PÖNIs BLOG (17): DER (WEST-) BERLINER KULT-BARDE

Ingo Insterburg (2016); Quelle: Wikipedia/Disuna)

1.) Pöni-PRIVAT: 1967 = „JETHRO TULL“ wurde in London gegründet. LYNDON B. JOHNSON hieß der amtierende US-Präsident. EINTRACHT BRAUNSCHWEIG wurde Deutscher Fußballmeister. In den Kinos liefen Hits wie „Das Dschungelbuch“; „Oswalt Kolle: Das Wunder der Liebe“ und „Tanz der Vampire“ (von Roman Polanski).

Westberlin 1967. WIR waren BERLIN. Jedenfalls fühlten wir uns so. In der „Frontstadt“. Wie die DDR unser Eiland bezeichnete. Als „freie Stimme der freien Welt“, wie der RIAS (= Rundfunk im amerikanischen Sektor) täglich verkündete. Irgendwie sahen wir uns als etwas Besonderes an. Besseres. Gegenüber der restlichen Welt. Und während wir „so behütet“ frech-selbstbewusst und auf „Schabernack“ eingestellt durch die Gegend stolzierten, tauchte ER auf. 1953 aus der „SBZ“ (Sowjetischen Besatzungszone) abgehauen, ehemaliger Westberliner Student in Sachen Kunstpädagogik an der Hochschule für Bildende Künste, der 1959 Klaus Kinski als Guitar-Ingo bei dessen Auftritten mit Brecht-Balladen begleitete: INGO INSTERBURG, Ostpreuße des Jahrgangs 1934. Und nun beginnend, sich mit ein paar Kumpels auf den Weg zur Westberliner Kultfigur zu blödeln: Als Gruppe: INSTERBURG & Co. Mitstreiter waren: KARL DALL, Jürgen Barz und Peter Ehlebracht. Sie zogen erfolgreich durch Clubs, traten an größeren Orten (wie der Kongresshalle, dem heutigen „Haus der Kulturen der Welt“) auf, spielten in Filmen mit. Und fanden begeisternden Zuspruch mit ihren ulkigen Aktivitäten. Ingo & Co. propagierten und kultivierten die „Kunst des höheren Blödsinns“, wurden liebevoll als „Blödelbarden“ tituliert, fanden eine riesige Fan-Gemeinde. Sie vertonten Sketche, spielten „seltsame Lieder“ mit häufig von Ingo selbstgebauten Instrumenten, von denen viele aus umfunktionierten Küchen-, Garten- und sonstigen Alltagsgeräten bestanden; mimten 1969 im Spielfilm „Quartett im Bett“ von Ulrich Schamoni – Untertitel: „Klatsch, Klatsch Schenkelchen – Opa wünscht sich Enkelchen“ – mit. Erhielten dafür sogar, neben den „Jacob Sisters“, den: Ernst-Lubitsch-Preis (wird alljährlich vergeben vom „Club der Berliner Filmjournalisten“). Lange bevor Typen und Begriffe wie „Comedian“ auftauchten, waren sie livehaftige, saukomische, originelle tolle „Blödlinge“.

„Insterburg & Co.“ veröffentlichten zahlreiche Schallplatten mit Sketch-Sammlungen und Liedern. Das bekannteste Liedgut stammt aus dem Jahr 1974. Titel: „Ich liebte ein Mädchen“. Hielt sich viereinhalb Monate in den deutschen Singlecharts und ist heute immer noch d e r KULT-Ulk-Song überhaupt. „Insterburg & Co.“ trennten sich 1979, blieben aber über die Jahre unvergessen.

Am 27. Oktober 2018 ist der Musik-Kabarettist, Komiker, Sänger, Multiinstrumentalist, Schriftsteller, Schauspieler, Komponist, Maler, Zeichner und Bastler INGO INSTERBURG in Berlin verstorben. INGO, du bist und bleibst unvergessen. Hast UNS eine lange „Prägephase“ lang herrlich-albern-stimmungsvoll begleitet. Ich kann mir vorstellen, dass dort, wo du jetzt bist, die volle Kanne GUTE LAUNE herrscht.

2.) Pöni-MUSIK: Natürlich ist heute d e r Tages- bzw. Wochenhit „ICH LIEBTE EIN MÄDCHEN“ von und mit INGO INSTERBURG. Ein köstlicher Quatsch für die musikalisch-ironische Ewigkeit.

3.) Pöni-TV-TIPP: Als dokumentarisches Highlight und passend zur Kongresswahl in den USA ist die vierteilige Doku-Miniserie „MISSION WAHRHEIT – DIE NEW YORK TIMES und DONALD TRUMP“ bei ARTE am Dienstag, den 6. November von 20.15 Uhr bis 23.45 Uhr annonciert. Thema: Der Einblick in die Arbeit von Journalisten in Zeiten von „Fake-News“ und einem Klima der Anfeindungen, wie sie jüngst in den versuchten Briefbomben-Anschlägen in den USA, die unter anderem auf CNN-Journalisten zielten, einen traurigen Höhepunkt erfahren haben.

Wünsche eine besonnene, unterhaltsame Woche. PÖNI Pönack grüßt HERZlich