Morning Glory Kritik

MORNING GLORY“ von Roger Michell (USA 2010; 108 Minuten; Start D: 13.01.2011); es scheint, als habe der 1956 im südafrikanischen Pretoria als Sohn eines englischen Diplomaten geborene Regisseur, der seine Kindheit in Beirut, Damaskus und Prag verbrachte, hier seine komödiantische Orientierung, dieses präzise Feeling verloren, die seinen 1999er Hit „NOTTING HILL“ (mit Julia Roberts/Hugh Grant) so schmunzelnd glänzen ließen. Denn hier ist ihm nur (höchstens) Mittelmaß zu attestieren, obwohl die Story „funkt“. Beim New Yorker TV-Sender IBS „stimmt“ es früh nicht mehr. „Daybreak“, die klassische Frühstücksshow, liegt quotentief im Keller. Die ambitionierte New Jersey-Provinz-Pflanze Becky Fuller, ein ständig übereifriges karrieretolles Clever-Girl, 28, ohne Privatleben, kriegt ihre Chance. Also legt sie los. Wirbelt kräftig herum. Heuert mit dem letzten Mut der Verzweiflung einen altgedienten TV-Starjournalisten an, Mike Pomeroy (nein, nicht DER aus „Dinner for One“; kleiner Scherz). DER will zwar nicht, hält DAS total unter seiner journalistischen Würde, MUSS aber. Irgendwas mit einem noch bestehenden Vertrag. Also moderiert der Griesgram fortan, gemeinsam mit der alteingesessenen Ex-Schönheitskönigin Colleen Peck, die Morgenshow. Die Folge: Ein moderater Zickenkrieg der Häuptlinge. Immer ZWISCHEN ihnen, die übereifrige, dauernervöse Becky.

Was als fetzige Mediensatire und doppelbödiger TV-Komödienstadl durchaus hätte funktionieren können, läuft hier so lala. Weil die Story zu dünn, vorhersehbar und völlig kritiklos gegenüber Quotenwahn, kultureller Verflachung und üblen Stresssyndromzeichen bei der flippigen Hauptakteurin Becky ist. Die kommt als depressives Burn Out-Girlie eher bemitleidenswert herüber denn als aktive Spaß-Tusse. Nervt beim Zusehen und Zuhören. Mit Macken-Charme anstatt Clown-Potenzial.
Und hat überhaupt keine Chance, wenn die überaus charmante, schwarz-witzige, gerade 65 gewordene Power-„Oscar“-Lady DIANE KEATON und der 68jährige „Indy“-Haudegen HARRISON FORD in den Ring steigen, um sich prächtig verbal zu duellieren. Denn dann wirkt die 32jährige Kanadierin RACHEL McADAMS (neulich in „Sherlock Holmes“ die Robert Downey Jr.-/Jude Law-Begleitung) als Becky nur noch wie eine störende Furie. Die den ganzen schönen Spaß hier „verunstaltet“. Und dies ist das Manko des Films: Dass er DIE ALTEN nicht „mehr“ in den komischen Mittelpunkt stellt und die „Jungsche“ penetrant „machen läßt“. Denn was der grimmige Charme-Wolf Harrison Ford mimisch so alles draufhat, wenn man ihn frühmorgens vor die Kamera pellt, um Nettes zu plappern, ist hinreißend eisig. Ebenso, wenn die aufgekratzte Grinse-Kollegin Diane Keaton „stutig“-dickschädelig Paroli bietet, dagegenhält – dann blitzt die Film-Show richtig kernig gut. Für leider nur wenige Pointen-Momente. Der Rest ist matter Hektik-Quatsch.

Mehr belangloser Schwank als deftiger Satire-Gipfel, das ist diese verschenkte neue Ami-Komödie (= 2 ½ PÖNIs).