Der Pferdeflüsterer

Wenn überhaupt jemand für die Verfilmung des Bestsellers
“Der Pferdeflüsterer“ von Nicholas Evans infrage kam, dann war bzw. ist das: ROBERT REDFORD. Der heute 61 jährige Star lebt seit Jahren fernab von Hollywood auf einer Ranch in Utah und züchtet Pferde. Mit der Gründung des “Institut for Resource Management“, einem Forum für Umweltschutz und Forschung, wurde sein nachhaltiges, persönliches Interesse für die Erhaltung der Natur einmal mehr deutlich. Und mit Filmwerken wie “Der elektrische Reiter“, “Milagro – Der Krieg im Bohnenfeld“ und “Aus der Mitte entspringt ein Fluß“ kam auch auf der Leinwand seine Liebe zu Natur und Umwelt einfühlsam und nachvollziehbar zum Ausdruck. Jetzt also wieder einmal KINO angesagt als Regisseur und Hauptdarsteller in

DER PFERDEFLÜSTERER“ von und mit Robert Redford (USA 1998; 169 Minuten; Start D: 24.09.1998).

Der studierte Jurist Nicholas Evans landete gleich mit seinem ersten Roman den ganz großen Zuspruch und Erfolg – im September 1995 veröffentlicht, mittlerweile in 36 Sprachen übersetzt, über 10 Millionen Exemplare weltweit verkauft, davon alleine 2 Millionen im deutschsprachigen Raum.

Im Mittelpunkt des Geschehens: Zwei Welten. Die der Familie Maclean in New York und die des Tom Becker im ländlichen Montana. Bei den Macleans hat Annie die Hosen an: Sie hat als Chefin eines erfolgreichen Magazins Karriere gemacht und ist eine resolute Geschäftsfrau. Gemeinsam mit Ehemann Robert, einem erfolgreichen Anwalt, und der 14jährigen Tochter Grace werden die Wochenenden in einem Haus auf dem Land verbracht. Dort nun passiert das Unglück, das die wohl geordnete und behütete Gemeinschaft ins Wanken bringen soll: Beim Ausreiten an einem schneereichen Wintermorgen verunglückt Grace mit ihrem geliebten Pferd Pilgrim. Ihre Freundin und deren Pferd kommen dabei ums Leben. Grace bleibt mit amputiertem Bein zurück. Zudem: Aus dem liebevollen Pilgrim wird eine schwerverletzte, traumatische, bösartige Kreatur.

Es gibt sie tatsächlich: Menschen, die mit Pferden “spirituell“ umzugehen verstehen. Die auf der Basis von Verstehen und Gefühl es schaffen, verstörte, verletzte Pferde zu heilen. Tom Booker ist solch ein “Pferdeflüsterer“, und er kann sich mit Annie zunächst überhaupt nicht verständigen.

Aber so leicht gibt die selbstbewusste Annie nicht auf. Sie glaubt/sie fühlt, dass hier mit herkömmlichen Mitteln und Methoden Tochter und Tier nicht zu helfen ist.

Montana – der amerikanische Westen. Hier lebt Tom Booker inmitten der Familie seines verheirateten Bruders. Es ist ein Rancher-Leben, im
Einklang mit der Natur und den Tieren. Als Annie hier eintrifft, setzt sieTom sogleich unter “gewohnten“ Druck.

Anfangs ist die Leinwand noch auf Fernsehbildgröße. Wenn dann aber der Schauplatz MONTANA erreicht wird, öffnet sich das Bildformat auf volle Cinemascope-Größe und -Schönheit. Für den Regisseur Robert Redford kein simpler Trick, sondern eine bewusste Liebeserklärung an das ländliche Amerika.

Ein wunderbarer Film! Ein Labsal für die Seele, den Kopf und den Bauch! Man spürt förmlich das Gras, kann die saubere Luft mit-atmen. Der Film “Der Pferdeflüsterer“ von und mit Robert Redford ist eine Hymne an die Natur, an “das Tier“ und ist natürlich auch ein atmosphärischer Liebesfilm mit “Casablanca“-Geschmack: Redford und die großartige Britin Kristin Scott Thomas als moderne Bogart/Bacall-Aspiranten.
“Der Pferdeflüsterer“ oder: Eine phantastische emotionale Therapie in 169 einzigartigen, grandiosen Kino-Minuten (= 5 PÖNIs).