurde erstmals in dem Hollywood-Musical „The Hollywood Revue of 1929“ verwendet. Hier nun steht es als Überschrift für eine Musik-Revue mit Bierdeckel-Story. Beliebter Stummfilmstar entdeckt im turbulenten Hollywood von 1927, kurz vor Beginn der Ära Tonfilm, seine große Liebe. Was seine Dauer-Filmpartnerin mächtig eifersüchtig aufregt, ihn (und seinen ebenfalls begnadeten Tanz-Kumpel Cosmo) aber nicht aus der tänzerischen Fassung bringt. Ganz im Gegenteil, jetzt erst recht. Wird sich in einer temperamentvollen, feurigen, artistischen Art und Weise begeisternd weiterbewegt. Vom 17. bis zum 19. Juli 1951 wurde jene Szene realisiert, die zu den Legenden des Kinos gehört: Gene Kelly als Don Lockwood springt, hüpft, stakst, singt fröhlich kreuz und quer, mit Schirm, durch starken Straßen-Regen. „Singin‘ in the Rain“ als Gute-Laune-Talk. Unübertroffen. Unvergesslich. Einfach brillant. Und: Es ist zwar DIE Tanznummer überhaupt, aber – „auch nur“ eine von vielen weiteren. Grandiosen. Die schmissig inszeniert und sensationell schwungvoll bzw. außerordentlich „beweglich“ choreographiert sind. Wie die „Cosmo“-DONALD O’CONNOR-Nummer „Make them laugh“, der gemeinsame „Good Morrning“-Tanzsong von Kelly, O’Connor und DEBBIE REYNOLDS oder die zungenbrecherische Verbal-Artistik über „Moses supposes his toeses are roses / But Moses supposes erronneously / And Moses, he knowses his toeses aren’t roses / As Moses supposes his toeses to be“. Irre. Amüsant. Zum Immer-Wieder-Gerne-Hören. Und -Nachsprechen.

Beziehungsweise -Sehen. Denn „Warner“ hat jetzt seinen Schmuckstück-Klassiker prächtig herausgeputzt. Hat ihn farblich restauriert und tonlich „entzerrt“. Kollegin Verena Lueken war in der „FAZ“ (vom 23.08.12) zu Recht auch total von dieser aktuellen „Wiederauflegung“ für das Heimkino angetan: „Das Rot der Prospekte im Hintergrund sieht aus wie frisch gestrichen, das grüne Cocktailkleid von (der mitreißenden/d. Autor) Cyd Charisse mit den Perlenfransen, durch die hindurch ihre endlos langen Beine jede Bewegungsfreiheit haben, ihr froschgrüner Schuh, auf dem Gene Kellys Hut balanciert – nie sahen sie so aus wie aus dem Moos gepflückt. Jetzt schon“. Und bilanziert über dieses, wie es damals spöttisch genannt wurde, „Jukebox-Musical“ interessant: „Die Geburt des Breakdance hätten wir, bevor wir ‚Singing in the rain‘ jetzt wiedersahen, nicht ins Jahr 1952 gelegt – aber in Donald O’Connors Nummer ‚Make them laugh‘ hat der Hip-Hop einen in Präzision Akrobatik, Tempo und showmanship kaum je wieder erreichten Vorläufer“.

Man hat heute die Möglichkeit, den Film in der alten deutschen Synchronisation (mit „dem Kommissar“ ERIK ODE als Sprecher für Gene Kelly; mit Wolfgang Kieling für Donald O’Connor sowie Marianne Prenzel für Debbie Reynolds) ebenso zu hören, übrigens auch in/mit den (heute komisch klingenden) „übersetzten“ Songs, wie auch in der totalen Originalfassung oder in einer deutsch untertitelten Originalfassung. Zudem ist das umfangreiche „Geburtstagszusatzangebot“, sprich das Bonusmaterial, enorm. Imposant: Die limitierte „60th Anniversary Blue-Ray Collector’s Edition“ enthält 2 Discs, und auf der zweiten Bonus-Disc sind neben Audiokommentaren von Debbie Reynolds, Donald O’Connor, Cyd Charisse oder Spielleiter Stanley Donen und Baz Luhrmann („Strictly Ballroom – Die gegen alle Regeln tanzen“) weitere Specials wie ein Making Of „Singin‘ in the rain“ und „Musicals Great Musicals“ oder einem 48-seitigen gebundenen Booklet mit Hintergrund-Infos, Fotos und Fakten. Das ganze kompakte, schöne, zum erneuten Fan-Staunen angelegte stimmungsintensive Repertoire. Als tolles cineastisches Rundum-Themen-Paket. Zum vollen Genießen.

Jedenfalls – das Wiedersehen mit diesem zeitlosen Musical-Klassiker ist auch heute wieder ein wunderbares „neues“ Film-Erlebnis (= 5 PÖNIs).