Public Enemies Kritik

PUBLIC ENEMIES“ von Michael Mann (Co-B+R; USA 2008; 143 Minuten; Start D: 06.08.2009); der heute 66jährige Regisseur zählt zu d e n Kreativ-Künstlern in Hollywood und hat sich mit Filmen wie „HEAT“ (1995/mit Al Pacino + Robert De Niro); „lnsider“ (1999/mit Russell Crowe); Ali“ (2001/mit Will Smith); „Collateral“ (2004/mit Tom Cruise und Jamie Foxx) sowie „Miamie Vice“ (2008/mit Colin Farrell + Jamie Foxx) einen hervorragenden Unterhalter-Namen gemacht. Apropos „Miami Vice“: Mann war in den 80er Jahren maßgeblich am Entstehen der Kult-TV-Serie beteiligt. Und: Einer seiner Co-Produzenten ist hier Robert De Niro. Also beste Voraussetzungen für einen neuerlichen Genre-Knaller/-Knüller?: Nö. Sein Thema ist hier eine
amerikanische Verbrecher-Legende aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts: JOHN DILLINGER (22.06.1903-22.07.1934).

Dillinger war der Erste, den das FBI als „STAATSFEIND Nr.1“ bezeichnete. Auf ihn war ein Kopfgeld in Höhe von (damals) sagenhaften 25.000 Dollar ausgesetzt. Dillinger raubte in den wirtschaftlichen Depressionsjahren Banken aus; führte eine Bande von Dieben und Mördern an, wurde mehrmals verhaftet, konnte immer wieder entkommen, wurde schließlich
„verraten“ und vom FBI im Alter von 31 Jahren auf offener Straße erschossen. Der aufwändige Film beschreibt das Duell zwischen Sheriff und Gangster. In einem schmalen Zeitfenster von Dillingers Gefängnisausbruch 1933 bis zu seinem Tod
nach einem Kinobesuch in Chicago 1934. Der ehrgeizige junge FBl-Boss J. Edgar Hoover (BILLY CRUDUP) setzt seinen „besten Agenten“ auf Dillinger an, Melvin Purvis (CHRISTIAN BALE). Damit stehen sich zwei äußerst charismatische Typen gegenüber.

Wir hören viel Gerede, sehen andauernd Überfälle, mit agiler Handkamera eingefangen, betrachten tolle Sets, erleben ein langes Katz-und-Maus-Verfolgungs- bzw. Jagd-Spiel mit Ohne-Spannung. Weil: Tiefe, Charakterstärke, Figuren-Reiz sind gleich null. Nirgendwo Dichte, keine emotionale Anteilnahme möglich. „Public Enemies“ ist nur ein bunter AUSSEN-THRILLER mit Promis. Wir blicken auf eine gigantische Architektur, auf toll herausgeputzte Räume (Tanzsäle, Bahnhöfe, Autos, Straßen, Hotels) aber ohne „Innereien“. Action soll Seele + Spannung ersetzen, vermag aber nur Oberflächen-Neugier erzeugen. Der heute 46jährige JOHNNY DEPP, der mit wandlungsfähigen Rollen in Filmhits wie „Fluch der Karibik“ (als Captain Jack Sparrow), „Charlie und die Schokoladenfabrik“, „Wenn Träume fliegen lernen“ (als Peter-Pan-Autor J.M. Barrie) oder „Chocolat“ (neben Juliette Binoche) für unterhaltsame Furore sorgte, ist erstmals KOMPLETT FEHLBESETZT. Depp als Dillinger wirkt unglaubwürdig, „mechanisch“, langweilig, gar uninteressant. Ebenso wie der 35jährige Hero CHRISTIAN BALE, den wir zuletzt in hervorragenden Spannungsmovies wie „The Dark Knight“ (als Batman), „Terminator: Die Erlösung“, „Todeszug nach Yuma“ oder als Bob Dylan-Kopie in „I’m Not There“ bewundern konnten. Auch er trägt hier feinen Zwirn, sagt mit
versteinertem Gesicht seine Sätze auf und wirkt platt, matt, egal. Und die französische „Oscar“-Preisträgerin MARION COTILLARD (die Edith Piaf in „La vie en rose“) präsentiert als Gangster-Liebchen nur elegante Roben und zeigt ein
sorgenvolles Gesicht.

Aber die Menschen sind hier sowieso nur Mittel zum Posen- Zweck, also völlig unwichtig. Zudem: Ein John Dillinger interessiert 2009 eigentlich überhaupt nicht, sind doch heutzutage viel mehr die gierigen BANKSTER als die wahren Schurken aktuell ausgemacht (= 2 PÖNIs).