Rache einer Frau Kritik

DIE RACHE EINER FRAU“ von Jaques Doillon (B+R; Fr 1990; 133 Minuten; Start D: 1990)

Zwei Frauen sitzen mit dem Gesicht zur Kamera. Sie unterhalten sich. Beide sind blass, sehen erschöpft aus und leiden. Nächste Szene: Eine Tür geht auf. Die Frauen stehen mit dem Gesicht zur Kamera. Sie sehen immer noch müde und abgekämpft aus und sie reden immer noch miteinander. Das geht über zwei Stunden so. Mehr passiert nicht in Jaques Doillons neuem Film “Die Rache einer Frau“, der ein reiner Dialogfilm ist. Jedesmal, wenn sich eine Tür öffnet und die beiden Frauen sich treffen, wird das Gespräch fortgesetzt. Thema: Ceciles Mann ist-bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Das ist ein Jahr her. Jetzt besucht sie Suzy, die frühere Geliebte ihres Mannes. Suzy und Cecile lieben und hassen sich, sie umschmeicheln und quälen sich, kurz: Sie haben eine sadomasochistische Beziehung ohne Sex, dafür aber mit allen verbalen Torturen, die man sich nur denken kann.

Jaques Doillons Filme sind meistens sehr wortlastig. In seinem letzten Film “Eine Frau mit 15“ hat das nicht gestört. Die Dialoge waren voller Situationskomik und geistreich, die Personen waren aktiv und
lebendig. In “Die Rache einer Frau“ ist alles erstarrt, tot. Fünfminütige Monologe sind keine Seltenheit, die Kamera ist dabei ohne Bewegung, immer auf die Gesichter gerichtet. Hinzu kommt, dass der Film fast ausschließlich in geschlossenen Räumen spielt, der Zuschauer glaubt zu ersticken. Ihm bleibt nichts übrig, als den Dialogen zu folgen, denn optisch passiert ja nichts. Aber auch die Gespräche sind so grauselig, dass es einem die Schuhe auszieht. Die Sprache ist abgehackt, die Frauen reden nie konkret, sondern immer um den heißen Brei herum, die Dialoge sind oberflächig und wirklichkeitsfremd. “Die Rache einer Frau“ war wohl als ein Essay über Frauen in Grenzzuständen gedacht: Analytisch, philosophisch und einfühlsam. Nichts davon ist dem Regisseur gelungen. Schade, denn für die Hauptrollen hat Jaques Doillon eine hochkarätige Besetzung gefunden:
Isabelle Huppert und die schöne Beatrice Dalle ‚bekannt aus “Betty Blue“. Gegen solch ein mieses Drehbuch sind allerdings auch die besten Schauspieler machtlos.

“Die Rache einer Frau“ ist eher ein Stoff fürs
Theater. Der Film ist langatmig, phlegmatisch, belanglos (= 1 PÖNI).