Monster Kritik

Sie ist blond. Und wunderschön. Sie ist 28 und stammt aus Südafrika. Ihr Name: CHARLIZE THERON. Die Tochter eines deutsch-französischen Einwanderer-Paares modelt seit ihrem 14. Lebensjahr. Eine Verletzung ließ sie vom Ballett zum Schauspiel wechseln, 1996 startete sie ihre Hollywoodkarriere. Und war anfangs: „attraktive Beigabe“ in den Filmen mit Stars wie Tom Hanks, Bruce Willis oder Robert Redford. Erste darstellerische Lorbeeren erntete sie zum Jahrtausendwechsel in dem Lasse-Hallström-Meisterwerk „Gottes Werk und Teufels Beitrag“. In und mit ihrem neuesten Kinofilm „MONSTER“ von Patty Jenkins (B + R; USA 2004; 109 Minuten; Start D: 15.04.2004); beginnt Charlize Theron eine atemberaubende Verwandlung. Für die Interpretation der Aileen Worners verwandelt sie sich in eine aufgedunsene, ungepflegte, ordinäre Gelegenheitsprostituierte aus Florida. ‚Übernimmt-quasi‘ diese rabiate Frauenfigur Und wirkt unglaublich authentisch.

Die Autorin und Regisseurin PATTY JENKINS erzählt in ihrem Debütfilm „Monster“ von einer trostlosen Existenz namens Aileen Worners. Die ist 8, als sie vom Großvater erstmals vergewaltigt wird. Mit 13 geht sie auf den Strich, Und mit 30 wird sie wegen 6fachen Mordes im Jahr 2002 hingerichtet. Patty Jenkins begibt sich auf den schmalen Seelengrad der Biographie eines Opfers, die zur Täterin wird. Ohne diese zu glorifizieren oder als Märtyrerin hinzustellen. Fakten, pure, böse Lebensfakten werden aufgelistet und vorgestellt. Aileen Worners und Selby Wall oder: Eine kurze Hoffnung und Liebe. Die Straßensolistin und der lesbische Teenie, der aus dem häuslichen Gefängnis flieht, auf der Suche nach ‚Was Besserem‘. Beide KLAMMERN sich aneinander. Doch Aileen überschreitet bei der Geldbeschaffung die Grenze: Sie beginnt ihre Freier zu töten. Erst aus Notwehr, dann aus Rache. Aus Wut. Aus Ekel. Sie will MIT ALLEN MITTELN Glück/IHR GLÜCK erzwingen.

Der Film „Monster“ ist eine todtraurige Liebesgeschichte. Und ist zugleich das Porträt einer Frau, der vom Schicksal übel mitgespielt wurde. Beschreibt kompromisslos, was sich WIRKLICH hinter Medien-Schlagzeilen wie „Die 1. lesbische Serienmörderin“ verbirgt. Der Film „Monster“ zeigt eine Frau, die völlig gefangen ist: In ihrer Wut, in ihrer Rache, in ihrer eigenen Geschichte. Der Schlüssel zum Erfolg des Film, der an schmutzig-schmierigen Originalschauplätzen in Florida entstand, ist und heißt aber: CHARLIZE THERON. Die diese Aileen Worners mit bewundernswerter Hässlichkeit und Energie spielt. Ihre Trash-Verwandlung ist genauso eindringlich und überzeugend wie einst zum Beispiel DIE des Robert de Niro in einen fetten-kaputten Boxer in dem Martin-Scorsese-Film „Raging Bull – Wie ein wilder Stier“. Eine Paraderolle für eine mutige, emanzipierte
Spitzen-Schauspielerin. Die DAFÜR völlig zu Recht auf der diesjährigen Berlinale mit dem „Silbernen Bären“ und kurze Zeit danach mit dem „Oscar“ als „Beste Darstellerin“ ausgezeichnet wurde. Nicht minder großartig an ihrer Seite übrigens: CHRISTINA RICCI als Freundin, Geliebte und Vertraute Selby.

Dieser neue Kinofilm „MONSTER“, das ist ein bravouröses Leinwandstück und Drama. Das noch lange nachhallt…(= 5 PÖNIs).