My One and Only DVD-Kritik

Der hier vorgestellte DVD-Film lief immerhin im WETTBEWERB der BERLINALE von 2009. Dort wurde er vom Publikum und der Kritik sehr freundlich und amüsiert aufgenommen, nicht aber (natürlich) von der Jury: Für einen Preis war er den Juroren „zu leicht“. Und ein Wettbewerbsfilm, der auch in Richtung gute Unterhaltung lächelnd-lachend zielt, der ist sowieso „verdächtig“ und – wie wir wissen – definitiv nicht preiswürdig. Schließlich sind Filmfestspiele ernste, seriöse Veranstaltungen, jedenfalls im Hauptfeld. Behaupten jedenfalls die Macher. In einer Agentur-Berichterstattung hieß es damals nach der Vorführung euphorisch: „In den Kinos dürfte der Film ein Kassenschlager werden“. Denkste bzw. – nix da. Bis zum hiesigen (Alltags-)Kino schaffte es der Film bei uns danach erst gar nicht. So dass er jetzt hierzulande „regulären“ Filmstart als DVD-Premiere hat. Dabei handelt es sich um den amerikanischen Spielfilm

MY ONE AND ONLY“ von Richard Loncraine (USA 2008; B: Charlie Peters; 108 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 17.09.2010);

der am 20. Oktober 2010 64 Jahre alt werdende britische Regisseur und Drehbuch-Autor Richard Loncraine hat viel für das britische BBC-Fernsehen gedreht (u.a. die Miniserie „Band of Brothers – Wir waren wie Brüder“, für die er einen Fernseh-„Oscar“, den „Emmy“, bekam) und Spielfilme wie „Richard III.“ („Silberner Berlinale-Bär“ 1995) und „Wimbledon – Spiel, Satz und…Liebe“ (2004) realisiert. Zuletzt war er 2006 mit dem Harrison-Ford-Thriller „Firewall“ in den Kinos.

„My One and Only“ ist die Geschichte einer amerikanischen Frau, die einen „Ernährer“ für sich und ihre beiden Kinder sucht. Zu Anfang der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Anne Deveraux, ein exzentrisches Luxusweib ohne Money, hat sich von ihrem untreuen Gatten, dem Promi-Bandleader Dave (KEVIN BACON), getrennt, vom restlichen Geld einen Cadillac gekauft, und ab geht´s mit ihren beiden halbwüchsigen Söhnen George und Robbie von New York quer durch die Staaten. Auf der Suche nach einem neuen Heim und Versorger.

Was SIE-Alle dabei unterwegs erleben, empfinden, tun, wird eben nicht als „American dream“-Show, mit simplem Herz-Schmerz-Appeal, sondern als pointierte, prickelnde Menschen-Komödie mit sehr viel unterhaltsamen Nachdenklichkeitsgeschmack erzählt. Und zielt voll und ganz auf die „kokette“ Hauptakteurin, „Oscar“-Preisträgerin RENÉE ZELLWEGER („Unterwegs nach Cold Mountain“; die „Bridges Jones“-Lady…). Sie überzeugt als unabhängige, elegante wie selbstbewusste wie völlig abgebrannte Mama, die sich nicht ´runterkriegen lassen will, auch wenn sie permanent mit ihren Entscheidungen und „ihrem Weg“ – zunächst – viel danebenliegt. Eine vorzüglich-darstellerische, weil körpersprachlich wie seelisch nuancierte Tour-de-force. Absolut glaubwürdig wie klasse-feurig. „Es machte Spaß, eine Figur zu entwickeln, die in einer Gesellschaft mit Sachzwängen Grenzen überschreitet“, sagte Renée Zellweger damals auf der Berlinale über diese Arbeit hier.

Das „komische“ Frauenbild der 50er Jahre. Wo das Glück für DIE FRAU darin bestand, einen Mann zu haben, der für sie sorgt bzw. „aussorgt“. Pech nun, wenn der Auserwählte entweder fremdgeht oder verheiratet oder verarmt oder gar verrückt ist. Anne erlebt dies alles und ausgiebig, lässt sich aber davon immer nur kurz beeindrucken. Und beeinflussen. Verlieren ist einfach „nicht ihr Ding“. Obwohl sie viel Mist erleben und „fressen“ muss. Bis sie irgendwann bemerkt, entdeckt, dass sie falsch gepolt ist, wenn sie meint, immer nur mit Hilfe Anderer „überwassern“ zu können.

Eine „heftige“ Persönlichkeit von Frau auf der Suche nach Beständigkeit, Bargeld und Ehemann. Bzw. umgekehrt. Mit vielen prächtig-deftigen Motiven und Situationen. Mit vielen spannenden Gedanken und stimmungsvollen „Regungen“.
Ein charmantes, schön-frech-wortwitziges wie romantisches Road-Movie. Als großes Erzähl-Spaß-Kino. Augenzwinkernd, süffisant, mit dem phantastischen doppelbödigen Fast-Schlusssatz: „Sie sind nun wirklich nicht zur Sklavin geboren!“ Peng.
Stoff und Film beinhalten, besitzen hohes, kluges Amüsement-Potenzial:
sozusagen ein Filmvergnügen „auf Niveau“.

Das auf den Kindheitserlebnissen des Hollywood-Stars und ewigen Charme-„Boys“ GEORGE HAMILTON (Jahrgang 1939/“Liebe auf den ersten Biss“; „Der Pate – Teil III“) beruht, der als Junge mit seiner Mutter und seinem Bruder durch die USA tingelte. Und der diese feine, melancholisch-fröhliche, tragikomische Menschenkomödie mit-produzierte. Lassen wir das Darüber-Nachdenken, warum sich unser Kino heutzutage DAMIT nicht mehr einlassen möchte. Das heimische dagegen besitzt eine weitere Filmpraline.