London Boulevard Kritik

LONDON BOULEVARD“ von William Monahan (B+R; GB/USA 2009; 106 Minuten; Start D: 01.12.2011); ist schon komisch, wenn im “Rest von Europa” ein Film längst auf DVD/Blue-ray herumschwirrt, während wir ihn hier jetzt als deutschen Kinostart erleben. Dies hat wahrscheinlich mit den namhaften Ensemble zu tun, in dem immerhin Asse mitmischen wie COLIN FARRELL, KEIRA KNIGHTLEY, DAVID THEWLIS (Professor Remus Lupin aus den „Harry Potter“-Episoden), sowie RAY WINSTONE (d e r britische Filmfiesling“/siehe “Sexy Beast“, 2000; zuletzt, „Auftrag Rache“) und der stets phänomenale EDDIE MARSAN (2008 der hysterische Fahrlehrer Scott in „Happy-Go-Lucky“ von Mike Leigh oder 2009 der dämonische Gangster in „Spurlos – Die Entführung der Alice Creed“/bei uns gleich auf DVD erschienen). Lauter „kriminalistische“ Spitzenkräfte. Im Einsatz. Auch „dahinter“ wie der zweifache „Oscar“-Preisträger CHRIS MENGES an der Kamera („Die Mission“/1985 + „Killing Fields – Schreiendes Land“/1987), der zudem für sein Regie-Debüt „Zwei Welten“ 1988 in Cannes den „Großen Preis der Jury“ bekam.

WILLIAM MONAHAN, geboren am 3. November 1960 in Boston, ist Schriftsteller, renommierter Drehbuch-Autor und „Oscar“-Preisträger, war u.a. für die Skripte zu Scorseses „Departed – Unter Feinden“ (hierfür bekam er 2007 den „Oscar“ für das „Beste adaptierte Drehbuch“), „Der Mann, der niemals lebte“ und „Auftrag Rache“ zuständig. Für seinen Regie-Erstling adaptierte er den gleichnamigen, 2001 erschienenen Krimi des irische Autoren KEN BRUEN (der 2009 den deutschen Krimipreis für seinen Roman „Jack Taylor fliegt raus“ erhielt).

Was also für eine Versammlung von erfahrenen Profis. Die hier aber „nur“ einen ordentlichen Krimi zusammenzimmerten. Mit bekannter Ausgangsposition. Gangster Mitchell (Colin Farrell) kommt nach drei Jahren aus dem Knast. Geläutert. Hat die kriminelle Schnauze endgültig voll. Möchte nur noch „legal“ leben. Doch natürlich lässt ihn „die Vergangenheit“ nicht so einfach los. Ex-Kumpane bestehen aufs Weitermachen. ER dagegen heuert als „Mädchen für alles“ (Fahrer, Leibwächter, Hausmeister) bei einer populären attraktiven Jungschauspielerin (Keira Knightley) an, die ständig von ordinären Paparazzis gejagt wird. Und auch nicht gerade als „stabil“ bezeichnet werden kann („Ich bin die am häufigsten vergewaltigte Frau im europäischen Kino – nach Monica Bellucci“). Natürlich „ruft“ auf der einen Seite das kriminelle Gesochse, andererseits ist die Zukunft mit solch einem neurotischen wie exklusiven Girl ziemlich verlockend. Aber dann taucht Gant auf. Der definitive Boss (Ray Winstone, wer sonst). Und DER duldet keinen Widerspruch und schon gar keine Diskussionen. Gemacht wird, was ER bestimmt. Ansonsten war’s das. Mit dem Atmen.

Eine knallharte wie unterkühlte britische Krimi-Chose. Als lakonische –Pose. Mit lässiger Milieu-Stimmung, vom 60 Jahre Briten-Rock-Sound cool begleitet („The Yardbirds“: „Heart Full of Soul“). Mit viel atmosphärischer Stimmungsschwankung: Alle sind imgrunde Gefangene. In Seele, Bewegung, in den Räumen. Im Handeln. „Müssen“ quasi ihren „vorgeschriebenen“ Weg gehen. Wie in einer griechischen Tragödie. Wobei schließlich auch noch ein schweinisches Bübchen von Nachwuchsfußballer viehisch mitmischt. Auf Nichts und Niemanden ist mehr Typenverlass. Die Bürgerlichen benehmen sich genauso stinkig wie die Unterweltheinis. Die Polizei gibt sich korrupt. Jeder hat irgendwo seine „Leichen“ profitabel geparkt. Die Grenzen und Dimensionen von Unter- und Oberwelt vermischen sich. Überall diese kriminelle Energie. Die sich wie ein Virus unaufhaltsam ausbreitet. Ausgebreitet hat. Für einen melancholischen, geläuterten Ex von „eiskaltem Engel“ scheint es keinen Platz mehr zu geben: Mitchell taumelt „zwischen den Welten“.

Eine toughe Gangster-Ballade. Trivial wie klassisch. Mit rüden (Star-)Charakteren. „London Boulevard“ ist typisches Schlafentzugs-Kino für die Nacht (= 3 PÖNIs).

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