JONAH HEX

Nach 10 Tagen (in der Mehrzahl) „grauem“ BERLINALE-WETTBEWERB musste es „krachen“. Am besten mit sofortigem TRASH-Cinema. Habe „solches“ gefunden. Und zwar solches, das ja schon seit langer Zeit als „neue Hammer-COMIC-Verfilmung“ angekündigt war. Aus Hollywood, von WARNER. Fürs große Welt-Kino. Dann aber hörte man von zahlreichen Differenzen. Von Beanstandungen vom „Warner Bros.“-Produktionsstudio an die Umsetzer-Autoren-Regisseure Mark Neveldine & Brian Taylor. Die einst zusammen schon die billigen Schrott-Movies „Crank 1 + 2“ (2006/2009, mit Jason Statham) erfolgreich ausspuckten. Und nun, „wegen künstlerischer Differenzen“, vom 40jährigen kanadischen Newcomer JIMMY HAYWARD ersetzt wurden. Hayward ist Regisseur, Drehbuch-Autor und Zeichner, hat als Animator bei Filmen wie „Toy Story 1+2“, „Findet Nemo“ und „Robots“ (2005, auch als Story-Berater) mitgewirkt. Sein erster eigener Langfilm war 2008 der Animations-Jux „Horton hört ein Hui!“. In seinem zweiten eigenen Langfilm ist Lachen allerdings ein spaßiger Frost-Zustand. Motto: Ein DJANGO taucht wieder hasserfüllt auf. In und als

JONAH HEX“ von Jimmy Hayward (USA 2009/2010; B: Mark Neveldine & Brian Taylor; M: Marco Beltrani + Heavy Metal-Band „Mastodon“; 81 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 04.02.2011).

JONAH HEX ist der Titel einer Comic-Reihe aus den 1970er Jahren. Erfinder sind der Texter John Albano und der Illustrator Tony Dezuniga. Beim Verlag DC Comics erschien im Februar/März 1972 im Comic-Heft „All Star Western“ die erste Geschichte. Unter dem Titel „Welcome to Paradise“. Bis zum August 1985 wurden 92 Ausgaben herausgebracht. Danach gab es immer mal wieder neue Folgen bzw. Mini-Serien. Seit 2005 veröffentlicht DC eine neue, monatliche, auf unbegrenzte Laufzeit angelehnte Jonah Hex-Comic-Serie.

Die ersten Filmbilder signalisieren Düsternis, „Ausnahmezustand“, die Welt als Mehr-Hölle denn Paradies-ähnlich. Die ersten Filmsätze signalisieren sogleich – Bitterkeit, Brutalität, physischen wie seelischen Ausnahmezustand: „Der Krieg und ich passten gut zueinander“. Gemeint ist der amerikanische Bürgerkrieg (1861-1865). Wo Jonah Hex (JOSH BROLIN) Reiter in der Südstaaten-Armee war. Als sein vorgesetzter Kommandant Quentin Turnbull (JOHN MALKOVICH) jedoch befahl, ein Krankenhaus anzuzünden, verweigerte Hex den Befehl. Und war dabei gezwungen, dessen Sohn, seinen besten Freund, zu töten. Nach dem Krieg rächte sich Turnbull und sein Handlanger Burke (MICHAEL FASSBENDER/“Inglourious Basterds“) an Jonah. Brachte dessen Familie (Ehefrau und Sohn) in seinem Beisein um, in dem er das Anwesen abfackelte und Jonah „markierte“. Mit einem üblen Brandzeichen auf der rechten Gesichtshälfte. Das war der Beginn einer ewigen totalen Hass-Feindschaft.

Seitdem ist der „ruppige“ Jonah Hex „unterwegs“. Offiziell als Kopfgeldjäger (…“eine Transaktion, nichts weiter“). Für 100 Dollar Kopfgeld. Wie ein DJANGO-Enkel. Doch eigentlich will er nur „Terrorista“ Quentin Turnbull auftreiben und auslöschen. Doch DER ist inzwischen zu einer landesweiten Bedrohung geworden. Hat eine Gang gegründet, die plündernd und mordend durchs Land zieht. Um dieses Land, die bald 100 Jahre alt werdenden Vereinigten Staaten von Amerika, „zu destabilisieren“. Und auszulöschen. Mit einer ebenso mächtigen wie geheimen Super-Waffe. Folglich „ruft“ der Präsident: „Das Schicksal unserer Nation ruht möglicherweise auf den Schultern von Jonah Hex“. Und bittet um direkte Hilfe: „Amerika ist in seinem Bestand gefährdet. Ihr Land braucht sie“. Erst ziert sich der sonst als Bastard titulierte Narben-Typ, doch als er hört, GEGEN WEN es geht, ist er gerne „als Solist“ mit dabei.

