PÖNIs BLOG (105): Erstklassig: BRUNO; sowie 3 x weitere neue KINOFILME; 1 x HEIMKINO; LONDON-MUSIK: RALPH McTELL

1.) GEHT UNTER DIE HAUT: Titel = „BRUNO“. Vom irischen Autoren-Regisseur KARL GOLDEN. GUTE Filme zu entdecken ist ein Vergnügen. Dies ist ein solcher BRITISCHER Qualitäts-Film: Einfühlsam, unaufdringlich, nahegehend. Wunderbar berührend. Der gerade hierzulande in den Kinos läuft. Als Außenseiter-Movie. Weil er im Original mit deutschen Untertiteln angeboten wird. Was ihm aber mehr „bekommt“ denn schadet. Denn er besitzt einen formidablen (Chaplin-)Außenseiter-Charme. Mit klarem Gefühls-Verstand. Wirkt er angenehm leise, zurückhaltend = unaufdringlich. Erzählt von zwei Außenseiter, die als als Obdachlose durch London stromern. Der Erwachsene ist Daniel (still: DIARMAID MURTAGH), sein kleiner Begleiter hört auf den Namen Izzy (als beeindruckender Seelenverwandter: WOODY NORMAN). Bruno war bislang sein einziger treuer Weggefährte, dessen Sprachlosigkeit Daniel schätzt: er ist sein Labrador-Hund. Als Izzy auftaucht, muss Daniel mehr reden als ihm lieb ist. Während man spürt, dass hier „vorher“ etwas passiert sein muss, das ihn zu dieser Außenseiterfigur Daniel brachte. Während man beim kleinen Jungen Izzy informiert wird: Bei ihm ist Zuhause, bei den Eltern, einiger übler Streit-Murks abgelaufen. Den der Junge nicht mehr ausgehalten hat. Und ihn deshalb abhauen ließ. Auf die Straßen von London. Wo inzwischen Bruno verschwunden ist. Was Daniel nicht „duldet“. Gemeinsam mit Izzy macht er sich auf die Suche. Nach Hund und Seele.

Es gibt Filme, die nehmen einen mit. Die stellen Akteure vor, die man „empfindet“. Denen man empathisch folgt. Ohne dass sie dafür/dabei aufdringlich oder überhaupt „besonders“ sein müssen. Daniel säuft nicht, nimmt keine Drogen, ist halt „nur“ an den Outlaw-Rand gerutscht. Warum? Werden wir schon noch erfahren. Erst einmal identifizieren wir zwei Zweibeiner und einen Vierbeiner. Beobachten und begleiten sie bei ihren „Abenteuern“. Werden mit einem Kind konfrontiert, das sehr früh vom trüben Leben eingefangen ist und nun einem „Kerl“ folgt, der damit so seine Schwierigkeiten hat. Den irischen Akteur DIARMAID MURTAGH, bekannt aus TV-Serien und Kinofilmen wie „Vikings“ oder „Monuments Men: Ungewöhnliche Helden“, erklärt Macher Karl Golden zum „Riesen mit gebrochenem Herzen“. Motto: Schicksale von Aussteigern. In einem ergreifenden wie magischen 95-minütigen Film, der durch Londoner Straßen führt. Stimme gerne einer Kollegen-Meinung zu: Dass Karl Golden hier nach einer „frustrierenden Zeit als Vertragsregisseur“ zum Schreiben seiner eigenen Filme zurückkehrt, hat sich gelohnt (Manfred Riepe/“epd film“, Oktober 2020). Suchen, Entdecken, Annehmen – dieser Film ist ein ergreifender KINO-Gewinn (= 4 1/2 PÖNIs).

2.) OKAY: Titel = „ASTRONAUT“Debütfilm der in Großbritannien lebenden 59-jährigen kanadischen Film- und Fernsehschauspielerin SHELAG McLEOD. Als Autoren-Regisseurin. Es gibt Spielfilme, die „gehören“ EINEM SCHAUSPIELER. Wie hier. RICHARD DREYFUSS, geboren am 29. Oktober 1947 in New York, wurde in den 70er-Jahren durch hochkarätige, erfolgreiche Spannungskost wie „Der weiße Hai“; „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“ oder „American Graffiti“ bekannt. 1978 bekam der den „Oscar“ als „Bester Hauptdarsteller“ für seinen Part in „Der Untermieter“. Hier mimt er den Ruhestand-Straßenbau-Ingenieur und Witwer Angus Stewart, der sein ganzes Leben davon träumte, einmal als Astronaut in den Weltall zu düsen. Jetzt, mit 75 Jahren, will er seinen Lebenswunsch realisieren. Allerdings muss er dafür erst einmal tricksen. Um als Kandidat beim ersten Weltraumflug des Selfmade-Milliardärs Marcus Brown (COLM FEORE) überhaupt in Frage zu kommen. „Wann, wenn nicht jetzt“, denkt sich der Oldie; der gerade auf Initiative seiner Tochter Molly (KRISTA BRIDGES) wegen gesundheitlicher Probleme in ein Altersheim umziehen musste. Und sich nun diesbezüglich „positioniert“. Um den Flug zu den Sternen doch anzutreten. Entweder man akzeptiert die Solo-Show des Stars Richard Dreyfuss oder eben nicht. Und hält Abstand. Ich mag ihn schon seit Jahrzehnten und freue mich, ihm endlich mal wieder auf der Leinwand begegnen zu können. Wo er beweist, das man auch als „alter Bursche“ noch präsent sein kann und dabei einiges Unmögliche zu leisten vermag. Zum Beispiel als: „Astronaut“ in Vorbereitung. Der Film läuft ordentlich durch und weis ebenso angemessen zu unterhalten. Mit der (Presseheft-)Kommentar-Vorlage der Macherin: „Die demographischen Statistiken zeigen, dass die Anzahl älterer Menschen in unserer Epoche so hoch ist wie nie zuvor in der Geschichte. Dennoch werden Senioren viel zu oft vergessen, herabgewürdigt, angewiesen ’still zu halten'“. Stimmt (= 3 PÖNIs).

