Schindlers Liste

Das Dilemma und das große, betrübliche Fragezeichen heißt: Wieso erfahre ich – Jahrgang 46 – erst im Jahre 1993 von der Existenz eines Oskar Schindler? Und: Wieso muss erst 1994 ein Amerikaner daherkommen, um uns mit diesem Menschen näher vertraut zu machen?

SCHINDLERS LISTE“ von Steven Spielberg (USA 1993; K: Janusz Kaminski; M: John Williams; 195 Minuten; Start D: 0.03.1994); ist ein Meisterwerk! Dieser Film zählt heute schon zu den bedeutendsten und wichtigsten Filmen, die überhaupt je hergestellt wurden, „Schindlers Liste“ hat jetzt schon seinen Platz unter den „besten Filmen der Filmen der Filmgeschichte“ gefunden und sicher. Man möchte aufschreien vor so viel wahrem Elend und vor so viel bitterer Wahrheit. Dabei geht es nicht darum, nochmal die düstere Existenz der Nazis und ihrer Mitläufer zu beschreiben. Vielmehr handelt dieser wunderbare, traurige, wütend machende Film vor allem davon, was Menschen, alles Menschen im Namen einer Ideologie, im Namen der Macht und im Namen der eigenen Gier, Dummheit und Person antun konnten (und können). Spielberg überzeugt gerade dadurch, dass er diesem bislang vergessenen Oskar Schindler, dass er dieser authentischen Figur und dem tatsächlichen Geschehen keinen Glorienschein und kein Klischee aufsetzt.

Spielberg umnebelt seine Filmpersonen nicht, sondern schafft aus ihnen „richtige“, berührende, nahegehende Menschen. Menschen, mit denen man mitleidet, mit denen man mitschreit. Man muss andauernd weinen bei diesem Film. Aber es sind keine Tränen der plumpen Rührung, sondern der echten Betroffenheit. Die noch lange, sehr lange, nachwirkt und nachwirken soll und muss.

„Schindlers Liste“ ersetzt viele aufrechte Dokumentationen, viele gute Nachrufe, ersetzt unzählige Bilder. Denn:
Hier versteht man. Hier muss man verstehen, Hier nun kann man nicht mehr ausweichen, kann man sich nicht mehr hinter trockenen Daten, Fakten, hinter anonymen Gesichtern verstecken. Hier: Das sind Wir. Wir Menschen. „Schindlers Liste“ muss vielen und am besten „allen“ gezeigt werden. Er muss zum Pflichtprogramm für Schüler und Unbelehrbare werden. Er ist ein Film, der alles, absolut alles vereint, was Film überhaupt zu leisten vermag: Würde, Wut, Emotionen‚ Wahrheit.

Wenn es je wirklich einen Film gibt der ‚wirkliche‘ Bedeutung hat, dann „Schindlers Liste“ (= 5 PÖNIs).

VIDEO-FILMTIP für „Radio B 2“ (16. 01. 1995)

50 Jahre nach Kriegsende und der Befreiung der Konzentrationslager ist die Video-Veröffentlichung von „; ein bedeutsamer Beitrag zur historischen Aufklärung. Und zugleich ein mahnendes Dokument gegen Gleichgültigkeit und Intoleranz.
Das Dilemma besitzt ein Fragezeichen?: Wieso haben wir hierzulande erst 1993 vor der Existenz eines Oskar Schindler erfahren? Und: Wieso musste erst ein amerikanischer Filmemacher daherkommen, um uns mit diesem Menschen näher bekannt zu machen?

11 Jahre ließ sich Steven Spielberg Zeit, um mit dem wichtigsten Film seiner Karriere einen Mann zu ehren, der half, als niemand helfen wollte. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Keneally aus dem Jahr 1982 führt „Schindlers Liste“ in eindringlichen, unbarmherzigen Bildern die Brutalität und Grausamkeit der nationalsozialistischen Tötungsmaschinerie vor Augen. „Schindlers Liste“ dokumentiert Vernichtung und Völkermord. Als Europa den Holocaust erlebte, entschloss sich Oskar Schindler, Lebemann, Industrieller und Nazi-Sympathisant, alles zu riskieren, um die über 1100 Juden seiner Fabrik zu schützen und zu retten. Unter Einsatz seines Vermögens und Lebens rettete er Frauen und Kinder vor dem sicheren Tod im Lager Auschwitz-Birkenau.

Um die Authentizität des Themas zu unterstreichen, drehte Steven Spielberg den Film auf Schwarz-Weiß-Material und teilweise an Originalschauplätzen. Liam Neeson spielt Oskar Schindler, Ben Kingsley ist in der Rolle seines Buchhalters Itzhak Stern zu sehen. „Niemand kann die Vergangenheit verändern“, sagt Steven Spielberg. „Aber ein Film wie dieser kann durch seine erschütternden Fakten nahelegen, dass wir Ähnliches nie wieder zulassen dürfen“.