Loriot

‚Kölner Stadt-Anzeiger‘ vom Freitag,  11. März 1988

Der Karikaturist, Cartoonist, Autor, Dirigent, Regisseur und Schauspieler Loriot hat den ersten Spielfilm gedreht.

„Der Appetit kam beim Essen“ von Hans-Ulrich Pönack

Vicco von Bülow, woher kommt der Name Loriot?

Die Bülows haben in ihrem Wappen einen Vogel; in ihrem Wappen, sage ich, einen Vogel. Das ist der Pirol, und der heißt auf Französisch Loriot.

Sie sind Karikaturist, Cartoonist, Schriftsteller, Autor, Dirigent, Regisseur, Schauspieler und Redner. Was machen Sie denn am liebsten?

Ach je, die Frage kann man fast nicht ernsthaft beantworten. Es gibt viele Sachen, die viel Spaß machen, und es sollte eigentlich oben gerade das, was man macht, einem am meisten Spaß machen.

Und nun sind Sie auch noch Filmemacher geworden. Gern?

Na ja, also ich habe jetzt einen Film gemacht. Ob ich deswegen ein Filmemacher geworden bin, das lässt sich so leicht nicht beantworten. Das geht ja nur eigentlich dann, wenn man eine Reihe von Filmen gemacht hat.

Aber jeder hat mal angefangen. Wie hat es bei Ihnen angefangen. Wie kamen Sie auf den Geschmack, einen Film drehen zu wollen?

Na ja, ich habe im Fernsehen eine ganze Reihe Sketche gemacht und viele von meinen kurzen Sendungen. Und denn kaum der Produzent Horst Wendland, und wir trafen uns ab und zu mal. Meistens hatten wir ein Glas zu trinken in der Hand uns plauderten über dies und das. Und jedes Mal kam er wieder drauf und sagte: Sie müssen einen Film machen. Und das habe ich zunächst nicht ernst genommen, denn ich dachte mir, Gott, warum soll ich einen Film machen. Das Fernsehen reicht doch eigentlich. Aber dann hat er mich im Laufe von, ich glaube vier, fünf oder sechs Jahren – so lange hat‘s wohl gedauert -‚ hat er mich überrollt, ich müsste es machen. Und da hab‘ ich‘s gemacht.

Wie hat er Sie überzeugt? Was hat Sie überzeugt?

Ich weiß nicht, ob er mich überzeugt hat; er hat mich einfach überredet. Ich konnte seinem Werben keinen Widerstand mehr entgegensetzen. Er war so liebenswert und so nachdrücklich, dass mein Widerstand erlosch.

Warum haben Sie sich zunächst so widersetzt?

Ich bin von Natur aus, wie jeder vernünftige und kluge Mensch, faul. Und Ich dachte mir, warum muss es denn nun sein, warum soll ich denn meinen guten Ruf aufs Spiel setzen und alles das. Und es ist ja auch ziemlich mühsam, die Arbeit ist ziemlich groß. Und ich sah ziemlich genau, was auf mich zukommen wird. Und dann dachte ich darüber nach, und dann kam der Appetit mit dem Essen.

Wo liegt der extreme Unterschied zwischen der TV-Arbeit und der Spielfilm-Arbeit?

Spielfilmarbeit muss genauer sein. Es ist einen ganz andere Arbeit der Kamera, hinterher eine ganz andere Möglichkeit der Bearbeitung, des Schnitts. Ein Film ist nicht zu vergleichen mit Fernsehen. Fernsehen ist sehr aktuell, ist sehr viel schneller und hat große Vorteile in vielen Dingen, nur nicht in der Fertigung eines großen Films.

Sie haben mit Schauspielern gearbeitet, wie sie normalerweise im Kino überhaupt nicht zu sehen sind, ich meine vom Alter und den Gesichtern her. Das ist ja eine Hymne an diese Leute. War das schön?.

Das war mit das Schönste, was ich in meinem Leben erleben konnte. Die Zusammenarbeit mit dies Schauspielern hat uns alle wirklich glücklich gemacht.

Ihr Film ist auch ein politisches Weltereignis. Zum ersten Mal fand eine Premiere in Deutschland-Ost und –West statt. Wie kam das zustande?

Ich glaube, dass das so schwer nicht war, weil ich seit vielen Jahren sehr gute Arbeitsbeziehungen zur DDR habe. Meine Bücher werden dort verlegt, ich habe Lesungen dort gehalten, und es sind Ausstellungen von mir gemacht worden in meiner Heimatstadt Brandenburg.

Auch der Produzent Horst Wendland hat gute Beziehungen dort zum Film in der DDR. Da lag es nahe, nun einfach mal zu sagen: Warum sollen wir nicht die Premiere am selben Tag machen? Mich wundert, dass man nicht schon früher mal draufgekommen ist.

Die Frage ist simpel, dumm vielleicht: Warum ist das, was Sie machen und das, was Sie sagen, eigentlich so wahnsinnig komisch?

Ich weiß es nicht, das müssen Sie mir erklären.

Sie hauen in Ihrem Film wieder eine bestimmte Schicht unheimlich in die Pfanne, eine bestimmte Bürgerschicht. Warum gerade die?

Es ist nur komisch, wie Sie sagen, Menschen in die Pfanne zu hauen, die mit sich und einem zu hohen Anspruch an sich selbst leben, die in einer gewissen Weise auf das, was sie sind, eingebildet sind. Die glauben, dass sie allein durch ihr Alter einen großen Respekt verdienen, ohne dass was dahintersteckt. Das heißt, die Fallhöhe ist ziemlich groß. Bei jungen Menschen ist das nicht der Fall. Wenn sich ein sattes Bürgertum dekuvriert, dann wird es eben komisch. Und ich glaube, dieses Bürgertum, das da geschildert wird, zu dem wir irgendwo ja alle gehören, wird es schlucken, denn es liegt ein gewisser Reiz darin, sich wiederzuerkennen.

Otto, Didi Hallervorden, Polt, Loriot: Der deutsche Film unterhält derzeit prächtig. Haben Sie eine Ahnung warum?

Das weiß man nicht. Das Leben ist nun mal einer Wellenbewegung unterworfen. Es gab eine Zeit, in der wurden zum Beispiel Opern komponiert, eine nach der anderen, lauter Welterfolge. Heutzutage werden nicht lauter Welterfolge komponiert. Dann gibt es eine Zeit, in der gibt es lauter große Sänger. Dann gibt es eine Zeit, da gibt es gar keine Sänger. Dann gibt es eine Zeit, in der ist das Kino ganz oben, und plötzlich mal wieder ganz unten, Und jetzt auf einmal gibt es wieder eine Wellenbewegung nach oben.

Normalerweise haben ja im Kino Komödien Hochkonjunktur, wenn’s draußen kriselt.

Das mag stimmen mit dem Kriseln. Nur es muss ja nicht immer eine riesenhafte politische Krise sein, um eine Komödie zu erzeugen. Es kann das Gefühl sein, dass die Gesellschaft in einer bestimmten Form zu erstarren beginnt. Auch dann hat die Komödie Chancen.

Woher rührt eigentlich Ihr wahnsinniges Schauspieltalent?

Ach Gott, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass mein Vater am liebsten Schauspieler geworden wäre. Das konnte er nur nicht, weil man damals, als er seinen Beruf erwählen musste, nämlich am Anfang des Jahrhunderts, nicht Schauspieler wurde. Auch meine Großväter, Offiziere, waren schauspielerisch sehr interessiert und begabt. In Privatvorführungen haben sie dann Rollen gespielt. Und das hat ihnen großen Spaß gemacht.

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