Rache des Wolfes Kritik

DIE RACHE DES WOLFES“ (Kanada 1991; 100 Minuten; Start D: 10.07.1992) von Ryszard Bugajski.

Der hohe Norden Kanadas. Ein wildes Land mit unzähligen Seen voll kristallklarem Wasser. Schluchten aus zwei Millionen Jahre altem Granit teilen riesige Kiefer-, Tannen- und Fichtenwälder. Eine Landschaft, in der die Zeit stillsteht, so scheint es. Doch: Diese Landschaft stirbt. Mit Kettensägen und Bulldozern betreibt ein Holz—Unternehmen den Kahlschlag. Zwar wird damit der letzte Lebensraum der einheimischen Indianer mitzerstört, doch das interessiert niemanden. Peter, ein liberaler, junger Anwalt aus der Stadt, hat vergeblich vor Gericht gegen diesen Raubbau an Natur und Seele gekämpft.

Der Kampf scheint verloren. Da taucht Arthur auf. Ein mächtiger Indianer- Bursche, der sich nicht mehr mit Worten und Demonstrationen zufrieden gibt. Arthur nimmt das Recht in die eigenen Hände und kidnappt kurzerhand Peter und Bud, den mächtigen Geschäftsführer der Holzfabrik. Zu dritt geht es nun auf eine gnadenlose Reise durch das Land, wo Begriffe wie “Recht“ und “Gesetz“ eine neue Identität bekommen. Denn Arthur geht es nicht um Sightseeing, sondern um Rache. Arthur entpuppt sich als Engel des Todes, der sich konkret und schmerzvoll rächen will. Für alles Leid, das ihm, seinem Volk und dem Land brutal zugefügt wurde und wird. Peter, der als Pazifist jede Form von Gewalt ablehnt, sieht sich gezwungen, seine Vorstellungen und Überzeugungen von Kultur und Zivilisation völlig neu zu überdenken.

“Die Rache des Wolfes“ von Ryszard Bugajski ist ein brutaler, wirklichkeitsnaher Öko-Western. Zugleich ist er eine schonungslose Abrechnung mit den Mythen und Märchen vom freundlichen Wilden, der tapfer sein schlimmes Schicksal erträgt. Niemand ist mehr Gut und Schlecht auf dieser Welt. Alle sind beschmutzt und tragen Mitschuld an dem fortschreitenden ökologischen Desaster. “Die Rache des Wolfes“ propagiert nicht Gewalt als Mittel gegen Unrecht, zeigt aber sehr schmerzhaft und wo und wann einmal Schluss sein könnte mit den vielen Worten und der Ausweglosigkeit. “Die Rache des Wolfes“ lässt tief blicken und ist ein brutaler, nachdenklich stimmender und zugleich szenisch spannender Rundumschlag gegen liebgewordene Klischees. Zugleich aber ist der Film auch ein Appell an das Jubiläumsjahr: 500 Jahre nach Kolumbus stellt dieser kanadische Film die Frage nach der moralischen Rechtfertigung für die Kolonisation Amerikas.

“Die Rache des Wolfes“: Ein aufwühlender, beunruhigender großartiger Film (= 4 PÖNIs).