Mein Freund, der Delfin Kritik

MEIN FREUND, DER DELFIN“ von Charles Martin Smith (USA 2011; 113 Minuten; Start D: 15.12.2011); der diesjährige „Weihnachtsfilm“ ist ein WASSER-MOVIE. Vielleicht zutreffender: Ist ein wässriges Movie. Tränen-technisch wie tatsächlich. Basiert auf einer eigentlich unglaublichen Geschichte, die sich aber tatsächlich ereignet hat: Im Dezember 2005 fand ein Fischer in Florida am Strand ein Delfinbaby, das sich in den Leinen eines metallischen Krebsfangkorbes, der Krebsreuse, verfangen hatte. Er war verletzt, zudem war dadurch auch die Durchblutung seines Schwanzes verhindert. Das verletzte Tier wurde ins Clearwater Marine Aquarium (CMA) gebracht, wo es behandelt und versorgt wurde. Seine Überlebenschancen verringerten sich, als eine Flosse abgenommen werden musste. Doch die Helfer, die Winter, so nannten sie ihren Schützling, rund um die Uhr versorgten, ließen sich davon nicht entmutigen. Dessen wunderbare Genesung wurde schließlich durch eine spezielle wie einzigartige Prothese ermöglicht. „A Delphin Tale“ erzählt und bildert diese Rettung eines Delfins nach. Hollywood-like natürlich. Mit fiktiven wie emotionalen „Zusätzen“. Als rührige Hymne auf die Familie. Auf deren Zusammenhalt.

Als der 11jährige Sawyer am Strand von Florida einen blutenden Delfin entdeckt, ahnt er nicht, dass sich mit dieser Entdeckung sein ganzes künftiges Leben verändern soll. Denn Sawyer (NATHAN GAMBLE) ist ein ziemlich isoliert lebender Boy. Hat schwer damit zu tun, dass sein Vater vor geraumer Zeit einfach abgehauen ist. Gilt in der Schule als Außenseiter, hat dort keine Freunde. Einzig mit seinem Cousin Kyle besteht eine tiefe freundschaftliche Verbindung. Nun aber macht sich der regionale Schwimm-Champion auf, um seinen Militärdienst abzuleisten. Zum Abschied schenkt er dem verunsicherten, traurigen Sawyer ein Taschenmesser mit der Inschrift: „Familie ist für immer“. Für Sawyer beginnt nun ein langer, beschwerlicher Weg, dies zu erkennen. Denn jetzt erkennt er erst einmal, dass er helfen kann. Mitzuhelfen vermag. Im Delfin-Hospital. Wo „Winter“ zunächst nicht sehr kooperativ ist. Wenig Lebensmut zeigt. Bis Sawyer auftaucht. Der Junge, der ihn mit dem Klappmesser von diesem widerlichen Metall befreit hat. Und DEN er „schätzt“. Der schüchterne Junge und der verletzte Delfin; da haben sich Freunde gefunden. Fortan wird Sawyer nicht nur hier geduldet, sondern auch „benötigt“. Ein gutes Gefühl für ihn. Wie dann auch für das „Personal“ drum herum. Zu dem auch die sympathische 11jährige Hazel gehört, die aufgeweckte Tochter des CMA-Leiters (HARRY CONNICK, Jr.).

Natürlich geht nicht alles glatt. Durch. „Spannungsbaustellen“ wie die Kriegsverletzung von Rückkehrer Kyle und dessen Depression; einen Wirbelsturm, der erhebliche Schäden anrichtet, sowie durch die ohnehin schon bedrohliche finanzielle Situation der Tierklinik. Die Probleme laufen – scheinbar – aus dem Ruder. Aber das sind natürlich nur dramaturgisch bedingte Spannungseingriffe. Ebenso wie das mit-eingebundene „humoristische“ Auftreten eines kauzigen Pelikans. Um den eigentlichen Story-Spaß-Kern und guten Sinn zu dehnen: Der DELFIN. Der aufwachende JUNGE. Ihre außergewöhnliche Freundschaft. Und gegenseitige Hilfe. Zur Selbsthilfe. Als Seelenverwandte. Zwei Außenseiter tauchen auf. Naiv? Okay. Beziehungsweise – warum denn nicht?

Ich mag diesen simplen Film. Vom Schauspieler-Regisseur Charles Martin Smith (war der Terry „Froschauge“ Fields in „American Graffiti“ von George Lucas, 1973; hat in der „The Buddy Holly Story“ 1978 dominiert; war beim Abenteuerfilm „The Snow Water“ 2003 Drehbuch-Autor und Regisseur). Dessen tierische 3 D-Unterwasser-Bilder für ästhetisches Charme-Vergnügen sorgen. Seine Unterhaltungsbotschaft höre ich wohl: Mensch wühlt mal nicht in den großen Problemschubladen der Zeit, sondern konzentriert sich auf praktische prächtige Hilfe. An einem von ihm/durch ihn beschädigtem Tier. Einem Delfin. Ach so ja, Stars wie ASHLEY JUDD, KRIS KRISTOFFERSON und MORGAN FREEMAN tun hier auch mit. Als sympathische Stichwortgeber für den Delfin-Superstar. Winter.

„Mein Freund, der Delfin“ wird demnächst an vielen ZDF-Sonntag-Nachmittagen zur schmackhaften filmischen „Dauer-Verpflegung“ zählen (= 3 PÖNIs).