3.) NEIN: Titel = „DER GEHEIME GARTEN“Ist die nunmehr elfte Verfilmung des Kinder- und Jugendromans der britischen Schriftstellerin FRANCES HODGSON BURNETT (*24.11.1849 – †29.10.1924), der 1911 erstmals veröffentlicht wurde. (Und von ihr stammt übrigens auch der legendäre Roman „Der kleine Lord“/1886, dessen britische Verfilmung alljährlich zu Weihnachten in der ARD läuft). Wir schreiben 1947. Die zehnjährige Mary Lennox hat ihre Eltern in Indien verloren. Wird zu ihrem Onkel, Lord Archibald Cravens, einem Schlossherren, nach England geschickt. Der ist ein schwermütiges Ekelpaket. Möchte seinen „Besuch“ am liebsten auf eine Schule abschieben. Hat mit dem jungen Mädel nichts am Hut. Doch Mary hält dagegen. Gibt sich aufmüpfig. Zeigt sich launisch. Ist mal verwöhnte Göre, dann aber auch mal ganz nett. Darf verweilen. Was der Hausdame Martha nicht gefällt. Mary lernt den kränklichen wie ein gebildeten, bettlägerischen Lord-Sohn Colin kennen. Beschließt ihm zu helfen. Oft auch gegen seinen Willen. Als sie einen geheimnisvollen Garten sowie einen dort lebenden Hund entdeckt, beginnt sie „aufzuräumen“. Dabei hilft ihr auch der kindische Bruder ihres Hausmädchens. Dickon. Was sich so lieblos herunter-gezählt anhört, sieht sich auch so. Die Mary-Darstellerin Dixie Egerickx ist von der ersten Begegnungssekunde „falsch“. Spielt mehr affig denn überzeugend. Diese Dauerwechsel zwischen unartig und brav wirken trübe-lächerlich. Der Colin-Akteur Edan Hayhurst tritt auf wie ein Dummkopf. Mit Macken-Charme. Überhaupt: Hier sind viele meistens unsympathisch. Die Nebenrollen-Profis COLIN FIRTH und JULIE WATERS erfüllen die mäßigen Regie-Anweisungen und hangeln sich unartig durch die schlampigen 100 Minuten. Die ziemlich mürbe vom TV-Regisseur MARC MUNDEN inszeniert wurden, wobei die Naturaufnahmen des Kameraexperten Lol Crawley noch das Beste hier zeigen. Diese Co-Produktion GB/Frankreich/USA/China ist misslungen (= 1 PÖNI; für Natur und Hund).

