Kill Billy Kritik

KILL BILLY“ von Gunnar Vikene (B + R; Norwegen 2014; nach dem Roman „Ein ehrliches Angebot“ von Frode Grytten/2012; K: Simon Pram Sten; M: Janove Ottesen; 88 Minuten; Start D: 23.06.2016); diese kleinen listig-ironischen skandinavischen Schmunzel-Movies. Wie „O’Horten“. Oder „1001 Gramm“. Oder „Elling“. Oder „Adams Äpfel“. Oder…. Sie bereichern das Kino als pfiffige Exoten. Wie jetzt auch dieses kleine gute Stück, das uns im Sommer-Kino Winter-Laune beschert.

Im Zeitraffer: das überschaubare Leben des Ehepaars Harold & Marny. Sie betreiben seit Jahrzehnten in der norwegischen Provinz einen Möbelladen. „Lunde Furniture“. Als Familienbetrieb. „Wir haben sogar das Wasserbett überstanden“. Seit sich aber IKEA nebenan im wahrsten baulichen Sinne „breit“ gemacht hat, ist alles anders. Beziehungsweise: Ist es vorbei. „Die Schweden haben uns ruiniert“. Als die demente Marny stirbt, sinnt Harold auf Rache. Macht sich auf den Weg, es IKEA heimzuzahlen. In Gestalt von Ingvar Kamprad, dem Gründer und Besitzer. Einem der reichsten Männer auf diesem Planeten.

Bei seinem verlotterten Sohn in Oslo besorgt er sich eine Waffe, bevor es ans naive Werk geht. Unterlegt mit charmanten Western-Klängen. Im Schlepptau, nicht fragen, dies ist bei skandinavischem Outlaw-Personal eben so, die 16jährige Ebba (FANNY KETTER), die über ihr Zusammenleben mit ihrer alkoholkranken wie männertollen Mutter auch nicht gerade erfreut ist. Und für die „die Ablenkung“, mit dem stolpernden Harold, irgendwie willkommen ist. Zumal ein Erfolgserlebnis annonciert werden kann: Ingvar Kamprad (BJÖRN GRANATH) wurde „einverleibt“. Eher zufällig, Stichwort: Autopanne, aber immerhin. Doch was macht man mit diesem alten Kobold, der diese „Entführung“ als höchst willkommene Abwechslung begreift? Nach dem Motto, endlich ist mal was los, was Blasenschwäche und Langeweile übertüncht. „So spannend war es schon lange nicht mehr“. Zudem ist Ingvar Kamprad auch sofort bereit, Informationen zum Erfolg mitzuteilen. Den schäbigen Wohnwagen zum Beispiel, in den ihn Harold verfrachtet, bestaunt er als „Compact Living“.

Natürlich: sein Geiz. „Ich bin praktisch“, raunzt der IKEA-Multi. „Hobbys und Urlaub sind was für faule Menschen“. Und Steuern? Sparen ist stets besser als zahlen. Zweimal Alpha. Der „Kleine“ und der „Große“. Das Eis ist dünn, also brechen sie gemeinsam schon mal ein. Symbolisch für einen Film, der nicht Schaum schlagen will, sondern zwischen schwarzem Humor und schrägen Gedanken linkisch-witziges Gesellschaftspersonal auf Erkundungsreise nach verlotterten Lebensmethoden schickt. Ohne Belehrung. Mehr mit Slapstick. Absurden Feinsituationen. Ausgeklügelt lakonisch. Bisweilen pointiert.

Nichts sonderlich Großes. Aber hübsch Augenzwinkerndes. Dieser neue skandinavische Film. Mit seinen Anspielungen auf die „Unfeinheiten“ des Lebens. BJÖRN SUNDQUIST als Harold kämpft tapfer, aber grotesk-lächerlich gegen die großen schwedischen Windmühlen. Ihm sei Beachtung gewünscht. Der skandinavische Film kann sich einmal mehr lakonisch-gut blicken lassen (= 3 PÖNIs).

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