MALEFICENT: MÄCHTE DER FINSTERNIS

PÖNIs:     (3/5)

„MALEFICENT: MÄCHTE DER FINSTERNIS“ von Joachim Rønning (USA 2018; B: Linda Woolverton, Micah Fitzerman-Blue, Noah Harpster; K: Henry Braham; M: Geoff Zanelli; 118 Minuten; deutscher Kino-Start: 17.10.2019).

Gastkritik von Caroline „Carrie“ Steinkrug

„Money makes the world go around“, sang 1972 die unvergessene Liza Minnelli in Bob Fosses Musical-Film „Cabaret“. Wie wahr. Und offensichtlich bringt „Geld“ heute „nicht nur die Welt ins Rollen“, sondern vor allem auch die Kamera. Dementsprechend zeigt die Eröffnung von MALEFICENT: MÄCHTE DER FINSTERNIS schon innerhalb der ersten 10 Minuten eines: Hier steckt jede Menge Kohle drin. In: Kostümen, Besetzung, Effekten und visuellen Fahrten. Natürlich. Denn wir erinnern uns kurz: Bereits der erste Teil um die dunkle Fee Maleficent, die in ihrem verzauberten Moor jenseits des Dornröschenschlosses lebt, brachte jede Menge Mäuse ein und zählte mit 750 Millionen US-Dollar bei einem geschätzten Budget von 180 Millionen US-Dollar zu den einspielstärksten Leinwandprodukten in 2014 (s. Kino-KRITIK). Und mit d e n e n, also Mäusen jeglicher Art, kennt sich Walt Disney bekanntermaßen ja aus. Um also auf Nummer sicher zu gehen, wurde im Mai 2018 der bereits Sequel erfahrene 47-jährige Regisseur Joachim Rønning engagiert. Seines Zeichens Norweger und der Piratenspielleiter beim fünften Mal „Fluch der Karibik“.

Bereits vor Kinostart keimte jedoch immer wieder eine Frage auf? Wie würde die Geschichte um Maleficent, die „Hexe mit Herz“, weitergehen? Die eigentlich mit der Krönung ihrer geliebten Ziehtochter, dem Rosenkind Aurora, und der Rückgewinnung ihrer verlorenen Flügel erst „neulich“ heiter endete? Wie das „Und so lebten sie glücklich bis ans Ende aller Tage“ wieder brechen? Das mehr oder weniger kreative Ergebnis lautet wie folgt:

Märchenprinz Phillip (in Teil 1 noch „Brenton Thwaites“, nun neu-besetzt mit HARRIS DICKINSON) möchte gerne Prinzessin Aurora (damals wie jetzt ELLE FANNING) heiraten und macht ihr einen Antrag. Den nimmt diese trotz (berechtigter) Bedenken ihrer Ziehmutter Maleficent (ANGELINA JOLIE) an. Denn die Gegenseite, die Mama des Bräutigams in spe (immerhin: MICHELLE PFEIFFER), scheint dubiose Absichten zu verfolgen, welche die unterschiedlichen Welten der Menschen und der friedlich im Zaubersumpfwald lebenden Fantasiewesen in einen blutigen Krieg stürzen könnten. Unweigerlich drängt sich jetzt natürlich der Schlager „Auf in den Kampf, die Schwiegermutter naht“ von Walter Heyer aus dem Jahr 1968 auf. Und so kommt es dann auch: erst aggressives Schlachtszenario, dann Hochzeitsfeier. Mit viel Zuckerguss auf dem letzteren, aber Magic-Kingdom-like ohne Blutvergießen im ersteren. Zu mehr Inhalt hat es kaum gereicht: weiße Königin, gegen schwarze Herrscherin. Schein gegen Sein. Der liebende „Dämon“ gegen die Fassade des blonden „Engels“. Dazwischen: Süße Sidekicks wie Pilzmännchen und eine Art Igeldame (ans Merchandise muss schließlich auch gedacht werden), lustige Flatterdinger und eine neue „Familie“ für die Hauptfigur. Neue Freunde, beziehungsweise „Fremde“, die gejagt wurden und werden, und deren „politische“ Unterdrückung stellenweise wohl Parallelen zur Trump-Id(iot)eologie aufweisen soll. Könnte. Nur eben nicht gebrandmarkt „durch“ eine Mauer, sondern „auf“ einer Insel.

Während sich in der Erzähltiefe demnach „wenig“ oder nur Altbekanntes abspielt („Sei der, der Du sein willst“; „Liebe überwindet alle Grenzen“), punktet die Show aber mit einem protzigen Spektakel an der „Oberfläche“. Das exklusive Ensemble rund um die 44-jährige Rampenlady ANGELINA JOLIE, die erneut ohne Zweifel die Rolle der gotischen Bosheit/Schönheit erhaben und tragend ausfüllt, glänzt auch in den „Nebenfiguren“. Dabei trumpfen die Unschuld in Person der 21-jährigen ELLE FANNING als Dornröschen ebenso wie die Präsenz der (kaum zu glauben!) 61-jährigen Grande Dame MICHELLE PFEIFFER als üble Kontrahentin Ingrith auf. (Zusammen mit ihrer Garderobe: Unzählige, prunkvolle Kleider, die teilweise sogar „nur“ als Dekorationen im Hintergrund stehen und deren Anzahl und Herstellung sich in dieser Form wohl nur ein „Geld-mächtiges“ Unternehmen wie dieses leisten kann.) Interessant ist, dass das männliche Ensemble wie Prinz Harris-Phillip eher dümmlich-nutzlos daherkommt. Aber dieser soll ja auch „nur“ nach dem lauten Krawall geheiratet werden. Und eines kann die Romanzen-Maschinerie aus den USA schließlich wie keine zweite: Kitsch inszenieren. Die Hochzeitsplaner auf dem Globus wird es freuen.

Fazit: Optisch stehen die MÄCHTE DER FINSTERNIS dem Vorgänger in nichts nach; ANGELINA JOLIE ist und bleibt bestechend attraktiv als Schmuckhörnchen; wer Opulenz liebt, kommt voll auf seine Kosten; eine Popcorn-Unterhaltung par excellence … der Ärger über die verschenkte Story jedoch trübt etwas das Gesamtbild. Immer dieses öde Hick-Hack zwischen „Gut-und-Böse“. Zwischen „Ertrag“ und „Sinn“. In einem klassischen Optik-über-Alles-Zweit-Movie. Schade, denn Angelinas Figur hätte, wie der Franzose sagt, wohl mehr „Jolie“, also „Hübsches“, vertragen. Können. In der Seele, im Kern, und nicht nur auf den wow-wahnsinnig roten Lippen (= 3 „Carrie“-PÖNIs; …mit einem getrübten Auge durch das beeindruckende Glanz und Gloria-Design).

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