Lady Vegas Kritik

LADY VEGAS“ von Stephen Frears (USA/GB 2011; 97 Minuten; Start D: 19.07.2012); basiert auf dem Roman „Lay the Favorite: A Memoir of Gambling“ von Beth Raymer aus dem Jahr 2010. 1976 in Steubenville/Ohio geboren, ist dieser Roman bereits ihr (erstes) Porträt. Erzählt ihre autobiographische Geschichte. Handelt von IHREM „American dream“. Marke: Von einer (Privat-)Stripperin in Florida zur Profi-Zockerin in Las Vegas. Und New York. Von einer Zahlen-Fetischistin zur Bestseller-Autorin mit nunmehr Master-Diplom der „Columbia University“. Der aus Chicago stammende Drehbuch-Autor D. V. DeVincentis, der mit Stephen Frears bereits am Drehbuch zu „High Fidelity“ (2000) zusammenarbeitete, hatte beim hiesigen Drehbuch-Schreiben engen Kontakt mit diesem außergewöhnlichen „weiblichen Kobold“: „Ich musste jemanden erschaffen, der hochintelligent, erfindungsreich und leidenschaftlich ist, gleichzeitig aber ziellos und unbeherrscht. Sie ist ein wandelndes Chaos, weil sie die Fähigkeiten besitzt, in jeder Situation die schlechtest mögliche Entscheidung zu treffen“, erklärt er im Presseheft.

Beth Raymer (REBECCA HALL) sitzt fest. In Florida. Als Stripperin. Fühlt sich unterfordert. Materiell ist sie schon immer gut über die Lebensrunden gekommen. Aber ihr Traum heißt – in einer hippen Cocktailbar in Las Vegas zu kellnern. Doch stattdessen landet sie dort beim Profi-Zocker Dink (BRUCE WILLIS). Der verdient, mit kleinem Team, seine Dollar bei Sportwetten. Seine Kommandobürozentrale ist mit Telefonen und riesigen Flachbildschirmen bestückt. Beth versteht zwar ‚Bahnhof’, besitzt aber genau den richtigen Instinkt, um hier mitzumischen. Sich ein wenig unentbehrlich zu machen. Von wegen bestem Zahlengedächtnis und schnellen Rechenkünsten. Doch dann kehrt Dinks Ehefrau Tulip (CATHERINE ZETA-JONES) von einer Karibik-Kreuzfahrt zurück und wittert in Beth „Konkurrenz“. Nicht ganz zu Unrecht. Also…bzw. von wegen.
Joshua (JOSHUA JACKSON) wird mit ins emotionale Boot geholt, ein verlässlicher Freund und Partner, und auch der schräge Buchmacher Rosie (VINCE VAUGHN) spielt dann eine erhebliche weitere Rolle im Leben von Beth. Die inzwischen in New York gestrandet ist. Und bei Rosies dort illegalen Wetten mitmischt. Natürlich ist schließlich Zunder annonciert. Weil ein Kunde plötzlich teuer ausschert. Und es jetzt auf Beth ankommt, „phantasievoll“ „auf Sieg“ zu setzen.

Ein uriger Streich. Weil wenig vorhersehbar ist. Und überraschende Wendungen dominieren. Beim Geschehen wie beim Personal. So locker „normal“, also auch deprimiert, sah man Bruce Willis lange nicht mehr, und auch Catherine Zeta-Jones zickt und tanzt als virtuose losgelassene Furie. Mit viel köstlicher Selbstironie. Die 29jährige Londonerin REBECCA HALL, Tochter des renommierten Regisseurs Peter Hall, dagegen dampft und prollt als Beth aus allen Poren. Seit der Woody Allen-Komödie „Vicky Cristina Barcelona“, wo sie 2008 die Partnerin von Scarlett Johansson war, ist sie ein attraktiver Leinwand-Blickfang. Hier nun darf sie erstmals „ihrem Affen Zucker“ geben und, wie sagt man auch, voll abgrooven. (Sagt man so?etwas?) Loslegen. In offenherziger Mode, mit schräger Volldampfschnauze, in jede nur verkehrte Richtung. Mit viel porentiefer Leidenschaft. Als pralle Nervensäge. Und Stehaufgirlie. Die erst einmal handelt, bevor sie nachdenkt. Und deshalb mehr einstecken darf als sie sollte.

Eine Underdog-Komödie. Wo viel gezockt wird. Auch privat. Mit hochkarätigen Hollywood-Assen. Stephen Frears, inzwischen 71, wechselt gerne in seinen (Lebens-)Dramen. In Sachen Milieu und Atmosphäre. Um spannende Frauen. Hat nach „Lady Henserson präsentiert“ (mit Judi Dench), „The Queen“ (mit der „Oscar“-Lady Helen Mirren), „Chéri“ (Michelle Pfeiffer) sowie zuletzt „Immer Drama um Tamara“ (Gemma Arterton) wieder eine furiose Schauspielerin „inszeniert“: REBECCA HALL. Sie befindet sich nun auf dem Weg zur Premium-Akteurin. So wie sie hier „rafft“ und powert (= 3 PÖNIs).

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