Mein bester Freund Kritik

MEIN BESTER FREUND“ von Patrice Leconte (Co-B+R; Fr 2006; 90 Minuten; Start D: 06.12.2007). Der 60jährige zählt zu den profiliertesten Filmemachern Frankreichs („Die Verlobung des Monsieur Hire“/1989; „Der Mann der Friseuse“/1990; „Ridicule – Von der Lächerlichkeit des Scheins“/1996/“Oscar“-Nominierung; „Das zweite Leben des Monsieur Manesquier“/2002/mit Jean Rochefort + Johnny Halliday). Die Geschichte, die er hier erzählt, wäre IN JEDEM ANDEREN LAND (z.B. bei uns) ein Sammelsurium von Kitsch/Peinlichkeit(en/Langeweile geworden. Nichts so bei Leconte, der eine – wie man so schön sagt – TYPISCH FRANZÖSISCHE Charme-Komödie schuf. Ausgangspunkt: Sagen wir mal „Casablanca“: „Louis, ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“, heißt es da bekanntermaßen im Schluss-Monolog von Humphrey Bogart. FREUNDSCHAFT.

Monsieur Francois ist ein Mann von heute. Typ: Schnell, pfiffig, recht passabel aussehend, klasse in seinem Erfolgs-Karriere-Schnüffler-Job als begüterter Antiquitäten-Händler. Allerdings: So erfolgreich Francois auch beruflich ist, PRIVAT ist er ein oberflächlicher Solist. Mit vielen Mehr-oder-Weniger-Bekannten, aber ohne WIRKLICHEN Freund. Er will das zwar nicht wahrhaben, doch seine Geschäftspartnerin Catherine (JULIE GAYLET) stößt ihn massiv darauf. Man vereinbart eine Wette, und schon befindet sich Francois im Schlamassel: Binnen kurzer Zeit soll er einen WAHREN Freund präsentieren, doch woher einen solchen nehmen? Was überhaupt IST DAS – ein RICHTIGER FREUND???

Aber wie das halt so im Kino ist: Da gibt es den taxifahrenden Solisten Bruno (DANY BOON/ein in Frankreich bekannter, beliebter Stand-Up-Comedian). Ein freundlicher Typ, der in Sachen Allgemeinbildung viel weiß und dies auch gerne herausplappert und dessen größter Wunsch es ist, einmal in der französischen Ausgabe von „Wer wird Millionär?“ mitzumachen. Francois und Bruno begegnen sich zufällig, man geht sich zunächst auf die Nerven, doch dann bemerkt Francois gerade noch irgendwann-rechtzeitig, was für ein Juwel von Mensch und FREUND Bruno ist. Kitschig? Ein wenig. Aber: Mit viel Lächeln. Blöd? Nein. Langweilig? Auf gar keinen Fall. Eher: Angenehm-unterhaltsam. Sowie eben französisch-DISKRET. Und: Weil ER eben diesen Part/diese im Grunde nicht gerade sympathische, isolierte Hektik-Figur des Francois überzeugend-charmant vorführt: DANIEL AUTEUIL, Jahrgang ´50, der französische Bogart.

Auteuil zählt zu den charismatischsten Schauspielern im französischen Kino, wurde bereits 11 x für den französischen „Oscar“, den „CESAR“, nominiert und bekam ihn 2 x: 1987 für „Jean Florette“ und 2000 für „Die Frau auf der Brücke“, ebenfalls von Patrice Leconte. In weiteren Filmen wie neulich „Malen oder lieben“, „36 – Tödliche Rivalen“ (bei uns nur auf DVD erschienen), „Ein Mann sieht rosa“, „Die Bartholomäusnacht“ oder „Milch und Schokolade“ von Coline Serreau (1989) wurde er auch bei uns bekannt/wird er geschätzt. Er gibt dieser augenzwinkernd-lockeren französischen Identitätsfindung Halt/Glaubwürdigkeit/Ausstrahlung; vermittelt ein gutes Spaß-Gefühl, macht diesen „Boulevard“ zur liebenswert-heiteren Melancholie-Unterhaltung.

Schönes Emotionskino (= 3 PÖNIs).