Pakt der Rache DVD-Kritik

Ab Ende der 1980er Jahre war ER, der Neffe von Produzent und Regisseur Francis Ford Coppola, groß im Gespräch, fand er in Hollywood seinen Darsteller-Durchbruch. Durch Mitwirkungen in Filmen wie „Mondsüchtig“ (1987), „Wild at Heart“ (1990), „Red Rock West“ (1993), „2 Millionen Dollar Trinkgeld“ sowie „Tess und ihr Bodyguard“ (beide 1994; letzterer mit Shirley MacLaine). 1996 wurde ihm der „Oscar“ für die Hauptrolle in dem Säufer-Drama „LEAVING LAS VEGAS“ von Mike Figgis zugesprochen. Danach war er in Hollywood Spitzenverdiener und trat in erfolgreichen Blockbuster-Movies wie „The Rock – Fels der Entscheidung“ (1996; mit Sean Connery), „Face Off – Im Körper des Feindes“ (1997; mit John Travolta) und „Nur noch 60 Sekunden“ (2000; mit Angelina Jolie) auf. 1998 spielte er neben Meg Ryan in „Stadt der Engel“, einer US-Neuverfilmung des Wim Wenders-Films „Der Himmel über Berlin“ von 1987. 2002 bekam er für seinen Auftritt in „Adaption“ von Spike Jonze eine weitere „Oscar“-Nominierung. Danach rutschte er mehr und mehr zum gut bezahlten Bedienungsakteur ab, der in „weniger erfreulichen“ Filmen (wie „Ghost Rider“; „Bangkok Dangerous“ oder „Duell der Magier“) mitmischte. Die Rede ist natürlich von dem am 7. Januar 1964 im kalifornischen Long Beach geborenen Nicholas Kim Coppola, der sich NICOLAS CAGE nennt. Und dessen 2011 in New Orleans gedrehter Streifen „Seeking Justice“ jetzt bei uns DVD-Premiere hatte:

PAKT DER RACHE“ von Roger Donaldson (USA 2011; B: Robert Tannen; K: David Tattersall; Co-Prod.: Tobey Maguire; 105 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 1.6.2012).

Die Wut ist verständlich. Nachvollziehbar. Highschool-Pädagoge Will Gerard (Cage) führt mit seiner Ehefrau Laura (JANUARY JONES) seit vielen Jahren eine glückliche Ehe. Als Laura eines Abends auf dem Heimweg von ihrer Arbeit als Musikerin von einem Unbekannten brutal zusammengeschlagen und vergewaltigt wird, ist Will aufgebracht. Voller Ekel und Empörung. Kann sich in seiner Wut kaum beherrschen. Im Krankenhaus wird Will von einem Fremden angesprochen, der sich „Simon“ nennt (GUY PEARCE). Er, Simon, könne ihm eventuell helfen. Über eine geheime Organisation, die sich für Gerechtigkeit einsetze. Man wisse, wer der Täter ist und sei bereit, DEN unbürokratisch „auszuschalten“. Ganz ohne Gerichtsverfahren. Er vertrete eine honorige Gemeinschaft von Leuten, die „nicht mehr länger zusehen“ wollen, „wie diese Stadt vor die Hunde geht“. Und deshalb „diskret eingreift“. Die Codeformel lautet: „Der hungrige Vogel greift an“. Keine Bezahlung „dafür“, sondern irgendwann später ist dann mal „ein Gefallen“ bzw. „seine Mitwirkung“ angebracht. Erforderlich.

Nach anfänglichem Zögern geht Will Gerard auf den Vorschlag ein. Und kann seiner traumatisierten Ehefrau bald vermelden, dass ihr Peiniger tot aufgefunden wurde. 6 Monate später ist es soweit: „Man“ bittet Gerard, sich nun „zu revanchieren“. Doch der anfänglich harmlos erklärte Deal wird für den Lehrer bald zum mörderischen Auftrag. „Ich bin kein Killer“, nutzt ihm nun gar nichts. Als er zögert, gerät seine eigene Existenz in große Gefahr. Zudem entwickeln sich „die Dinge“ immer mysteriöser. Überraschender. Von ganz unerwarteten (Personen-)Seiten taucht jetzt vermehrt dieses fordernde Motto auf: „DER HUNGRIGE VOGEL GREIFT AN“.

Kein überragender, aber ein solider und reichlich spannender Paranoia-Thriller. Inszeniert von einem Genre-Regisseur, dessen Name in Hollywood immer noch „hochgehandelt“ wird: Der heute 66jährige ROGER DONALDSON, ein neuseeländischer Produzent, Autor und Regisseur australischer Herkunft, debütierte 1977 mit dem neuseeländischen Thriller „Schlafende Hunde“ (mit Sam Neill), und dies war der erste Film aus Neuseeland, der es in die amerikanischen Kinos schaffte. Danach krallte ihn sich Hollywood, wo er imposante Unterhaltungsfilme wie „No Way Out – Es gibt kein Zurück“ (1987; mit Kevin Costner + Gene Hackman), „Cocktail“ (1988; mit Tom Cruise), das Remake von „Getaway“ (1994; mit Alec Baldwin + Kim Basinger) sowie „Thirteen Days“ (2000; mit Kevin Costner), „Der Einsatz“ (2003; mit Al Pacino + Colin Farrell) sowie „Mit Herz und Hand“ schuf (2005; ein noch zu entdeckender formidabler Abenteuerstreich um den Motorrad-Enthusiasten H.J. „Burt“ Munro; mit Sir Anthony Hopkins und in Co-Produktion mit Neuseeland, Japan und der Schweiz). Zuletzt drehte er in England das köstliche ironische Einbrecher-Movie „Bank Job“ (2008; mit Jason Statham).

Roger Donaldson sorgt hier für keinen plumpen Law-and-Order-Schmunzius von der glatten Hollywood-Stange, sondern entwickelt diesen Rache-Irrsinn mit gestalterischem Suspense-Format sowie einem zurückgenommenen, „nervösen“ Spezi Nicolas Cage. Der mit dem dämonischen GUY PIERCE (unvergessen in dem Rückwärts-Thriller „Memento“/2000; mimte 2010 in dem „Oscar“-Film „The King’s Speech“ den abdankenden britischen Monarchen Edward VIII.) als faustischen Manager-Verführer eines „aufstrebenden“ Unternehmens einen faszinierenden kühlen Gegenspieler hat.

Dass diese 30 Millionen Dollar-Produktion bei uns nicht erst ins Kino kam, ist zu verstehen; die dortige Leinwand ist einfach zu groß für diesen „überschaubaren“ Insgesamtwurf. Aber im Heimkino ist „PAKT DER RACHE“ jetzt ganz ordentlich aufgehoben, sorgt er doch dort für „verlässliche“ Spannungsstimmung.

Anbieter: „Universum Film“