Persepolis Kritik

PERSEPOLIS“ von Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud (B+R; Fr 2007; 96 Minuten; Start D: 22.11.2007); ist einer der erstaunlichsten Animationsfilme überhaupt. Stammt aus Frankreich und ist die SCHWARZ-WEISSE Zeichentrickversion der gleichnamigen Comic-Reihe von Marjane Satrapi. Die 1969 im Iran geborene, heute in Paris lebende Autorin und Zeichnerin von Comic-Romanen und Kinderbüchern beschreibt in dem vierteiligen Werk PERSEPOLIS, das erstmals im Winter 2000 publiziert und dann in Deutschland in zwei Bänden herausgegeben wurde, ihre Kindheit im Iran, ihre spätere Zeit im Ausland/im Exil in Wien und die Rückkehr in ihr Heimatland. 2004 wurde es auf der Frankfurter Buchmesse als „COMIC DES JAHRES“ und auf dem Comic-Salon Erlangen in der Kategorie „Beste deutschsprachige Comic-Publikation Import“ mit dem „Max-und-Moritz-Preis“ ausgezeichnet. Weltweit ist PERSEPOLIS in 25 Sprachen übersetzt und über eine Million Mal verkauft worden. In den USA ist das Buch Pflichtlektüre an 250 Universitäten. Benannt ist das Werk nach der altpersischen Residenzstadt, deren Ruinen heute zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören.

Ein junges iranisches Mädchen und die islamische Revolution von 1979, der Iran-Irak-Krieg, die Schatten des Fundamentalismus. Vor allem aber handeln Comic + Film vom Erwachsenwerden, dem Leben zwischen den Kulturen und von der Liebe zur Familie. Die filmische Adaption ist dabei so exzellent-brillant, dass sie für Frankreich zur Vorauswahl in Richtung „Oscar“-Nominierung ausgewählt wurde und auf den Europäischen Filmpreis (am 1.12.2007) hoffen kann. Bei den Filmfestspielen von Cannes gab es in diesem Jahr Begeisterung und den „GROSSen Preis der Jury“. Im französischen Original sind CHIARA MASTROIANNI und CATHERINE DENEUVE (als Mutter) zu hören. Bei uns spricht NADJA TILLER die Mama, während Marjane von JASMIN TABATABAI gesprochen wird. Ein bezaubernder wie angenehm-ungewöhnlicher wie subtil-humorig-politischer Film, dessen „simple“ Effekte und Bilder (be-)rühren.

Wenn am Ende der Satz fällt, „Die Freiheit hat immer einen Preis“ und Marjane nicht nur Heimat, sondern auch geliebte Menschen verliert, ist das unter die Haut gehendes GROSSES Taschentuch-Kino. Das lehrreich wie unterhaltsam daherkommt. Vorurteile abbaut und viel über Menschen aus einem Land erzählt, das möglicherweise bald wieder zum verheerenden Kriegsschauplatz wird. Umso (ge-)wichtiger/bedeutender/schöner diese außergewöhnliche Comic-Verfilmung. Als GROSSartiges Pläddoyer für Toleranz (= 4 PÖNIs).