Ruhet in Frieden Kritik

RUHET IN FRIEDEN – A WALK AMONG THE TOMBSTONES“ von Scott Frank (B + R; nach dem Roman “A Walk Among the Tombstones” von Lawrence Block/1992; deutsch: “Endstation Friedhof”/1994; K: Mihai Malaimare Jr.; M: Carlos Rafael Rivera; 114 Minuten; Start D: 13.11.2014); der Genre-Hüne mit dem melancholischen, “angewiderten” Blick, für d e n Part ist seit geraumer Zeit keiner dermaßen geeignet und erfolgreich wie der irische Schauspieler LIAM NEESON. Der heute 62jährige, der 1994 eine „Oscar“-Nominierung als „Bester Hauptdarsteller“ für „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg bekam, danach in den beiden neuen „Star Wars“-Folgen als Jedi-Meister Qui-Gon Jinn auftrat (1999 + 2002) und als „sanfter Papa“ in „Tatsächlich … Liebe“ (2003) Gutmütigkeit verbreitete, wechselte in den letzten Jahren die filmische Charakter-Seite, um als sympathischer wie verzweifelter Action-Hero reihenweise Bösewichter zu jagen und fertig zu machen. Siehe etwa die beiden „96 Hours“-Streifen von 2008/2012 (Kino-Teil 3 folgt am 8. Januar 2015), als Chef von „A-Team – Der Film“ (2010) oder zuletzt in „Non-Stop“ als „irritierter“, verzweifelter Flugzeug-Cop.

Hier heißt er Matt Scudder. Ist Ex-Polizist und trockener Alkoholiker. Baute 1991, vor acht Jahren, im Dienst versehentlich „Mist“, als bei der Verfolgung dreier Gangster ein Querschläger ein Kind traf und tötete. Matt quittierte den Polizei-Dienst, gab das Saufen auf und verdient sich seitdem seinen Lebensunterhalt als Privatdetektiv ohne Lizenz. Findet sich als Sünden-Bruder damit ab, sich abwechselnd zwischen Herumdackeln, Milieu-Schnüffeleien und Aufenthalte bei den Anonymen Alkoholikern zu bewegen. Dabei interessieren ihn neue Techniken wie Mobiltelefon oder Internet überhaupt nicht; Matt vertraut weiterhin den althergebrachten Ermittlungsmethoden und kommt auf seine konventionelle Weise halbwegs über die Runden. Matt hat sich sowieso längst daran gewöhnt, irgendwo „mittendrin“ und doch „außerhalb“ zu leben. Mittendrin im Niemandsland von unanständigen und guten Bürgern; und fernab jeder halbwegs „normalen“ Existenz.

Ein neuer Fall führt ihn mitten hinein in die „geordnete“ Parallelwelt. Erpresser, die ihre weiblichen Opfer nach Lösungsgeldübergabe killen, haben sich nun auch an einem Drogen-Boss „vergriffen“. Matt wird beauftragt, die Täter ausfindig zu machen. Und stößt nach mühseligen Recherchen auf zwei Psychopathen. Völlig Gestörte von der Drogenfahndung. Als „genüssliche“ Serien-Killer. Denen es weniger um die Kohle als vielmehr um den „sadistischen Kick“ geht. Und DIE aufzuspüren, sich als außerordentlich schwierig erweist.

Natürlich Philip Marlowe, natürlich Sam Spade. Im Gedenken. „Ruhet in Frieden“ ist ein atmosphärischer Noir-Krimi alter (Film-)Schule. Duftet nach besonnener, cooler detektivischer Hand-Arbeit, benötigt keine reißerischen Action-Einlagen, sondern Regen, die Nacht und einen desillusionierten Kerl mit hochgekrempeltem Mantel-Kragen. Zum Schutz gegen die New Yorker Winter-Kälte. Weil er sich doch meistens „draußen“ aufhält. Auf den düsteren Straßen. Sein „Partner“ wird dort ein obdachloser kleiner schwarzer Bursche, TJ (Brian „Astro“ Bradley), der clever genug ist, auf sich erfolgreich aufmerksam zu machen. Als Recherche-Helfer. Und Kumpel.

LIAM NEESON mimt Matt Scudder stoisch wie „verlässlich“. Unangestrengt. In einer lakonischen wie präsenten Körpersprache, die an den ROBERT MITCHUM-Philip Marlowe aus „Fahr zur Hölle, Liebling“ von 1975 amüsant erinnert. Ohne Helden-Posen, dafür mit viel grummelndem Charisma und spannender Knochigkeit. Der Fall selbst stammt aus dem Roman-Jahr 1992, wurde schön-schäbig aufgeputzt und zur „verunsicherten“ Millennium-Zeit angesiedelt. Vermittelt einigen Pulp-Charme, vermag gutmütig-altmodisch punkten. Besitzt nichts von dieser kalten Fälle- und Technik-Sauberkeit heutiger (TV-Serien-)Krimis, sondern hantiert noch bravourös mit einem „amtlich“ unechten, markigen, identifizierbaren Detektiven.

Autor SCOTT FRANK, 54, der für sein Drehbuch zu „Out of Sight“ von Steven Soderbergh 1998 eine „Oscar“-Nominierung bekam und für solch gescheite Filme wie „Das Wunderkind Tate“; „Malice – Eine Intrige“; Schnappt Shorty“; „Minority Report“ oder „Marley und Ich“ unterhaltsame Drehbücher verfasste, begann 2006 auch als Regisseur zu arbeiten. Debüt-Werk: „The Lookout“ / „Die Regeln der Gewalt“. Für seinen zweiten eigenen Film bediente er sich des nostalgischen Kriminalfilm-Klimas vergangener Epochen und kriegt die Spannungskurve vor allem dank seines wunderbar mühelos auftretenden Charakter-Spezis LIAM NEESON solide hin. Während sein Drehbuch mitunter schon etwas trocken „hinkt“. Was aber ein Liam Neeson ebenso präsent zu überspielen vermag (= 3 ½ PÖNIs).