DIE PLUTONIUM-AFFÄRE

Vor 20 Jahren produzierte BBC-Television in London einen Film. Er hieß „The War Game“ und behandelte in einer dokumentarischen Spielhandlung das grauenvolle Geschehen nach einem Atombombenangriff auf englische Städte. Dem Autor und Regisseur Peter Watkins war dabei ein solch überzeugender und er- und abschreckender Film gelungen, dass die BBC ihn, trotz einer „Oscar“-Prämierung in Amerika, nicht zur Vorführung in Fernsehen freigab.“The War Game“ gelangte demzufolge über die Kinos ans Publikum. Vor 2 Jähren war die BBC schon mutiger.
Sie produzierte eine Atom-Thriller-Mini-Serie mit dem Titel „Edge of Darkness“, der bei uns mit „DIE PLUTONIUM-AFFÄRE“ von Martin Campbell (GB 1985; B: Troy Kennedy; 307 Minuten; Video-Veröffentlichung: 01.02.1988); betitelt wurde. Darin werden die schlimmen Machenschaften eines neuen, gefährlichen Staates im Staat geschildert. Der ohne öffentliche Debatte und ohne demokratische Kontrolle entstanden ist und immer mehr das Überleben auf unserem Planeten gefährdet. Gemeint ist der Atom-Staat und seine mächtige Lobby. Nach Harrisburg und Tschernobyl heißt nun der neue, fiktive, Krisenort Northmoor. Dort ist eine Atommülldeponie angesiedelt, in der einiges nicht mit rechten Dingen zugeht.

Im Mittelpunkt des spannenden Geschehens steht der Polizei-Inspektor Ronald Craven. Dessen Tochter wird erschossen. Während die Kollegen an einen Racheakt eines Gangsters glauben, kommt der Vater bei seinen zermürbenden Recherchen hinter eine ganz andere Geschichte. Seine Tochter war Mitglied einer Gruppe von militanten Wissenschaftlern, die gegen die Atomenergie ist. Und sie führte offensichtlich 6 Mitglieder von ihnen in die unterirdischen Anlagen von Northmoor, wo angeblich illegal Plutonium, der chemische Grundstoff für das Atom, aufbereitet wird. Bis auf Emma Craven überlebte niemand der Eindringlinge diese Aktion.
Sowohl die Regierung Seiner Majestät als auch Scotland Yard und mittenmal auch der amerikanische CIA sind an den Ermittlungen des beharrlichen Inspektors interessiert. Ja, sie unterstützen ihn sogar bei seinen ständigen Schnüffeleien, soweit es natürlich ihren jeweiligen Interessen dienlich ist. Aber Craven und sein raubeiniger CIA-Kollege Jedburgh, übrigens von Bob Peck und Joe Don Baker überzeugend gespielt, wollen nicht nur Marionetten eines faulen Systems sein und ermitteln auf eigene Faust. Dazu begeben sie sich schließlich direkt in die Höhle des radioaktiven Löwen.

Die soeben auf zwei Kassetten herausgekommene Video-Premiere „Die Plutonium-Affäre“ ist ein ganz starkes Stück von Film und, wie wir inzwischen erfahren mussten, längst nicht mehr nur Science Fiction. Im Gegenteil, an Brisanz und Aktualität ist das Thema aufgrund der Ereignisse in Hanau und anderswo kaum zu überbieten. In England beeindruckte der Film nicht nur ein Millionenpublikum, sondern auch amtliche Stellen: „Edge of Darkness“, zu Deutsch etwa: „Am Rande der Dunkelheit“, erhielt nach 11 Nominierungen alleine 6 der britischen Fernseh-„Oscar“- Auszeichnungen (BAFTA). Der „Daily Express“-Kritiker urteilte über dieses herausragende Filmereignis: „Das Beachtlichste an dieser Produktion ist, dass es gelungen ist, schwere Inhalte in einen spannenden Thriller zu verpacken“. Und das kann dann auch als Aufforderung an hiesige Filmemacher verstanden werden. Motto: Zur Nachahmung dringend empfohlen…

Anbieter: „Warner Home Video“ (vergriffen)