Ganz Trash, natürlich. Besinnungs-loses, heftiges, deftiges, lautes Krawall-Kino. Mit Ohne-Unterschied zwischen „Gut“ und „Böse“. (Fast) Alle sind nur noch degeneriert. Und töten Leute, „um den eigenen Schmerz zu unterdrücken“. Über den Zustand der Zeit, des Landes, der Menschen, ihrer verwesenden Moral. Mittendrin der unverwüstliche JONAH HEX, der es sogar versteht, die Toten zu „wecken“, um mit ihnen „zu kommunizieren“. Um den Super-Feind aufzuspüren. Und zu stellen. Unterstützt wird er dabei schließlich von Lilah, einer cleveren Bordell-Sexy-Nutte (MEGAN FOX, mal wieder für eine „Goldene Himbeere“ nominiert).

Rabauken-Kino, logisch. Aber ordentlich unterhaltsames. Mit wüstem Crash-Potenzial. Und prächtigen Hau-Drauf-Rache-Motiven. In DENEN viel bekannter Genre-Cineasmus verwurstet wird: Sowohl der 1970er Jahre-Anti-Held Django wie auch der Atem-Horror eines Stephen King („The Green Mile“), wie auch die symbolhaften Krähen eines Edgar Allan Poe-Schauermärchens („Der Rabe“) wie schließlich auch die Arena-Show Down-Atmosphäre eines Sergio Leone („Zwei glorreiche Halunken“), wie sogar schließlich OO7 – James Bond. Wenn es darum geht, einen „fröhlichen 4. Juli“-Unabhängigkeitstag doch noch im Alleingang „zu retten“. Na ja, fast im Alleingang (Lilah hilft ja auch tatkräftig mit).

Der „Präsi“ jedenfalls ist begeistert, bietet Jonah einen tollen Job an: „Amerika braucht einen Sheriff“. Aber Hex lehnt (natürlich) ab. Bietet aber „patriotisch“ an: „Sollten Sie wieder mal in der Klemme stecken, werden Sie mich zu finden wissen“. Klar doch, Fortsetzung kann folgen.
Mit JOSH BROLIN als Franco „Django“ Nero-Enkel. Der 42jährige Kalifornier zieht ja gegenwärtig „die Fiesen“ im US-Kino geradezu magisch an. War ja neulich erst George B. Bush in Oliver Stones Schnellschuss „W. – Ein missverstandenes Leben“ (2008),fand danach als Mörder von Harvey Milk (Sean Penn) in „Milk“ einen verklemmten Glanzauftritt (1. „Oscar“-Nominierung), um dann als Nadelstreifen-„Bangster“ in „Wall Street 2“ gut aufzufallen, um auch als geiler Vierziger in dem prächtigen Woody Allen-Stück „Ich sehe den Mann deiner Träume“ köstlich herumzugrummeln und um Kino-gerade eine „leckere“ fiese Figur in dem Coen-Brüder-Western „True Grit“ als Gegenspieler von „Marshall“ Jeff Bridges abzugeben. Hier nun sieht er nicht gerade schön, dafür herrlich „dreckig“ aus. Außen wie innen. Und: Er darf John Malkovich als Ober-Oberschurken letztendlich so richtig „schick“ vermöbeln und „sprengen“. Toll. Die dazugehörigen Klänge der Metallband MASTODON. Deren Gitarrist BRENT HINDS sogar einen Gastauftritt hat. Wie übrigens auch „unser“ Heidelberger Deutsch-Ire Michael Fassbender („Hunger“), der als die „rechte Hand“ von Malkovich ein richtig guter Mistkerl sein darf.

„JONAH HEX“ ist als Fantasy-Comic-Horror-Punk-WESTERN (= die Reihenfolge ist beliebig) Klasse. Rotz-Kino zum launigen Prima-Abhängen. Zum Beispiel nach einer so untersinnigen Berlinale-Kunst-Schlacht. Marke: Möge der Schrott mit dir sein. Oder so (= 4 PÖNIs).

Anbieter: „WHV – Warner Home Video“.

Teilen mit: