Russen kommen Kritik

DIE RUSSEN KOMMEN“ von Heiner Carow (B+R; DDR 1971; 92 Minuten; Start D: 06.10.1988).

Das ist ein “Glasnost“-Film vom Nachbarn, der 20 Jahre auf “Eis“ lag. Zum einen hat das mit dem Titel zu tun, der 1968, als die Russen in Prag einmarschierten, nicht erwünscht war. Andererseits aber auch mit der für 1968 noch ungewöhnlichen Betrachtungsweise auf ein heikles Thema: auf Deutschland zur Stunde null im Mai 1945.

Im Mittelpunkt von “Die Russen kommen“ steht ein Hitler-Junge, der ins letzte Gefecht geschickt und bald schon von seinen gleichaltrigen Kameraden allein gelassen wird. Die Mitschuld am Tod eines jungen entflohenen russischen Zwangsarbeiters sühnt der knapp 17jährige nach dem Einmarsch der sowjetischen Soldaten in einer Kellerzelle, wo er dann dem tatsächlichen Mörder begegnet. Dabei verliert er vollends Glauben und Verstand. Ein beklemmender Film, der nicht anklagt, ja sogar nicht einmal übermäßig bitter daherkommt. Regisseur Carow, auch bei uns durch seinen Film “Die Legende von Paul und Paula“ bekannt und geschätzt, beschreibt auf schwarz-weißem Material die Atmosphäre bei Kriegsende. Und beschwört dabei geradezu den Neuanfang, die Hoffnung auf eine friedliche, friedfertige Welt, in der die Menschen nun endlich brüderlich und vernünftig miteinander umgehen sollen.

“Die Russen kommen“ ist ein unter die Haut und an den Verstand gehender Film. Dessen spröde,
Bilder eine poetische und mahnende Botschaft transportieren, die auch heute noch aktuell ist: Humanität und Toleranz im Umgang miteinander. Auch aus heutiger Sicht ist “Die Russen kommen“ von Heiner Carow ein noch zu entdeckendes Meisterwerk (= 4 PÖNIs).