New Daughter DVD-Kritik

Mein erster DVD-Blick im Jahr 2011 gehört einem amerikanischen „Klein“-Film, der bei uns nie in die Kinos gekommen ist, sondern jetzt seine deutsche Uraufführung „per Scheibe“ erlebt. Und in dem ein Hollywood-Star die Hauptrolle spielt. Während ein spanischer Drehbuch-Autor sein US-Regie-Debüt absolvierte, der vorher Zuhause „nur“ drei Kurzfilme gedreht hatte. Der originale Titel ist auch der „deutsche“ DVD-Titel:

THE NEW DAUGHTER„, von Luis Berdejo (USA 2009; 104 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 7.1.2011)

Das Drehbuch stammt von einem (unbekannten) Autoren namens John Travis, der die (ebenfalls unbekannte) gleichnamige Kurzgeschichte des irischen Schriftstellers John Connolly aus dem Jahr 2004 adaptierte. Dabei im Mittelpunkt: Ein gepeinigter Vater zweier Kinder, dem die Ehefrau „abhanden“ gekommen ist. Sie hat sich scheiden lassen und ließ/lässt die beiden traumatisierten Kinder bei IHM. Der Schriftsteller John James hat daraufhin alle städtischen (Ver-)Bindungen abgebrochen, ist aufs Land in ein abgelegenes Haus gezogen, um erst einmal durchzuschnaufen. Was seine Kinder unterschiedlich annehmen: Dem 7jährigen Sam ist es egal, hauptsache er „hat“ (wenigstens) noch den Daddy. Die doppelt so alte Louisa dagegen tut sich in der Fremde schwer. „Wie willst du das machen?“, herrscht sie ihren Vater an; „unser Vater sein? Du hast nicht viel Übung!“.

Und: Wir nehmen plötzlich wahr, dass hier draußen „irgendetwas“ nicht mit rechten Dingen zugeht: Eine „merkwürdige“ graue Gestalt huscht nachts plötzlich kurz übers Dach. Und auch Tochter „Lu“ beginnt sich zu verändern. Verlässt des Öfteren das Haus, um sich auf einem nahegelegen Hügel „auszuruhen“. Wird danach eigenartig „anders“. Tritt sonderlich auf, benimmt sich überhaupt nicht mehr kooperativ, ganz im Gegenteil. Bringt auch ihren kleinen Bruder Sam in Gefahr(en). Daddy schreibt dies anfangs ihrer „sprießenden Pubertät“ zu und sieht sich dann jedoch immer bedrohlicheren Begebenheiten und schließlich sogar Attacken ausgesetzt. Begreift langsam, dass alles „mit diesem eigenartigen Hügel“ zu tun hat. Von dem ein Wissenschaftler behauptet, dass es sich um einen Grabhügel von Annodunnemal handelt. In dem gefährliche Grabhöhlengänger hausen und auf „Befreiung“ und „Fortpflanzung“ lauern. Mit zahlreichen aggressiven Helfershelfern. Draußen. Nicht nur der geliebte rotbraune Kater Marmalade muss „dran glauben“, sondern auch einige Menschen aus der Umgebung. Die mit der Familie „in Kontakt“ geraten sind. John James und der immer stärker werdende schleichende Horror hier oder wohl oder übel muss sich der gestandene moderne Daddy-Typ der latenten Irrationalität des Grauens stellen. Was auch die Musik von JAVIER NAVARRETE permanent wie „furchterregend“ signalisiert, begleitet, stimmungsvoll kommentiert.

„The New Daughter“ ist ein spannender Horror-Krimi nach dem Motto: Was geht hier vor bzw. durch WEN oder WAS??? Die gut dosierte, nie überzogene und sehr atmosphärische Präsenz des Schreckens oder Horror im Handy-Zeitalter. Weniger mit dem Hackebeil und mehr subtil, mit Andeutungen, „komischen“ Bewegungen, aber auch mit „bekannten Geräuschen“ versehen wie Blitz & Donner, wie „bedrohlicher“ Regen und allerlei Krabbel-Viecher, sprich Ameisen. Und einer Story, die überzeugend zwischen Wahn und Wirklichkeit aufregend pendelt. Und mit einem phänomenalen Schluss endet. Ohne zu beruhigen.

Natürlich ist ER hier der filmische Star-„Ziehvater“: Der kalifornische Schauspieler, Regisseur, Produzent und Musiker sowie 2fache „Oscar“-Preisträger KEVIN COSTNER („Der mit dem Wolf tanzt“). Der sich ja zuletzt für Großauftrite in kleineren Movies nicht zu schade war wie in „Mr. Brooks – Der Mörder in Dir“ von 2007, einem bislang zu Unrecht völlig unterschätzten Thriller, in dem Costner einen „feinen Mörder“ mimte, oder danach in „Swing Vote“ von 2008 (bei uns auch gleich auf DVD herausgekommen), in dem Costner einen versoffenen Prekariats-Ami spielte, dessen Stimme entscheidet, wer der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird. Hier nun bekomm er als sowie schon gestresster Vater mächtig zu tun, um seine kleine (Rest-)Familie zu (be-)schützen.

Der 1975 in San Sebastian geborene Luis Berdejo erweist sich bei seinem ersten Hollywood-Ausflug als ordentlicher Zeremonienmeister, wenn es darum geht, einen halbwegs plausiblen, „nervösen“ Spannungsfilm exquisit zu entwickeln. Dabei kann er auf seine 3 Haupt-Helden zählen. Denn neben Routinier Kostner, wieder mit seiner vorzüglichen deutschen Bariton-Stimme von FRANK GLAUBRECHT, halten vor allem auch diese beiden großartigen Kinder-Akteure IVANA BAQUERO (bekannt aus „Pans Labyrinth“/“Goya“ als „Beste Nachwuchsdarstellerin“ 2007) und GATTLIN GRIFFITH (neben Angelina Jolie in Clint Eastwoods Meisterwerk „Der fremde Sohn“/2008) prächtig mit; verdüstern angenehm-unheimlich die sowieso schon aufgeladene Provinz-Szenerie,
„The New Daughter“ zählt zu den besseren filmischen DVD-Aufregern; ist passables Genre-Kintopp.

Anbieter: „Universum Film Home Entertainment“.