Plötzlich Papa Kritik

PLÖTZLICH PAPA“ von Hugo Gélin (Co-B + R; Fr/GB 2015; Co-B: Mathieu Oullion, Jean-André Yerles; K: Nicolas Massart; M: Rob Simonsen; 118 Minuten; Start D: 05.01.2017); schon nach fünf Minuten ist ER, Samuel (OMAR SY/“Ziemlich beste Freunde“), identifiziert: Single im sonnigen Südfrankreich, Frauen-Versteher = -Verführer; geht gerne jeder Verpflichtung und Verantwortung aus dem bequemen Weg. Schnitt. Bis eine Ex auftaucht, Kristin, und ihm ihre gemeinsame kleine Baby-Tochter Gloria „übergibt“. Was bei Samuel Panik auslöst. Er also ihr sofort hinterher, gen London, nur „locker“ bekleidet und mit Klein-Kind im Arm, während die Musik dazu ständig lauthals lärmt. Schnitt. London. Kontrollen auf dem Flugplatz? Offensichtlich nö. Irgendwie Schwierigkeiten – mit Ohne-Geld (Papiere?) und Baby im Arm – schnell mal nach Britannien zu düsen? Offensichtlich nö. Ohne nähere Adresse SIE in der Großstadt suchen, Problem: Aber ja-nö. Was für ein krampfiger wie logikloser Anfangs-Erzähl-Schmarren!

In London angekommen, findet Samuel sofort Bekannte und Unterschlupf, während Mutter Kristin nicht aufzuspüren ist. Er wird Stuntman beim Film und mutiert zum liebevollen Daddy. Für die aufwachsende Gloria (GLORIA COLSTON). Natürlich sind „Papa“ & Kind inzwischen ein Traum-Paar. Weil sich Kind aber so sehr nach ihrer Mamie sehnt, beginnt Samuel, seiner Tochter täglich eine Mail zu schicken, vermeintlich im Namen von Mama Kristin. Doch dann taucht die Mama, die inzwischen in New York lebt, tatsächlich nach acht Jahren auf und will „ihr Baby“ zurück. Die Emotionen purzeln.

„Wenn der Vater mit dem Sohne“ war 1955 eine rührselig-nette deutsche Heinz Rühmann/Oliver Grimm-Schmonzette mit ähnlichem Thema. Danach gab es viele ähnlich thematisierte Papa-Kind-Streifen. Heuer ist es nun der neue, inzwischen in den USA lebende und dort Karriere machende französische „Ziemlich beste Freunde“-Star OMAR SY (zuletzt: „Im Rausch der Sterne“, davor „Jurassic World“), der mit einer niedlichen Tochter hübsch scharwenzelt. Im Ursprung basiert „Demain tout commence“, so der Originaltitel, übersetzt: „Morgen fängt alles an“, auf einer in den Kinos der USA überaus erfolgreichen mexikanischen Familien-Komödie („Plötzlich Vater“; hierzulande im Heimkino erschienen), die nun europäisch reanimiert wurde. Leidlich charmant, aber nicht sonderlich durchdacht.

Mehr simpel-gefühlvoll denn stimmig, zudem posaunt die aufdringliche Musike ständig nervig drüber. Ich glaube, es hätte völlig ausgereicht, auch dieses bunte Kleinod von Unterhaltung gleich bei uns im Heimkino zu präsentieren. Allerdings – nun bin ich auf das mexikanische Original gespannt geworden und werde es mir ansehen: von wegen Original und Kopie im Sichtungs-Wettbewerb (= 2 PÖNIs).