Für immer Shrek

FÜR IMMER SHREK“ von Mike Mitchell (USA 2009; 93 Minuten; Start D: 30.06.2010); seit 1996 arbeitet Mike Mitchell im Team von „DreamWorks Animation“ mit, der einst als Anti-Disney-Werkstatt gegründeten Trick-Schmiede. War bei der Herstellung von computer-animierten Filmen wie „Antz“/1998; „Shrek 2“ (2004) und „Kung Fu Panda“/2008 mit-dabei und hat jetzt die volle Verantwortung für den (vermeintlichen?) Abschluss einer der erfolgreichsten amerikanischen Trickfilm-Späße überhaupt. Denn nach „Shrek 4“ soll das grüne Monster mit den Trompetenohren endgültig zu den Sümpfen gelegt werden. Warten wir´s mal ab. Die Entwicklung der Geschichte(n) und ihrer komischen Figuren noch einmal aufzuzählen, erspare ich mir (und verweise z.B. auf die textliche Zusammenfassung bei „SHREK DER DRITTE“ vom Juni 2007). So viel stand eigentlich nach diesem dünnen Teil 3 fest: Feierabend. Es war alles gezeigt, zitiert, durchgespaßt. Was sollte jetzt noch kommen? oder – Shrek war weg. Vom hollywoodschen Unterhaltungsfenster. Doch nun betritt er noch einmal den Leinwand-Ring, um ein „vernünftiges“ wie lukratives Märchen-Ende zu finden. Resümieren wir deshalb kurz: In „SHREK – DER TOLLKÜHNE HELD“ (2001) lernte das Single-Monster, sich selbst zu mögen. In „SHREK 2 – Der tollkühne Held kehrt zurück“ (2004) erfährt er, was es bedeutet, eine Familie zu gründen, zu einer Family überhaupt zu gehören. In „SHREK – DER DRITTE“ akzeptiert er schließlich seine Verantwortung als Ehemann und Vater. Vorhang.

In „Shrek Forever After“ (Originaltitel) wird – übrigens im wieder entdeckten, modischen 3 D-Verfahren – davon erzählt, WAS WÄRE WENN. Was wäre wenn diese muntere Geschichte von Anfang an ANDERS verlaufen wäre. Die übliche Traumfrage: Wir haben uns für eine Richtung schicksalhaft, bewußt entschlossen – für eine Lebensrichtung und Lebensgestaltung entschieden und stellen nun, Jahre später, die Fangfrage: Wie wäre es eigentlich gewesen, wenn sich „die Dinge“ „anders“ zugetragen hätten? Oder: Was haben wir versäumt, weil wir uns „so“ verhalten, entschieden haben? Und…und…und. Man kann sagen, Shrek ist bedient. Erschöpft, müde. Hat ja nun alles: Eine tolle Ehefrau, drei liebreizende, plärrende Kleinkinder, Promi-Status. Als (Lach-)Monster. Wie im richtigen Menschenleben: Alles hat sich zum Guten entwickelt, die Abenteuer sind erfolgreich abgewickelt, die Gemütlichkeit winkt. Das also war´s??? Das tägliche Dorf-Einerlei?: Windeln wechseln, den Müll entsorgen, für die wöchentlich herangekarrten Touristen die „Mach den Brüller“-Pose? Autogramme geben und mit den Schwiegereltern Konversation machen? Die nervenden Gören ewig drumherum? Der Oger ist stinkig. Mit sich und überhaupt. Von wegen „Sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende“? Ach du liebe Güte. Wo bleibt der kribblige Reiz? Wo sind die neuen Herausforderungen? Wo der tägliche Lebensspaß? Ein Oger in der Midlife-Krise. Kaum hat sich alles beruhigt, beginnt die innere Unruhe. Man müsste noch einmal „jung“ und rebellisch sein. Einmal noch die „wilde Shrek-Sau“ herauslassen dürfen. Das unglückliche Ungeheuer benötigt neuen Dampf und altes Anarcho-Feuer. Will nicht mehr den „brüllenden Suppenkasper“ machen müssen, sondern…???

Klein-RUMPELSTILZCHEN ist ´ne fiese Type. Von ihm hat bislang kaum jemand Kenntnis genommen. „Rumpel“ fühlt sich zurückgesetzt, unverstanden, ausgebootet. Deshalb wurde er gemein. Und durchtrieben. Weil er faustische Kräfte besitzt, sieht er seine Chance. Bietet Shrek DIE Möglichkeit, nach der er sucht: Der Oger bekommt einen Tag seines früheren Lebens, wenn er dafür einen Tag aus seiner Kindheit an den listigen Zwerg verscherbelt. Gesagt, unterzeichnet. Allerdings hat Grünling Dumpfbacke nicht das Kleingedruckte gelesen. Ist viel zu sehr euphorisiert, um die Fallstricke bei dieser Vereinbarung zu überblicken. Denn dieser Rumpel-Pumpel sucht sich den Tag der Geburt von Shrek aus und will diesen Tag „löschen“. Damit es Shrek niemals gegeben hat. Und ER, im nunmehr Paralleluniversum, der diktatorische Herrscher ist. Und so kommt es, daß der übertölpelte Shrek auf Esel, Gestiefelten Kater, Fiona und all die anderen trifft und DIE ihn aber gar nicht kennen. Ganz im Gegenteil, Fiona ist nach Prinzessin, Oger, Ehefrau und Mutter nun eine Kriegerin, die im Untergrund gegen den fiesen Rumpelstilzchen-Häuptling ankämpft. Ein Kuß könnte alles wieder so herstellen wie es war, aber kriege einen solchen erst einmal von einer selbstbewussten, kessen, stolzen Anführerin??? Die mit dieser merkwürdigen grünen Type nichts zu tun haben will? Shrek kommt voll ins Grübeln und Schwitzen.

„Shrek 4“ kommt ulkig in Fahrt. Zitiert zwar nicht mehr so viel wie anfangs, „Harry Potter“, „Matrix“ und der Rattenfänger von Hameln werden gestreift, ist aber denk- und trickreich. Besitzt Motiv-Parallelen zum ewigen (TV-) „Weihnachts-Klassiker“ „Ist das Leben nicht schön?“ von Frank Capra von 1947. Ist zum Schmunzeln und Amüsieren urig geeignet. Auch, weil nun andere „komische Figuren“ wie zum Beispiel der fett gewordene „Gestiefelte Kater“ (ANTONIO BANDERAS/Benno Fürmann) und natürlich der punk-bizarr aussehende, köstlich exzentrische Rumpelpilz (WALT DOHRN/Bernhard Hoecker) die Pointen abkriegen, einfahren dürfen. „Für immer Shrek“ funktioniert sowohl in den hübschen, unaufgeregten visuellen 3 D-Effekten prima (mit einem flotten Ritt auf dem Hexenbesen z.B. oder wenn sich eine Disco-Kugel als Trojanisches Pferd entpuppt) wie auch in der sympathischen Rührstory. Ist was Unterhaltungsfeines zum Sehen UND Hören, wenn die Originalstimmen MIKE MYERS/Sascha Hehn (Shrek), CAMERON DIAZ/Esther Schweins (Fiona) sowie EDDIE MURPHY/Dennis Schmidt-Foß (Esel) wieder losposaunen. Ein schön-shreklicher Abschieds-Jux (= 3 PÖNIs).