Rush – Alles für den Sieg Kritik

RUSH – ALLES FÜR DEN SIEG“ von Ron Howard (USAGB/D 2012; B: Peter Morgan; K: Anthony Dod Mantle; M: Hans Zimmer; 123 Minuten; Start D: 03.10.2013); Regisseur RON HOWARD, Jahrgang 1954, war von 1958 an als Schauspieler tätig („American Graffiti“ von George Lucas/1973), wurde ab 1977 als Regisseur aktiv („Splash – Jungfrau am Haken“/1984; „Apollo 13“/1995; „A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn“/2001 = 2 „Oscars“ für „Beste Regie“ und „Bester Film“; „The Da Vinci Code – Sakrileg“ + „Illuminati“/2006+2009; „Frost Nixon“/2008) und ist auch als Produzent seit 1980 erfolgreich („die beiden Clint Eastwood-Filme „Der fremde Sohn“ + „J. Edgar“/2008+2011). Hier nun belebt er ein Genre, das sich in der Vergangenheit nur begrenzt durchsetzen konnte: Der MOTORSPORT-Film (siehe „Grand Prix“ von John Frankenheimer//1966; „Le Mans“ von Lee H. Katzin/1970). Blickt auf eine legendäre Formel 1-„Schlacht“ aus den Siebzigern, als das Risiko, durch einen Unfall schwer oder tödlich zu verunglücken, noch (sehr) viel „wahrscheinlicher“ war als heute. Autor PETER MORGAN, Jahrgang 1963, für seine Drehbücher zu „Die Queen“ (R: Stephen Frears) und „Frost/Nixon“ „Oscar“- nominiert, hat ihm eine Geschichte geliefert, die mehr will als nur von Testosteron – gesteuerten Power-Typen zu erzählen. Thema: Menschliche Motivation durch Hass. Der Filmtitel ist Programm. 1976 das Schicksalsjahr.

Sie sind zwei völlig gegensätzliche Persönlichkeiten und haben dasselbe Ziel: Weltmeister in der Formel 1 zu werden. Anfang der 1970er tauchen sie im professionellen Motorsport auf: Der Österreicher NIKI LAUDA und der Engländer JAMES HUNT. Ihre Abneigung ist extrem. Der äußerlich eher unscheinbare Niki Lauda ist ein Technokrat vor dem Herrn. Mit analytischem Verstand und nüchternem Kalkül bewegt er sich. Der Sohn aus einer Industriellendynastie, wegen seiner Perfektionssucht öfters auch als „German“ lästerlich tituliert, hat sich und sein Leben ganz seiner Renn-Arbeit verschrieben. Präzise abwägend. Stets alles kalkulierend. „Daneben“ scheint es wenig bis nichts zu geben. Was ihn interessiert. Ausmacht. Ihm gegenüber – der groß gewachsene Sohn eines Börsenmaklers, ein sonniger Bursche, mit seinen wallenden blonden Haaren und dem ewigen Dauerlächeln. Ein charmanter, charismatischer Typ, dem Fraueneroberungen nicht schwerfallen. Und der vor einem Rennen gerne abkotzt, um so seinen Adrenalinspiegel weiter hochzupuschen (was seinem Manager gut gefällt). Die Lässigkeit in persona. Nach de „Ouvertüre“, in der sie vorgestellt und skizziert werden, geht es in Richtung: DAS Geschehen. 1976. Lange dominiert Niki Lauda. Dann kommt Hunt ihm immer näher. Es ist wie ein Boxkampf, bei dem der Eine Runde um Runde dominiert, bevor der Andere erfolgreich zurückschlägt. Und trifft. Am 1. August 1976 findet das zehnte Saison-Rennen auf dem Nürburgring statt. Niki Lauda verliert die Kontrolle über seinen Ferrari 312T2, wird gegen eine Wand geschleudert. Der Wagen fängt Feuer, drei nachfolgende Fahrer stoppen und ziehen Lauda aus seinem brennenden Auto. Retten ihm das Leben. Lauda erleidet schwerste Verbrennungen. 42 Tage später aber kehrt Lauda bereits wieder in den Ring zurück. Beim Rennen in Monza. Um verlorene Punkte zurückzuholen. Am 24. Oktober 1976 wird der Countdown eingeläutet. In Fuji, Japan. Unter irregulären Bedingungen. Denn es regnet stark, zudem ist die Sicht bei dichtem Nebel eingeschränkt. Niki Lauda liegt drei Punkte vor Hunt. Der Titel ist greifbar nahe. Das Rennen wird gestartet.

Kamera-As ANTHONY DOD MANTLE, „Oscar“-Preisträger (“Slumdog Millionär”/2008), ist das dritte namhafte As (neben Regisseur + Autor), der hier sein Handwerk besonders spektakulär vertritt: Mit sagenhaften zehn Kameras ließ er die Fahr- und Unglücksszenen auf dem Nürburgring zu einem optisch sensationell-dramatischen Ereignis werden. Das in diesen psychologischen wie physischen Spannungstaumel um zwei Extremsportler grandios „passt“. Wie natürlich und vor allem dann auch die Hochform zweier exzellenter Schauspieler. Die es glänzend wie überzeugend verstehen, in ihre Protagonisten buchstäblich wie porentief hineinzukriechen: Der „Thor“-Darsteller, der 28jährige Australier CHRIS HEMSWORTH („Marvel’s The Avengers“), mimt diesen arrogant-coolen Schampuskerl James Hunt mit pointierter Glaubwürdigkeitsfrechheit. Demgegenüber überrascht der „hiesige“ 34jährige DANIEL BRÜHL („Good Bye, Lenin“ / „Der Duft von Lavendel“) als eigenwilliger, knorriger Lauda-Kauz. Mit bestem österreichischem Akzent. Eine Top-Besetzung.

Also: Große Unterhaltung über – ein gescheites Drehbuch, Klasse Bilder, eine sorgfältige wie authentische Ausstattung sowie zwei hervorragende Hauptbewegungsmelder am Lenkrad. Der Autos wie ihres Lebens. Regisseur Ron Howard schuf ein erstklassiges Spannungsspektakel (= 4 PÖNIs).