Russen kommen Kritik

DIE RUSSEN KOMMEN! DIE RUSSEN KOMMEN!“ von Norman Jewison (USA 1966; 126 Minuten; Start D: 29.12.1966; Video-Veröffentlichung: 27.12.1985; DVD-Veröffentlichung: 18.01.2005).

Als sich kürzlich in Genf die beiden Oberhäupte dieser Welt, Gorbatschow und Reagan, endlich zum Gespräch trafen, hätte sie möglicherweise gar nicht so viel miteinander zu reden brauchen. Möglicherweise hätte es auch ausgereicht, wenn sie sich zusammen diesen zwanzig Jahre alten Hollywood-Film angesehen hätten.

Der Film beginnt damit, dass der Kommandant eines sowjetischen U-Bootes eines schönen Tages wenigstens ein einziges Mal einen verbotenen Blick auf die amerikanische Küste riskieren möchte, was prompt Folgen hat. Denn nun liegt man auf Sand fest, präziser: auf einer Sandbank vor der verschlafenen Insel Gloucester. Wo sich normalerweise Fuchs und Hase gute Nacht sagen und wo folglich das Auftauchen von richtigen Russen ganz unterschiedliche, aber meistens sehr aufgeregte Reaktionen hervorruft. Aber der Reihe nach. Zunächst einmal wird mit dem nächsten Bewohner Kontakt aufgenommen, und der begreift wenigstens, worum es geht.
Während die örtliche Telefon-Mamsell schon etwas aufgeregter ist und der Sheriff das Ganze immer noch für einen Spuk hält, für das Hirngespinst ausflippender Touristen.
Aber natürlich gibt‘s auch in diesem Ort den alten Kämpf er, den alten Strategen, den alten Haudegen, der noch einmal seine große Führer-Chance wittert.
Ein ziemliches Tohuwabohu also. Das auch den Assistenten des Sheriffs ziemlich überfordert.
Aber während sich die einen nicht mehr einkriegen können vor lauter Russen-Jagd, hat unser mittlerer Beamte die Lösung parat.

Präsident und Rotes Telefon hin und her, während sich erste Auflösungserscheinungen in der Bevölkerung zeigen, finden sich schon zwei von jeder Seite und sammeln eifrig Sympathiepunkte. Alles okay, meinen Sie? Alles in Butter, Friede, Freude, Wodka? …

Nicht ganz, denn da gibt‘s ja immer noch die Stimme des Volkes, und die kommt laut und deutlich genug.
Wie geht es nun weiter in diesem verschlafenen Kaff? Nun, das soll natürlich nicht verraten werden. Nur so viel sei gesagt, “Die Russen kommen! Die Russen kommen!“ ist eine herrlich durchtriebene, überhaupt nicht gealterte satirische Komödie auf Russenangst und latente amerikanische Kriegshysterie. Die natürlich letztlich eine emotionale und keine rationale Lösung anbietet aber das ist auch egal. Fest steht, dass sie dabei Sachen sagen und zeigen darf, die gleichsam pieken wie amüsieren, die Spaß machen, aber manchmal auch ganz schön den Kopf anstrengen. Dazu kommt, dass der Profi Jewison, auch bei uns bekannt durch glänzende Unterhaltungs-Kost wie “In der Hitze der Nacht“ oder “Thomas Crown ist nicht zu fassen“, mit einem glänzenden Ensemble arbeiten konnte, wie zum Beispiel den Schauspielern Carl Reiner, das ist übrigens der heutige Steve Martin-Regisseur – oder Brian Keith oder Alan Arkin oder Eve Marie Saint.

Sein “Invasion der Marxist—Brothers“, wie es anlässlich der deutschen Uraufführung bei den Berliner Filmfestspielen von 1967 hieß, ist auch heute wieder eine Entdeckung, und sei‘s diesmal auch ‘nur‘ auf Video. Deshalb möchte ich diesen einen Film an den Abschluss des Video-Jahres 1985 setzen (= 4 PÖNIs).

Anbieter: „MGM“ (alt); „Warner Home“