Juno

JUNO“ von Jason Reitman (USA 2007; 96 Minuten; Start D: 20.03. 2008).

Der 30jährige kanadische Drehbuch-Autor und Regisseur, Sohn des Komödien-Experten Ivan Reitman („Ghostbusters“; „Staatsanwälte küßt man nicht“; „Twins – Zwillinge“; „Dave“), hatte schon im Vorjahr mit seinem Debüt-Spielfilm „THANK YOU FOR SMOKING“ einen Außenseiter-Hit gelandet. DEN hat er nun in dieser Kino-Saison mit seinem 2. Film noch getoppt. Der Film wurde von den amerikanischen Kritikern begeistert aufgenommen und war dort auf vielen Top-Ten-Listen von 2007. Zugleich bekam der Film 4 „Oscar“-Nominierungen („Bester Film“/“Beste Regie“/“Bestes Original-Drehbuch“ und für Ellen Page als „Beste Hauptdarstellerin“); bekommen hat ihn DIABLO CODY für das „Beste Original-Drehbuch“. Das gesamte Budget von 6,5 Millionen Dollar spielte der Film in den USA bereits nach 20 Tagen ein, bis Anfang März 2008 hatte er dort 132 Mio. Dollar und weltweit insgesamt 172 Mio. Dollar eingespielt. Und auch der SOUNDTRACK (mit u.a. Mott the Hoople, The Kinks, Velvet Underground…) platzierte sich unerwartet gut und war 10 Wochen lang das am meisten verkaufte Album.

Dabei ist – zunächst – das Thema eigentlich alles andere als unterhaltsame komödiantische Vermittelbarkeit: Die 16jährige Juno MacGuff ist schwanger. Der koboldhaften Schülerin aus einer Kleinstadt in Minnesota wird ein eher „ungelenker Nachmittags-Geschlechtsverkehr“ mit einem eher Langweiler-Typen aus der Bio-Klasse in/auf einem Stuhl zum Verhängnis. Würde man jetzt den „normalen dramaturgischen Spuren“ eines Hollywoodfilms folgen, müssten erst einmal alle ausrasten: Eltern, Erzieher, Freunde, kirchliche Seelsorger, Verwandte aus Nah und Fern, Nachbarn.

Das Gegenteil ist der Fall: ALLE-hier bleiben erst einmal – vergleichsweise – RUHIG. Vor allem Sie, Juno. Die ist eine ziemlich selbstbewusste, schlagfertige junge Frau, die mit ihrem Vater, der Stiefmutter und ihrer kleinen Schwester zusammenlebt. Als sie DENEN DAS „beichtet“, sind weder Hysterie noch Herumschreien oder Vorwürfe-pur angezeigt, sondern das Sich-Stellen der neuen Situation. Juno, mit viel Grips, sarkastischem Humor und schön-frecher Klappe ausgestattet, handelt mit einem beneidenswert gesundem Menschenverstand. Stellt sich ihrer Situation und ihrer Umgebung, um sich sogleich auf die Suche nach Adoptiveltern zu begeben. Als eine Art „Bilderbuch-Ehepaar“ gefunden ist, stellt sich dort nach und nach die schön-gestylte Fassade als „bröckelnd“ heraus. Was auch wiederum mit Juno zu tun hat.

Augenzwinkernde Situationskomik, pointierter Wortwitz-zuhauf, charmante Unvernunft, überhaupt diese ganze SO-ungewohnte Sicht/Beschreibung/Erzählweise, Abläufe sind ungewöhnlich-außergewöhnlich bzw. permanent überraschend. Bereiten viel Sympathie-Vergnügen, sind genau in/mit der richtigen Balance zwischen Spaß und Tiefgang, zwischen Glaubwürdigkeit und Konstruktion, zwischen Gefühl und Ernsthaftigkeit ausgelotet. Unglaublich: Aus einer im Grunde ganz altbackenen Teenager-Geschichte wird eine herrlich BESCHWINGTE, prickelnd-unterhaltsame Komödie. Mit viel herrlichem Schnodder-Charme. Überzeugend vorgeführt durch den hinreißenden Unschulds-Trampel in der Haupt-/Titelrolle: Die 20jährige, DAFÜR „Oscar“-nominierte ELLEN PAGE spielt unverbraucht-natürlich wie hingebungsvoll-überzeugend diese 16jährige Kesse. Die mit der rebellischen, aber nicht übertriebenen, altklugen Coolniß; die mit dem Herzen auf dem rechten Fleck, die mit dem patenten Umgangston.

Da auch das gesamte Ensemble (darunter: Michael Cera/neulich in „Superbad“; Allison Janney/“The Hours“; J.K. Simmons/schon in „Thank You For Smoking“ mit-dabei/einer der profiliertesten Nebendarsteller in Hollywood, dessen Gesicht bisher mehr bekannt ist als sein Name…) in guter Stichwort-Stimmung und prima geführt ist, lautet das Fazit: Daumen absolut hoch!!!!

Gescheit, charmant, darstellerisch herausragend, also wieder so eine prima saisonale KINO-Außenseiter-Entdeckung mit höchst vergnüglichem Langzeit-Geschmack (= 4 ½ PÖNIs).

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