DIE KINDER DER SEIDENSTRASSE

DIE KINDER DER SEIDENSTRASSE“ von Roger Spottiswoode (Australien/China/D 2008; 118 Minuten; Start D: 08.10.2009); der am 5. Januar 1945 in Ottawa/Ontario geborene kanadische Filmemacher zählt zu den Spitzen-Genre-Regisseuren Hollywoods und hat sich mit Filmen wie „Under Fire“ (1982); „Mörderischer Vorsprung“ (1988/mit Sydney Poitier; wird im hiesigen TV immer wieder gezeigt); „Scott & Huutsch“ (1989); dem Bond-Streich „Der Morgen stirbt nie“ (1997) und zuletzt mit der Patricia-Highsmith-Adaption „Ripley Under Ground“ (2005) einen hervorragenden Ruf erworben. Hier nun aber „schwächelt“ er.

Das Kriegs-Drama beruht auf der Biographie von GEORGE HOGG. Mit erzählerischen wie kinematographischen Freiheiten. Der britische Oxford-Absolvent war überzeugter Pazifist, als er 1937 als Foto-Reporter China erreichte. Wo die Japaner, ohne offizielle Kriegserklärung, gerade den Nordosten des Landes besetzt haben. Getarnt als Mitglied des Roten Kreuzes soll er vom dortigen Konflikt zwischen den Chinesen und den Japanern berichten. Doch dazu kommt es erst gar nicht. Bereits kurz nach seiner Ankunft wird Hogg von aggressiven, wütenden Japanern aufgegriffen, weil er deren Massaker an den Einwohnern von Nanking dokumentiert hat, und zum Tode verurteilt. In letzter Minute rettet ihn ein Trupp chinesischer Widerstandskämpfer. Hogg flieht in die Berge, wo er in einem Waisenhaus für chinesische Kriegsflüchtlinge Unterschlupf findet. Doch dann kommen die Japaner bedrohlich immer näher. Also begibt er sich schließlich, gemeinsam mit 64 Schützlingen, auf eine beschwerliche Flucht-Reise. Gen Westen, über die Seidenstraße, um sich und die Kinder im Dorf Shandan, am westlichen Ende der Wüste Gobi, in Sicherheit zu bringen. Begleitet von einer amerikanischen Krankenschwester, Radha Mitchell, und dem Partisanenführer Chen. Ein strapaziöses Unternehmen, bei dem über 1000 Kilometer zu Fuß zurückgelegt werden. Als „Langer Marsch in Miniatur“ ist die Aktion bis heute bekannt.

Im Filmabspann bezeugen einige von Hoggs damaligen Schutzbefohlenen voller Dankbarkeit das aufopferungsvolle Engagement ihres persönlichen Retters. Der Film ist episodenhaft und ziemlich holprig entwickelt. Und vollständig auf den britischen Helfer ausgerichtet. Seine Selbstlosigkeit steht im Zentrum des Geschehens. Während seine jungen Schützlinge weitgehend anonym und gesichtslos im Hintergrund bleiben. Mit den japanischen Aggressoren verhält es sich ähnlich: Grimmige Gestalten, allesamt böse. Somit bleibt alles eindimensionale Schwarz-Weiß-Malerei: Hier die hilfsbedürftigen Chinesen, dort die fiesen Japaner, und mittendrin der tolle Brite, der sich kompromißlos für Frieden, Humanismus und die Rettung der Kinder einsetzt. Mit diesem Konzept erinnert „Die Kinder der Seidenstraße“ natürlich an das thematisch ähnliche Kriegsdrama „JOHN RABE“ von Florian Gallenberger von neulich, das sich ebenfalls mit dem Massaker von Nanking von 1937 befaßte.

Doch das Interesse hier bleibt „im Rahmen“, weil die Figur des George Hogg viel zu blaß wirkt, während die zahlreichen Action-Motive als Alibi-Show dienen. Von wegen: Wir müssen schließlich ja unterhalten! Auf Deibel komm ´raus. Von dichter Charakterzeichnung und innerer Erzählspannung keine Spur. So findet man keine „Beziehung“ zum Film und seinem humanen Erinnerungsthema. RADHA MITCHELL als attraktive amerikanische Krankenschwester Lee und Asiens Superstar CHOW YUN FAT („Tiger & Dragon“; „Der Fluch der Goldenen Blume“) als präsenter, charismatischer Chef-Rebell bemühen sich in Nebenparts, während der irische Schauspieler JONATHAN RHYS MEYERS („Der Klang des Herzens“; „Match Point“ von Woody Allen/2005) brav den guten Menschen mimt. Ein insgesamt langweiliges Drama, bei dem die Absicht sehr viel mehr zählt als das trübe „praktische“ Leinwand-Ergebnis (= 2 PÖNIs).