SCHLUSSMACHER

SCHLUSSMACHER“ von und mit Matthias Schweighöfer (D 2012; 110 Minuten; Start D: 10.01.2013); ist leider auch wieder dumm, dämlich, dusslig. Ein Bubichen, der bei „Wikipedia“ – mit dem „passenden“ Titelfoto von der Berlinale 2008 – auch wirklich so ausschaut wie ein Bübchen aus Anklam (wo er am 11. März 1981 geboren wurde), das etwas gequält schmunzelnd in die große weite Filmwelt schaut. Plant. Ich will auch. Lustige Filme machen. Erfolgreiche Wie Til, der ohne ‚höf’ in der Mitte. Der Schweiger („Kokowäh 3000“ folgt). Mit dem er ja auch schon öfters filmisch doof zugange war („Zweiohrküken“).
Dabei ist Matthias Schweighöfer ein erstklassiger Schauspieler. Hat dies einige Male bewiesen, so zum Beispiel 2009, in dem TV-Film „Mein Leben“, wo er überragend als Marcel Reich-Ranicki auftrat. Schweighöfer kam aber bisweilen aber auch „ziemlich depperich“ daher. In Kinofilmen wie „Der Rote Baron“, „Rubbeldiekatz“ oder zuletzt in „Russendisko“. Schlimm aber war sein Regie-Debüt im Vorjahr mit „What A Man!“ (s. KRITIK), dem nun Total-Blödsinn zwei folgt. Mit ihm wieder als Regisseur UND Hauptakteur.

Schweighöfer mimt ein Männeken namens Paul Voigt. DER will in seiner Firma, einer professionellen Trennungsagentur, aufsteigen, muss dafür aber, so die Anordnung seines stets flüchtigen Chefs (HEINER LAUTERBACH in Nix-Pose), noch 10 Trennungen „vornehmen“. Dann wird er Oben-Partner. In der Chefetage. Also macht sich Paul ans Werk. Und trifft auf den beknackten, debilen Nett-Naiv-Loser Thorsten „Toto“ Kuhlmann. Nachdem er DEN aus der Wohnung von dessen Freundin in deren Auftrag „geschmissen“ hat, hängt DER sich, mit Großpflanze im Arm (ha, ha), an wen, klar, an Paul(e). Was folgt ist keine stringente Handlung, sondern eine in jedem Moment vorhersehbare, piefige, häppchenhafte Nummernrevue. Motto: Paul will Karriere, „Toto“ ihn begleiten und „bekehren“. Natürlich: Missverständnisse, die alle begreifen, nur die auf der Leinwand (angeblich) nicht, Verwechslungen, unkomische Gag-Schübe mit Lesben, die ja sowieso auch „auf Kerle“ stehen, oder auf Kosten einer „unappetitlichen“ dicken Frau (ha, ha) oder mit einem völlig motivlosen Autounfall plus anschließenden hirnrissigen Schwachsinnsdefekten. MILAN PESCHEL, im Vorjahr mit dem „Deutschen Filmpreis“ für seine überwältigende Rolle des todkranken Vaters in dem Andreas Dresen-Drama „Halt auf freier Strecke“ prämiert, mimt hier den nervenden Clowndolli „Toto“. Mal viel, mal etwas weniger viel doof. Mit manchmal aber auch ganz nettem Versuchs-Slapstick. Am Ende befreit sich aber Matthias-Paul vom kaputtmachenden Kapitalismus-Streben, während sein tolles Mädel Natalie (CATHERINE de LÉAN) natürlich immer noch solo ist und ihn, nach einem bisschen Zögern, natürlich, bereitwillig wieder aufnimmt. So sind sie halt. Die blöden Tussen (Drehbuch: Doron Wisotzky).

„Schlussmacher“ ist Komödien-Kintopp nach Uropa- und Opa-Deutsch-Art. Völlig belanglos. Absolut unwitzig. Voll staubig. An erbärmlichen Ideen. Und plattem Getue. Etwa wenn sich Matthias-Paul im Klobecken eines Lokals schnell mal die Haare wäscht. Und gerne furzt. Undsodiesweiter. Sicher, wir verplempern bundesweit derzeit wahnwitzige viele Steuermilliarden für eventuelle neue Flughäfen, Bahnhöfe, Konzerthallen, da kommt es auf die paar Steuerfördermoneten für solch einen gruseligen bunten Filmschund auch nicht mehr an. Oder? (= 1 PÖNI für eine versteckte Pointe).

P.S.: „Das deutsche Kino wirkt – von Ausnahmen abgesehen – ziemlich matt, ästhetisch mutlos und leider auch intellektuell unterbelichtet. Warum kreisen unsere eigenen Filme zu oft um den Bauchnabel einer satten Mittelschicht, statt mit sich packenden Fabeln den politischen, ethischen Diskursen dieser Welt zu öffnen?“ (Ralf Schenk in der „Berliner Zeitung“/6.12.2012).