Mandant Kritik

DER MANDANT“ von Brad Furman (USA 2010; 119 Minuten; Start D: 23.06.2011); basiert auf dem 2005 erschienenen Roman „The Lincoln Lawyer“ von Michael Connelly, der hierzulande 2007 bereits unter dem jetzigen Filmtitel veröffentlicht wurde. Connelly, der auch 2002 Roman-Pate für den spannenden Clint-Eastwood-Krimi „Blood Work“ war, setzt auf einen Nadelstreifen-Helden. Einen Anwalt. Aber keinen typischen, ganz im Gegenteil. Sein Name: Mick Haller.

Der geschiedene Vater einer kleinen Tochter wickelt seine Geschäfte lieber auf dem Hintersitz in seiner dunklen Lincoln Continental-Limousine ab. Mit vertrautem Fahrer vorne. Der ihn in Los Angeles von Gerichtsgebäude zu Gerichtsgebäude düst. Wo Haller vorwiegend damit beschäftigt ist, günstige juristische Deals für seine „Unterschichten-Mandanten“ wie Drogendealer und Rocker-Zocker auszuhandeln. Damit verdient er seine Na-Ja-Kohle. Doch dann gerät er an einen „besseren Fall“. Wo „mehr“ drin ist. Dem Sohn aus einer reichen Beverly Hills-Sippe wird Vergewaltigung und versuchter Mord vorgeworfen. Haller soll ihn verteidigen. Was sich als nicht einfach zeigt, erweist sich doch der arrogante Schnösel von Louis Roulet als bärbeißig und nicht immer sehr kooperativ. Zudem…, und dann gelangt sogar der bisher so clevere Herr Anwalt selbst in die ziemliche Bredouille. Und gefährliche. Die dann sogar ihn und auch seine Familie bedroht.

Natürlich „riecht“ das hier nach John Grisham („Der Klient“). Aber irgendwie auch halbiert. Denn Stoff und Inszenierung benötigen einen ganz schön langen Anlauf, um richtig in Spannungsfahrt zu gelangen. Erst als sich die „wahren Duellanten“ herauskristallisieren, bewegt sich der Thriller aufregend. Der inzwischen 41jährige Sunnyboy MATTHEW McCONAUGHEY, 1989 als Anwalt in der Grisham-Verfilmung „Die Jury“ groß auftrumpfend, 2005 vom Magazin „People“ zum „Sexiest Man Alive“ gewählt, packt den zynischen Strahlemann gut an. Der sich „sicher“ wähnt, bis er selber ausgetrickst werden soll.

Der viel zu selten auf der Leinwand antretende RYAN PHILLIPPE (37/“Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“; „Eiskalte Engel“, „L.A. Crash“) hat als gerissener Kontrahent brillante Kälte. Schade, dass Ryan Phillippe am 27. April 2011 erklärt hat, seine Schauspieler-Karriere zu beenden. Um künftig lieber „hinter den Kulissen“ zu arbeiten. Aber vielleicht wird aus ihm ein genauso vorzüglicher Regisseur wie als Darsteller. Wenn es denn in diese Richtung gehen sollte. Zu erwähnen bleibt noch, dass hier neben der attraktiven MARISA TOMEI („The Wrestler“) als Micks Ex auch mal wieder der wunderbare WILLIAM H. MACY („The Cooler“; „Fargo“) als Privatermittler und Anwaltsgehilfe Frank Levin auftritt. Zwar viel zu kurz, aber er adelt schließlich jeden noch so „lässigen“ Thriller allein durch seine Mitanwesenheit (= 3 PÖNIs).

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