Million Dollar Hotel Kritik

Gab es in den letzten Berlinale-Jahren immer wieder laute Kritik am Festival-Chef ob der dürftigen deutschen Filmbeteiligung, so ging Moritz da Hadeln diesmal, beim 50./beim Jubiläumsfest, ganz auf Sicherheit. Gleich 3 Regie – Oldies sollen es diesmal richten: Wim Wenders, Volker Schlöndorff und Rudolf Thome. Während: Thome mit seinen kleinen, persönlichen Beziehungsgeschichten als sympathischer Seiteneinsteiger im internationalen Wettbewerb anzusehen ist, leben Wenders und Schlöndorf von GROSSEN “gestrigen Namen“. Ihre beste Spielfilmzeit ist längst vorbei. Und ihre diesbezüglichen Kino – Ambitionen in den letzten Jahren, zum Beispiel mit Spielfilmen wie “Am Ende der Gewalt“ und “Palmetto“, waren höchst bescheiden. Das Publikum im Übrigen, hat sich von ihnen schön längst verabschiedet.
Betrachtet man nun den Film „THE MILLION DOLLAR HOTEL“ von Wim Wenders (D/GB/USA 2000; B: Bono; 122 Minuten; Start D: 10.02.2000); der heute Abend die 50. Berlinale eröffnet und schon morgen bundesweit in die Kinos kommt, so dürfte der 54jährige “damit‘ auch nicht viele Lorbeeren ernten.

Der Handlungsort dieser deutschen Produktion ist in Downtown Los Angeles angesiedelt. Dort befindet sich ein legendäres Hotel, eben “The Million Dollar Hotel“, das auch schon bessere Zeiten erlebt hat. Waren dort einst amerikanische Präsidenten wie Truman und Eisenhower zu Gast, so beherbergt heute diese riesige Hütte ein multikulturelles Völkchen:
Arbeits- und Obdachlose, Junkies, Drogendealer, Spinner. Tom-Tom heißt der Erzähler. Er hat sich am Anfang des Films bereits umgebracht und wird dies am Schluss wiederholen. Zwischendurch berichtet er uns, sozusagen aus dem Jenseits, von dieser merkwürdigen Freak-Show hier.
Tom – Tom liebt das Straßenmädchen Eloise. Er umstreunert sie wie ein läufiger Kater. Jeremy Davies und Milla Jovovich, gerade bei uns als “Johanna von Orleans“ gescheitert, spielen dieses Panoptikumpärchen mit spleenigen Gesten und Bewegungen. Dann aber taucht MEL GIBSON auf, der Hollywood-Star aus z.B. den “Lethal – Weapon“ Acts. Er soll als Polizist einen Todesfall im Hotel aufklären. Und der gute Mel haut mächtig auf den verbalen Putz.

Der 20. Spielfilm in 50 Karrierejahren ist Wim Wenders danebengegangen.
Der annoncierte “romantische Thriller“ entpuppt sich als aufgeplusterte Möchtegern – Philosophie: Über Freundschaft, Vertrauen, Verrat, Liebe und Tod. Geschwätziger Leerlauf lautet das Motto. Die kriminalistischen Elemente besitzen keine Spannung; Figuren wie Geschehen sind beliebig und austauschbar. Und auch die Liebesgeschichte dieser zwei gesellschaftlichen Outlaws vermag kaum zu fesseln. Von Sinnlichkeit weit und breit keine dramaturgische und darstellerische Spur. Verrückte als “bessere“ Menschen, mit poetischer Kraft und beklopptem Selbstbewusstsein, das kommt “so“ nicht ‘rüber. “The Million Dollar Hotel“ von Wim Wenders als Galerie des Grotesken hinterlässt nur Achselzucken und Langeweile. Der diesjährige Berlinale – Auftakt ist filmisch missglückt (= 1 PÖNI).