4.) VERSENDET SICH: Titel = „MRS. TAYLOR’S SINGING CLUB“Entstanden unter der Regie des britischen Regisseurs PETER CATTANEO, dessen Meisterwerk „Ganz oder gar nicht“ Ende Oktober 1997 im Kino startete und unvergessen bleibt (s. Kino-KRITIK/5 PÖNIs). Sein neuestes Filmstück dauert 112 Minuten und  ist kein herausragendes Werk, sondern enthält harmlosen Bedienungsstoff. Als ich einst im RIAS anfing, Beiträge und Sendungen zu produzieren, kam es vor, dass manches – nach Fertigung – nicht als „gelungen“ bezeichnet werden konnte. Mit zwei Möglichkeiten: nochmal von vorne anzufangen, Stress komm‘ her, oder einfach – alles so zu lassen. Mit diskreten Charme-Gedanken: dies versendet sich ja eh. Dieser Filmstreich, der jetzt unsere Kinos bevölkert, ist mit ähnlichem Versendungscharme umweht. Was schon im Originaltitel „Military Wives“, „Soldatenfrauen“, zum Ausdruck kommt. Während Kerle sich beruflich = militärisch an der Afghanistan-Kriegsfront aufhalten, proben ihre Ehefrauen auf einer britischen Militärbasis das gesangliche Warten. Von wegen: Echte Warte-, also Freizeit muss geübt, also trainiert-werden. Für dann überzeugendem Gesang. Im Commonwealth seit 2011 existierend; mittlerweile gibt es rund 80 solcher Frauenchöre, die inzwischen auf eine internationale Fangemeinde setzen können und zugleich mit diversen Tonträgern versorgt werden. Dieser Film stellt sich an den Anfang dieser Entwicklung, neulich war’s, verbreitet quasi verschiedene Stimmungslagen unter den Kandidatinnen. Von spießig über angriffslaunig bis talentiert. Zwei Mädels sorgen für pointierten Konkurrenz-Dampf: die rebellische Lisa (SHARON HORGAN) und die quer-gelaunte Kate (KRISTIN SCOTT THOMAS), deren Gatte im Camp als höchster Unteroffizier tätig ist. Weshalb sie „die Führung“ im Chorbrausen zu übernehmen gedenkt. Trubel = Trabbel ist garantiert. Wer darf den Ton angeben. Dann aber muss man sich zusammenraufen, denn die nächste (alljährliche) Wohlfühl-Gesangsshow steht an. Mit Bekanntheitsaussicht, wenn man mitzumischen versteht. Deshalb: Zusammenraufen für den Sieg, lautet ab sofort das launige Stimmungsmotto. Das filmisch gebremst wirkt. Obwohl mit populärer 1980er Tonlage versorgt, etwa mit Pop-Schleusen wie „Time After Time“ oder „Don’t You Want Me“. Irgendwie versendet sich dabei der Streifen. Trotz der beiden urigen Duellantinnen Kristin Scott Thomas & Sharon Horgan (= 2 1/2 PÖNIs).

5.) RADAU: HEIMKINO. Titel = „CODE AVA“. Unter der Regie von TATE TAYLOR („Girl on the Train“/2016) tummeln sich Prominente Mitwirkende, darunter: „Golden Globe“-Preisträgerin JESSICA CHASTAIN („Zero Dark Thirty“/2013); der irische Star COLIN FARRELL („Brügge sehen … und sterben?“); die „Oscar“-Preisträgerin GEENA DAVIS („Thelma & Louise“/1991) und Hollywood-As JOHN MALKOVICH („Being John Malkovich“/1999). Ein hochkarätiges A-Ensemble in einem typischen B-Movie. Mit Jessica Chastain an der Rampe. Als Ava Faulkner, eine coole Profikillerin. Deren Aufgabe es ist, für eine – zwielichtige – Organisation Zielpersonen auf der ganzen Welt auszuschalten. Als aufgrund falscher Informationen bei einem Job was schiefläuft, wird sie von ihrem früheren Ausbilder und Mentor (John Malkovich) in Zwangsurlaub geschickt. Was sie – noch – nicht weiß ist, dass ihr jetziger Boss Simon (Colin Farrell) inzwischen Killer auf sie angesetzt hat. Sie kalt stellen will. Die Jagd ist eröffnet. Bei der dann auch andere – private – Missgeschicke von ihr bekannt werden. „CODE AVA“ ist ein solider 96-minütiger Zuhause-Krimi. Bietet Unterhaltung zum nervlichen Schellverzehr. Boyd van Hoeij, niederländischer Kritiker beim „Hollywood Reporter“, rekapitulierte: Etwas lächerliche Handlung, doch  – „Chastain überzeugt in einer weiteren knallharten Rolle. Wenn das Publikum am Film festhält, ist dies vor allem ihrem Charisma als Filmstar zu verdanken“. Sehe ich ähnlich (= 3 PÖNIs).

6.)   MUSIK: „STREETS OF LONDON“.  „Haben Sie den alten Mann auf dem geschlossenen Markt gesehen?“ „Lass mich dich bei der Hand nehmen und dich durch die Straßen von London führen“. „Ich werde dir etwas zeigen, damit du es dir anders überlegst“. Zum Nummer 1-LONDON-FILM – siehe oben – passt dieser Titel aus dem Jahr 1974, gesungen von RALPH McTELL: geboren am 3. Dezember 1944 in Farnborough, London; ein vom Folk beeinflusster Songwriter, Sänger und Gitarrist. Dessen Klassiker auch heute weiterhin „mächtig“ klingt, besser – rührt. Meine Hymne für diese Woche:

Wünsche eine gefühlvolle, gesunde Woche.

P.S.: Lese gerade d e n zutreffenden Tages-Kalenderspruch – Der Fußball hat bei uns einen Stellenwert, der gar nicht statthaft ist  – für das bisschen Arsch-wackeln (Hans Meyer).

HERZlichst, mit guter Laune: PÖNI Pönack

kontakt@poenack.de

 

 

 

 

 

 

 

 

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