JESUS VON MONTREAL

PÖNIs:      (4/5)

Schon mit seinem auch bei uns gezeigten Film „Der Untergang des amerikanischen Imperiums“ bewies 1987 der kanadische Filmemacher Denys Arcand seine exzentrische Begabung für die menschlichen Fragen nach Sein und Schein. In seinem neuen Film:

„JESUS VON MONTREAL“ von Denys Arcand (B + R; Kanada 1989; K: Guy Dufaux; M: Jean-Marie Benoît, Francois Dompierre, Yves Laferrière; 118 Minuten; deutscher Kino-Start: 25.01.1990); geht es wieder um Sinn und Existenz. Um den Wertezerfall einer heuchlerischen Gesellschaft, um Oberflächlichkeit im Umgang miteinander, um kapitalen Egoismus und intellektuellen Ekel. Dabei geht der Autor und Regisseur nicht verbissen vor, sondern höchst sinnlich und verschmitzt und erzählt ebenso von der Markus-Passion wie über das Synchronisieren von Pornofilmen, erläutert den Urknall und Hamlets Monolog über Sein und Schein, palavert über Organtransplantation und das Salatdressing von Paul Newman. Kurzum: „Jesus von Montreal“ greift so richtig hinein ins volle Leben von heute.

Eine Schauspieler-Gruppe übernimmt ein altes Passionsspiel, interpretiert es neu und zeitgemäß, eckt prompt bei den kirchlichen Auftraggebern an und erlebt symbolträchtig wie direkt das religiöse Uralt-Drama nach. Vortrefflich und schwarzhumorig-zweideutig attackiert Denys Arcand Kommerz, Konsum und moderne Wegwerfmentalität. Mit satirischer Schärfe und tragikomischem Reiz geht es um die Sehnsucht nach einem Halt und Sinn.

„Jesus von Montreal“ versetzt reichlich Denk-Hiebe und unterhält ganz vorzüglich (= 4 PÖNIs).

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