Nachtsonne Kritik

Aus Italien stammt der Film „NACHTSONNE“ von Paolo und Vittorio Taviani (B+R; It 1990; 112 Minuten; Start D: 13.09.1990).

Mit ihrem guten Namen verbinden sich Werke wie “Allonsanfan“, “Die Nacht von San Lorenzo“ und vor allem natürlich „Padre Padrone – Mein Vater, mein Herr“, mit dem sie 1978 die “Goldene Palme“ von Cannes gewannen.

“Nachtsonne“ spielt Mitte des 18. Jahrhunderts und erzählt von einem jungen, aufstrebenden Offizier am Königshof. Gekränkte Eitelkeit und enttäuschte Liebe, aber auch die Sehnsucht nach Wahrheit und Erkenntnis lassen ihn umdenken und handeln. Erst zieht er sich in ein Kloster, dann in die Einsamkeit der Berge zurück. Doch als ihn auch hier die bürgerliche, weltliche Ordnung einholt, muss er sich wieder neu entscheiden.

„Nachtsonne“ ist das poetische Bild einer Utopie. Mensch und Natur stehen exemplarisch für die eigene Suche des Menschen nach dem Sinn und die richtige Lebensform. Dabei ist der leise Film zeit- und sinn-überschreitend und mit aktuellen Verweisen ausgestattet. Ein Mensch glaubt höheren, eigentlichen Zielen gerecht zu sein und muss erkennen, doch nur höchst menschlichen, schwachen Motiven gedient zu haben: Stolz, Ehrgeiz, Perfektionismus. Die Tavianis verpacken die in wunderschöne Bilder, in denen viel Herzblut, Weisheit und Geschmack stecken. In der Hauptrolle überzeugt der Engländer JULIAN SANDS.

Sein Auftreten ist zurückhaltend, maßvoll, glaubwürdig. Er macht einen ganz außergewöhnlich, ruhigen, altmodischen Film seh— und genießbar (= 4 PÖNIs).