Nicht mein Tag Kritik

NICHT MEIN TAG“ von Peter Thorwarth (Co-B + R; D 2013; Co-B: Stefan Holtz; nach dem gleichnamigen Roman von Ralf Husmann/2008; K: Eckhard Jansen; M: Rainer Kühn; 115 Minuten; Start D: 16.01.2014); das ist einer jener „Frech nach Schnauze“-Filme, die einfach wie konsequent „nur“ knackig unterhalten wollen. Nach dem (sehr erfolgreichen) „Film zum Mittelfinger“, „“Fack Ju Göhte“, haben wir einen weiteres hauseigenes Radau-Movie, das unterhaltsam gut abgeht. Motto: Der Biedere und der Proll. Till Reiners (AXEL STEIN mit gefühlter 50 Kilo-Abnahme) ist bei der Bank. Berater. In einer deutschen Kleinstadt. Frau, Kleinsohn, Haus, Beruf…, das Leben kann inzwischen ganz schön eintönig sein. Zwischen Alltagstrott hü und hot. Als der reichlich unterbelichtete, aber forsche Nappo (MORITZ BLEIBTREU) auftaucht, kommt Leben in diese muffige Spießigkeit. Nappo, der Kleinganove. Mit großer Fresse. Erst will er einen Kredit, dann bedient er sich aus der Kasse. Von wegen Banküberfall. Mit Till als Geisel geht es ab in die Botanik. Zunächst. Nappo, der Coole, rotzt ab, und Krawattentyp Till kriegt so langsam „Geschmack“. An diesem plötzlichen „unorthodoxen“ Tun. Und Machen. Zumal wohl seine Jugendliebe-Gattin Miriam (ANNA MARIA MÜHE), „aufgeheitert“ durch ihre überdrehte Freundin Ina (NELE KIPER), ihn „nicht so ganz so doll und wirklich“ zu vermissen scheint. Also bleibt er lieber bei Nappo. Marke – mal nervt er ihn, mal ist es umgekehrt. Aber wir kennen das, aus ungleich wird gerne irgendwann „gleich“. Jedenfalls so was in der aberwitzigen Kabbel-Art.

Der korrekte Eine hilft dem überforderten Anderen. Bei dessen „Abrechnungen“. Zum Beispiel. Und der Outlaw beginnt Spaß an diesem Büro-Vogel zu finden. Ein Kaninchen muss dran glauben, ein 68er Vintage-Mustang-Klassiker wechselt finanztechnisch „korrekt“ den Besitzer, ein Handy wird entsorgt, na ja, und dann sind natürlich Verwechslungen, Wutausbrüche und Schuldverschreibungen Themata. Amsterdam wird auch kurz mal „finanziell“ abgehakt, das Chaos hat hier Methode und bekommt Tempo-Charme. Nur mit der Auflösung tut sich das Duo Peter Thorwarth und Co-Autor Stefan Holtz schwer. Da schusseln und mauscheln sie ziemlich dusslig herum. Finden keine pfiffige Rausschmeißer-Pointe, nach so viel frechem Jux und uriger Dollerei.

AXEL STEIN und MORITZ BLEIBTREU Kumpanen 1 : 1. Wobei Axel Stein mit seiner differenzierten Charakter-Präsentation völlig überrascht. Bislang hatte man ihn in der korpulenten Dicken-Ecke (TV-Sohn von „Hausmeister Krause“) abgehakt. Plötzlich ist DER wandlungsfähig, körpersprachlich ausdrucksstark, gibt hier ´ne wirklich originelle Type ab. Und kann prima mit seinem „Unterschichten“-Partner Nappo alias Moritz Bleibtreu mithalten. Der aus seinem Anarcho-Affen energisch-ulkiges Futter ablässt. Peter Thorwarth, Dortmunder des Jahrgangs 1971, wurde mit seinen lockeren Unna-Filmen, wo er aufwuchs, populär: „Bang Boom Bang“ (1999) und „Was nicht passt, wird passend gemacht“ (2002) werden heutzutage mit Kultgeruch be- und gehandelt. Sein neuer Streich ist eine erneut ganz witzig-schroffe Unterhaltungsmucke aus der Region (= 3 ½ PÖNIs).