NICHTS ZU VERZOLLEN

NICHTS ZU VERZOLLEN“ von und mit Danny Boon (B+R; Fr/Belg 2010; 108 Minuten; Start D: 28.07.2011); was war der „Vorläufer“ für ein Komödien-Hit. Nicht nur Zuhause, in Frankreich, wo „Willkommen bei den Sch’tis“ 2008 mit über 20 Millionen Kinobesuchern zum erfolgreichsten französischen Kinofilm überhaupt mutierte. Hierzulande sahen auch etwa 2,3 Millionen (für einen französischen Film rekordverdächtige) Besucher diesen Film im Kino. Damit katapultierte sich der am 26. Juni 1966 in der nordfranzösischen Region Nord-Pas-de-Calais, im Departement Armentières, geborene Komiker, Drehbuch-Autor, Schauspieler und Regisseur in die erste Regie europäischer Leinwand-Unterhaltungskünstler. Der Nachfolger, kein direkter Fortsetzungsfilm, fand in Frankreich auch bereits wieder über 10 Millionen Kino-Interessenten. Damit ist „Rien à déclarer“ (Originaltitel) dort auch schon wieder Jahresbester an der Kinokasse. Ob er allerdings auch bei uns dermaßen „funktioniert“, mag bezweifelt werden. Denn „Nichts zu verzollen“ hat längst nicht den naiven Charme, die juxige Tölpelei, das herrliche Herumfrotzeln wie das „Original“.

Obwohl es auch wieder um das Aufeinanderprallen der „Kulturen“ geht. Zwischen Frankreich und Belgien. Beziehungsweise umgekehrt. Wir befinden uns am Grenzörtchen Courquain. Das liegt bekanntlich mitten in Europa, und „Europa“ hat nun mal beschlossen, die inneren Grenzen zu öffnen. Ohne Ausnahme. Während DAS „die Franzosen“, stellvertretend durch den Grenzbeamten Mathias Ducatel (DANNY BOON), eher gelassen (entgegen-)sehen, steigert sich umso mehr der intolerante belgische Patriotismus seines Gegenüber-Kollegen Ruben Vandevoorde (BENOIT POELVOORDE): „Der Himmel ist (wenigstens) belgisch“, lautet sein Hass-Credo. Fortan beginnen die gegenseitigen Pikereien. Ausgelöst durch diesen sturen Psycho-Belgier. Auch als amtliche Zusammenarbeit verordnet wird. Die Beiden müssen in einen Wagen. Als mobiler Patrouillendienst. Beschimpfungen, „Attacken“, verbale wie handfeste Reibereien sind an der Tagesordnung. Ausgelöst natürlich vom Bazi-Belgier. Wobei Ruben noch gar nicht mal weiß, dass Mathias mit seiner Schwester liiert ist. Dann würde das gerade erst zart anfangsblühende zwischenmenschliche Verständigungspflänzchen zwischen den Beiden wieder arg ins Wanken geraten.

Franzosen, Belgier. Danny Boon setzt auf vorhersehbare Slapstick-Zoff-Nummern. Mit menschelndem Dunkel-Charme. Denn die Konfrontationen zwischen diesen beiden Zöllner-Clowns sind zu dick geraten. Während der Boon-Mathias auf softe Verständigung setzt, ist der Vandervoorde-Ruben ein durch und durch nicht schräger, sondern unangenehmer, hysterischer Rassisten-Onkel. Ohne viel Ironie-Spaß. Viel zu deftig angesetzt. Viel zu „krank“. Allgemeingefährlich. Bedrohlich anstatt schwarz-lustig. DER eher auf die geschlossene Stationsliege als an eine Grenzstation gehört.

Hier trifft Autor und Regisseur Danny Boon nicht den angestrebten Leicht-Ton. Ganz im Gegenteil. Der 46jährige belgische Mime BENOIT POELVOORDE, der erstmals 1992 als Darsteller UND Regisseur der schrägen Komödie „Mann beißt Hund“ auffiel und zuletzt in den auch bei uns gezeigten Filmen „Louise Hires an Contract Killer“, „Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft“ und „Mammuth“ eindrucksvoll mitwirkte, ist hier viel zu nur dumpf-fies angelegt. Viel zu eindimensional stinkig. Ohne witzige Zwischentöne. Ohne jegliche Differenzierungen. Als ewiger Hau-Drauf-Blödian. In Sachen Denken, Quatschen, Handeln. Permanent unangenehm. Und wenn 50% der beiden Hauptakteure „ausfällt“, ist nur begrenzte Stimmung zu annoncieren. Zumal auch Drumherum, mit einem beknackten Bistro-Betreiberpaar, unterbelichteten Gangstern und einem Drogenschnüffler-Pudel, nicht gerade „Stimmungskanonen“ mitmischen.

„Nichts zu verzollen“, eine arg versimpelte Quatsch-Komödie. Völlig „unsch’tisig“ (= 2 ½ PÖNIs).