Meine Zeit mit Cézanne Kritik

MEINE ZEIT MIT CÉZANNE“ von Danièle Thompson (B + R; Fr 2014; K: Jean-Marie Dreujou; M: Eric Neveux; 113 Minuten; Start D: 06.10.2016); die perfekte Mischung gibt es nie: Du bist ein Genie UND hast, besser genießt, auch ein vergnügliches Genie-Leben. Sozusagen: Du vermagst – im Bereich Literatur, als Maler – „beste Kunst“ „anzufertigen“, und Du bist deshalb auch ein äußerst zufriedener, glücklicher Mensch. So in etwa müsste doch die stimmende, „passende“ Daseins-Formel lauten, wenn ein Mensch sich als erfolgreicher Spitzenkünstler herausstellt. Ein Wunsch in Traum.

Großartig ist ihre Kreativität. Ihr Schaffen. Aber im Mensch-Sein sind sie oftmals zutiefst gespalten: Der Maler PAUL CÉZANNE (19. Januar 1839 – 22. Oktober 1906) und der Schriftsteller ÉMILE ZOLA (2. April 1840 – 29. September 1902). Der Fabrikanten-Sohn Paul und Émile, der Sohn aus einer italienischen Einwandererfamilie, sind seit frühester Jugend ganz dicke Freunde. Bilden zuweilen einen gegenseitigen Rettungsanker, wenn die Hänseleien und die Verachtung in ihrem bigotten Umfeld ihnen zu dreist entgegenschlägt. Gemeinsam sind wir stark. Als das verschlafene südfranzösische Aix-en-Provence zu eng für ihren ungeduldigen Tatendrang wird, führt sie der Weg ins brodelnde Paris. Wo sie in den Künstlerkreisen vom Montmartre verkehren. Alexandrine (ALICE POL) kennen- und lieben lernen, in der Verachtung der spießbürgerlichen Gesellschaft sich lautstark einig sind, während sie mit ihren Künsten die Welt aus den Angeln heben wollen. Differenzen sind vorhersehbar. Während der Émile bald Erfolg hat, kehrt Paul frustriert in die Provence zurück, weil ihm der Zuspruch verwehrt bleibt. Dennoch zieht es ihn immer wieder zurück zu seinem Freund nach Paris, wo er die Freundschaft mit seiner Ungeduld, Eifersucht und Kompromisslosigkeit auf eine harte Probe stellt („Ich wünschte, ich könnte so gut malen wie Du schreiben kannst“). Als Zola seinen Roman „Das Werk“ veröffentlicht, eskaliert der Streit, weil der jähzornige Paul sich in der Hauptfigur (zu Recht) wiederzuerkennen bzw. unvorteilhaft dargestellt glaubt.

Ein imponierender Künstler- und Kunst-Film. Dessen intellektuelle Anspielungen auf die zeitgenössischen Debatten um Kunst und Kultur an der Schwelle zur Moderne sich mit den Duellen zweier faszinierender Ausnahme-Persönlichkeiten und kreativer Dickköpfe misst. Die französische Autoren-Regisseurin DANIÈLE THOMPSON, bei uns bekannt geworden durch ihre Charme-Komödie „Ein perfekter Platz“ (s. Kino-KRITIK), setzt auf eine wunderschöne atmosphärische Optik (die Kamera von JEAN-MARIE DREUJOU fängt stimmungsvolle Sommer- und Landschafts-Cinemascope-Bilder der Provence ein) und brilliert mit zwei überragenden Hauptakteuren: GUILLAUME CANET („Zusammen ist man weniger allein“) als Émile Zola und GUILLAUME GALLIENNE („Maman und ich“) als Paul Cézanne sind hochkarätige Schmerz- und Seelenverwandte. Während der Soundtrack von ERIC NEVEUX angenehm-leicht zu schmachten weiß.

Liebhaber-Kino (= 3 ½ PÖNIs).