Personal Shopper Kritik

PERSONAL SHOPPER“ von Olivier Assayas (B + R; Fr/D 2015; K: Yorick Le Saux; M: Nicolas Cantin, Nicolas Moreau, Olivier Goinart; 110 Minuten; Start D: 19.01.2017); kunstvolles in Sachen Hokuspokus. Die junge Amerikanerin Maureen (KRISTEN STEWART) ist in Paris als persönliche Einkäuferin für Stars und Sternchen unterwegs. Das ist halbwegs hip-normal. Weniger normal ist ihr Zweites Gesicht: Maureen versteht sich auch als spirituelles Medium. Was bedeutet: mit Verstorbenen „in Kontakt kommen“ und „kommunizieren“ zu können. Und dies ist derzeit eigentlich wichtiger als ihr Job, denn seit Wochen hofft sie, dass sich endlich ihr verstorbener Zwillingsbruder Lewis „meldet“. Zu Lebzeiten von Lewis hatten die Beiden – mit kränklichen Herzen versehen – einen Pakt verabredet: Wer sich zuerst im Jenseits befindet, soll dem Anderen Zeichen senden. Maureen zieht sich in das leere Haus zurück, wo beide einst aufwuchsen. Nachts glaubt sie etwas „gehört“ und auch im Dunst „gesehen“ zu haben, jedoch: Nichts Genaues weiß man nicht. Zweifel und Hoffnung weiterhin.

Weiter geht es, denn: Ihr Job winkt. Maureen düst hin und her, per Moped, Eisenbahn, kauft hier und dort luxuriös für Promi-Model Kyra (Nora von Waldstätten) ein, probiert auch schon mal – obwohl verboten – deren Kleider und Schmuck, begegnet bei ihrer Auftraggeberin deren Freund (oder Ex?), dem mysteriösen Ingo (LARS EIDINGER). Kurzer Small Talk.

Nächste Station: Die SMS-Kiste. Maureen wird behelligt. Bekommt über ihr Handy andauernd anonyme, geheimnisvoll klingende Botschaften. Im Frage- und Antwort-Spiel. Ist da etwa ihr Lewis „aktiv“? Ewiges hin und her. Wir ahnen, dass der „eigenartige“ Ingo dahintersteckt, doch darauf kommt Maureen nicht.

Atmosphärischer Pseudo-Grusel-Okkultismus. Mit viel theoretischem Geschwafel, historischen Verweisen und der schmucken Kristen Stewart im Dauer-Einsatz. Als zerrissene Heldin. Was sich allerdings bald schon abnutzt. Der französische Drehbuch-Autor und Regisseur OLIVIER ASSAYAS (zuletzt, 2014: „Die Wolken von Sils Maria“) bekam anlässlich der Präsentation des Films beim vorjährigen Cannes-Festival viele Zuschauer-Buhs zu hören, von der Jury jedoch den „Regie-Preis“ zuerkannt. Für mich ermüdet der Film ziemlich schnell, auch wenn Kristen Stewart viel Energie präsentiert. Aber „Personal Shopper“ hat keine überzeugende Geschichte, sondern eine Story, die aufgeteilt ist in behauptete Spannungsnummern, die aber kein Suspense besitzen. Mal lächerlicher Altbau-Grusel, mal ausgiebige fragwürdige (simple) Handy-„Schock-Gespräche“, mal ernsthafte Diskussionen über angeblich existierende Hinweise auf Kommunikationsmöglichkeiten mit Toten. Heiliger Bimmbamm bei diesem dussligen transzendentalen Sehnsuchts-Geplärre.

Gut gemeinter Rat: Schaltet einfach mal die Handys ab, dann geht es Euch besser; dann kommt man erst gar nicht auf solche kaputten Gedanken (= 1 ½ PÖNIs).