Program Kritik

THE PROGRAM – UM JEDEN PREIS“ von Stephen Frears (GB/Fr 2013; B: John Hodge; basierend auf dem Buch „Seven Deadly Sins“ von David Walsh/2012; K: Danny Cohen; M: Alex Heffes; 104 Minuten; Start D: 08.10.2015); jeder Film des inzwischen 74jährigen Briten STEPHEN FREARS („Die Queen“, zuletzt: „Philomena“) ist sehenswert. Obwohl in seinem neuen Werk das Ergebnis bekannt ist, schafft es Frears erneut, einen exquisiten Spannungsfilm zu entwickeln, der wie ein Kriminalfall funktioniert (was er ja letztlich dann auch ist) und dabei von einem der ekligsten Skandale in der Geschichte des Profi-Sports, präzise: des Radsports, erzählt.

Stichwort: LANCE ARMSTRONG. Der Texaner (BEN FOSTER) taucht im Alter von 21 Jahren im Sommer 1993 erstmals im Tour de France-Feld auf. Kriegt mit, dass „gewinnen“ nur möglich ist, wenn du nicht nur hart trainierst, sondern dich auch „anderweitig“ „stärker“ machst. Motto: Regelmäßiges und ausgetüfteltes Dopen. Ein italienischer Sport-Arzt, Dr. Michele Ferrari (GUILLAUME CANET), steht bereit, jederzeit „helfend“ einzugreifen. Dann aber die Hiobsnachricht: Hodenkrebs im finalen Stadium. Doch ebenso wie auf der Straße vermag Lance Armstrong vehement gegen seine Krankheit zu kämpfen. Und sogar als Berufssportler zurückzukehren. Eine fast märchenhafte und gerne weltweit verbreitete Geschichte. Zumal Lance Armstrong fortan zum Top-Athleten mutiert. Ab 1999 gewinnt er sechs Mal hintereinander das „schlimmste“ Straßenradrennen der Welt. Was für ein Triumph! Mit Helden-Schein. Zwar immer wieder von Misstrauen und Doping-Verdacht begleitet, aber nie beweisbar zu belegen. Für Millionen ist Lance Armstrong DER moderne Hero! Dabei ist er ein professioneller Betrüger, den das Täuschen und Tricksen und das Schweigen der Verantwortlichen hüben wie drüben zum über jeden offiziellen Verdacht erhabenen Millionär gemacht hat. Der sich – ständig manipulierend – völlig unangreifbar wähnt.

Und DEN der irische Journalist David Walsh permanent – recherchemäßig – verfolgt. Allerdings ohne die letzten Beweise vorlegen zu können. Und damit sogar vor Gericht abgewiesen wird. Das Lügen-Gebäude um Lance Armstrong und das Unrechtssystem des millionenschweren Profi-Radsports beginnen erst zu bröckeln, als Armstrongs Ex-Kollege Floyd Landis (JESSE PLEMONS) die unmoralische, unethische, geldgierige Schnauze voll hat und auszupacken beginnt.

BEN FOSTER, ein Gigant. Der bisher oftmals als interessanter Nebendarsteller aufgefallene 34jährige Ami („The Messenger – Die letzte Nachricht“/2009, neben Woody Harrelson; zuletzt: „Lone Survivor“, neben Mark Wahlberg) i s t die optimale Verkörperung von Lance Armstrong. Besitzt dessen Präsenz, wütet mit dessen Charisma-Stärke, zeigt sich als im besten Sinne „besessener Akteur“. Dessen Charakter-Nähe imposant-aufregend ist. Und: Ben Foster hat sich für seinen Olymp-Part auch dementsprechend eingelassen, hat „unter ärztlicher Aufsicht leistungssteigernde Mittel genommen, um sich vorzubereiten“, jedenfalls behauptet er dies („Spiegel“ 39/2015). Das Ergebnis kann sich bestens sehen lassen. Was für ein Auftritt: neben wie auch auf dem Fahrrad!

Stephen Frears geht es mit seinem Thriller nicht um die Biographie, sondern um die kriminellen Machenschaften des Lance Armstrong. Wie wieso und warum er so war wie er ist und weshalb sein umfangreiches Betrugssystem über lange Zeit so prächtig und profitabel gedeihen konnte.

Das endliche und umfangreiche, publikumswirksame Geständnis von Lance Armstrong in der TV-Show von Oprah Winfrey am 13. Januar 2013 überrascht denn auch nicht mehr wirklich. Sorgt nur dafür, dass der Profi-Radsport nun offiziell wie nachhaltig als total vergiftet gilt. Was hier faszinierend zu belegen war (= 4 PÖNIs).