J.F.K. Kritik

JFK – TATORT DALLAS“ von Oliver Stone (B+R; USA 1991; 189 Minuten; Start D: 23.01.1992).

Der- amerikanische Autor und Regisseur Oliver Stone, Jahrgang 46, ist von der Kultur und Politik der 60er Jahre fasziniert und besessen. Mit Filmen wie “Platoon“ und “Geboren am 4. Juli“ näherte er sich dem Trauma Vietnam, und mit “The Doors“ setzte er vor einiger Zeit der Hippie- und Beat-Kultur ein Denkmal. Weitere Stone-Filme waren übrigens “Wall Street“ und “Talk Radio“. Jetzt hat Oliver Stone das vielleicht heißeste Eisen Amerikas filmisch angepackt: Den Mord an Präsident John F. Kennedy am 22. November 1963 in Dallas/Texas. Sein Film, seine 3 Stunden und 10 Minuten-Mammut-Werk „J.F.K.“ basiert auf dem 1988 erschienenen Buch “On The Trail of the Assassination“/“Auf der Spur des Attentats“, das der Distriktanwalt Jim Garrison aus New Orleans geschrieben hat. In dem werden Zweifel daran geäußert, dass Lee Harvey Oswald der alleinige Mörder des Präsidenten war. Jim Garrison vertritt die These, dass der Kennedy-Mord die Tat einer großen Verschwörung war. Weil der junge, dynamische Präsident den Vietnam-Krieg beenden und die teuren Aggressionen gegen das Castro-Kuba nicht mehr unterstützen wollte, musste er im Interesse der Militärindustrie sterben. Viele Milliarden Dollar standen auf dem Spiel. Darin verwickelt: Mafia, CIA, FBI und sogar allerhöchste Regierungskreise.

So die Theorie von Jim Garrison, der nach langen Recherchen 1969 auch einen Prozess gegen einen Unternehmer als angeblich-maßgeblichen Mörder-Komplizen führte und verlor. Oliver Stone hat sich dieser Recherchen angenommen und hat damit in eine weiterhin offene, schmerzhafte Amerika-Wunde gestoßen. Denn nach aktuellen Untersuchungen eines amerikanischen Meinungsforschungsinstituts glauben inzwischen 73% der amerikanischen Öffentlichkeit nicht an die Version des einstigen Untersuchungsausschusses. Diese “Warren Commission“, vom Kennedy-Nachfolger Lyndon B. Johnson mit dem Vorsitzenden, Bundesrichter Earl Warren eingesetzt, kam nach 10monatiger Arbeit zu dem Schluss, dass nur Lee Harvey Oswald der Mörder Kennedys gewesen ist. Garrison und jetzt Oliver Stone bezweifeln das. In seinem aufwendig und sehr modern produzierten Film erzählt der “Oscar“-Regisseur die Umstände des Verbrechens, die den Mord auch nach fast 30 Jahren immer noch umgeben. In Amerika gab es im Vorfeld dieser Produktion und vor allem natürlich nach der Premiere am 20. Dezember viel Pro und Kontra. Oliver Stone wurde heftigst attackiert und gleichermaßen bewundert für seinen Mut, seine Wut und Courage, “so“ um ein großes, nie enden wollendes nationales Thema zu fighten.

Ein prominentes Star-Ensemble unterstützt ihn dabei. Angeführt vom neuen Superstar KEVIN COSTNER. Costner in der Rolle des unerbittlichen Schnüfflers und Gerechtigkeitsfanatikers Jim Garrison. Drumherum tauchen exzellente Stichwortgeber wie JOE PESCI, TOMMY LEE JONES und sogar JACK LEMMON und DONALD SUTHERLAND in Kleinstrollen auf.
„J.F.K.“ von Oliver Stone ist aber vor allem deshalb ein bewundernswerter Ausnahme-Film geworden, weil er im Grunde nur eine einzige, aber d i e einzig richtige Frage stellt: Nicht w e r hat es getan, sondern w a r u m wurde der amerikanische Präsident John F. Kennedy am 22. November 1963 in Dallas ermordet (= 5 PÖNIs).

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