Küss den Frosch

KÜSS DEN FROSCH“ von John Musker und Roger Clements (USA 2008/2009; 97 Minuten; Start D: 10.12.2009); Disney und die Filmrolle rückwärts, denn hier setzt man mal wieder auf die gute alte – und eigentlich doch ausgelaufene – Handarbeit, sprich bzw. wortwörtlich auf den handgemachten ZEICHENTRICKFILM: Den letzten gab es vor 5 Jahren mit „Die Kühe sind los“ und DER war „nicht (mehr) so berauschend“. Doch nachdem Disney die supererfolgreiche Computer-Animationsschmiede von PIXAR (zuletzt „Oben“, davor „WALL-E“ und „Ratatouille“) sich einverleibt hat, probiert man es halt mal wieder ursprünglich. Mit politisch „korrektem“ Anspruch, denn nach einer indianischen („Pocahontas“/1995) und einer chinesischen („Mulan“/1998) Prinzessin steht nun im Obama-Land eine schwarze Prinzessin im Mittelpunkt des etwas unübersichtlichen, komplizierten Geschehens. Das auf die bekannten „Froschkönig“-Märchenmotive zurückgreift.

„The Princess and the Frog“, so der Originaltitel, ist im New Orleans um die 20. Jahrhundertwende angesiedelt. Wo die nette schwarze Kellnerin Tiana fleißig ist, hart dauerarbeitet und vom eigenen Restaurant träumt. Belassen wir´s einfach dabei und lassen ihre reiche, versnobte weiße Freundin Charlotte einfach beiseite, die nicht nur ihren Millionärs-Vater um den Finger zu wickeln versteht, sondern sich auch einen „tollen“ Prinzen aus dem fernen Maldonien angeln möchte. Von wegen künftigem Adelstitel und so. Zurück zu Tiana. Infolge unglückseliger Umstände küßt sie einen Frosch, der behauptet, ein verzauberter Prinz zu sein (und tatsächlich ist es eben jener arrogante Angeber-Luftikus Prinz Naveen, der – mangels Penunsen – dringend auf eine gute Partie aus ist und aus Doofheit von einem Voodoo-Zauberer in einen Frosch verwandelt wurde). Doch anstatt daß DER, wie im bekannten Märchen angesagt, sich in einem zünftigen Prinzen zurückverwandelt, wird nun auch die arme Tiana in ein Frosch-Mädchen verhunzt. Gemeinsam mit dem musikalischen Alligator Louis, DER mit der Trompete, und dem pfiffigen Glühwürmchen Ray, geht es nun auf die Suche, dem Zauber-Spuk ein Ende zu bereiten und sich wieder „menschlich“ zu präsentieren. Dabei wird durch die Wildnis gehetzt, man trifft auf allerlei „lustiges Getier“ sowie einer imposanten Sumpf-Hexe mit Ratgeber-Charme, zwischendurch werden ein paar Liedchen geträllert, Tiana und Naveen entdecken über ihre Zankereien und Stänkereien ihre Zuneigung, undsoweiter…undsofort.

Ich muß erwähnen, daß ich die deutsche Fassung gesehen habe, bei der die originalen Lieder und Songs von RANDY NEWMAN mit den Stimmen von CASSANDRA STEHEN (Tiana), ROGER CICERO (Prinz Naveen), MARIANNE ROSENBERG (Mama Odie) sowie BILL RAMSEY (Louis) eingedeutscht wurden. Nicht sehr gelungen, denn diese hören sich mehr nach Geplärre denn nach zünftigen Ohrwürmern an. (Im Original sprechen und singen Anika Noni Rose; Bruno Campos; Jeniffer Lewis; Michael-Leon Wooley). Und verbreiten – noch mehr – Langeweile. Denn „Küss den Frosch“ ist weder sonderlich originell noch witzig, sondern wirkt eher angestrengt überdreht, irgendwie orientierungslos in der banalen Story und behäbig-plump in den Gedanken. Motto: Da müssen wieder einmal Zwei, die sich natürlich zunächst nicht „riechen“ können, zusammengebracht werden. Ha, ha. Mit Abenteuern, die keine sind, sondern krampfige, altbackene, trockene, vergilbte Zirkuslachnummern aus dem Repertoire. Der Unterhaltungswert ist schal. Der 49. Disney-Trickfilm wirkt wie ein ausgelaufener Füller, mit dem man dennoch krampfhaft weiter handarbeitet, auf Deibel komm´raus, obwohl doch inzwischen mit modernster Technik inzwischen nicht nur bequemer, sondern auch unangestrengter, phantastischer, ideenreicher, witziger, also pointierter gewerkelt werden kann. Und auch viel typenschärfer als hier mit diesen klischeebeladenen Mottenkistenhauptfiguren. Nö, macht überwiegend keinen Spaß; ein Leerlaufvergnügen (= 2 PÖNIs).