JCVD

Hätte mir mal jemand prognostiziert, daß ich an dieser Stelle auch mal einen neuen Film mit dem belgischen Haudrauf-Spezi und der europäischen Steven-Seagal-Kopie JEAN- CLAUDE VAN DAMME vorstellen werde, hätte ich nur lächelnd abgewunken. Der heute 48jährige ehemalige Bodybuilder, Baumfäller im Urwald, Limousinen-Fahrer, Türsteher und Träger des „Schwarzen Karate-Gürtels“ hat sich bislang mit vorwiegend „schlichten“ B-/C-Martial-Arts-Kampfsport-Movies á la „Bloodsport“, „Universal Soldier“, „Der Legionär“, „Replicant“ oder „Sudden Death“ hervorgetan. Doch jetzt ist es soweit, denn da ist ein neuer Film mit ihm auf dem DVD-Markt, als 2-Disc-Collector´s Edition, der RICHTIG GUT ist.

Titel:
JCVD“ von Mabrouk El Mechri (Co-B+R; Fr/Belg/Luxemburg 2008; 97 Minuten, DVD-Veröffentlichung: 24.07.2009).
Der algerischstämmige französische Schauspieler, Drehbuch-Autor und Regisseur, 1976 in Versailles geboren, ist bei uns gänzlich unbekannt, 2005 realisierte er, nach zahlreichen Kurzfilmen, mit „Virgil“ seinen ersten „großen Film“. „Stand Up!“ folgte ein Jahr später. Hier nun belichtet er einen „ganz anderen“ Van Damme-Film. Einen, in dem der alternde Action-Held sich selbst spielt: Einen ziemlich abgebrannten, in die Jahre gekommenen Jean-Claude Van Damme. Der hat gerade den Sorgerechtsstreit um seine Tochter verloren. Und die Rechnung seines Anwalts stellt ihn vor ernste Finanzprobleme. Als er in einer Postbank verschwindet, fallen kurz darauf Schüsse. Für die Polizei, allesamt Van Damme-Fans, ist schnell klar: Der verzweifelte Star versucht anscheinend mit einem Bankraub seine Finanzen „aufzubessern“. Die Bank wird umstellt, ein Geiseldrama nimmt seinen Lauf. Doch während sich draußen allmählich Demonstranten pro Van Damme versammeln, ahnt niemand, was wirklich im Innern der Bank vorgeht. Wo „JCVD“ nun genügend Zeit hat, einmal über sich nachzudenken und über seine Filmerfahrungen zu resümieren.

Regiseur El Mechri konfrontiert seinen „Helden“ immerfort und auf nicht gerade schmeichelhafte Weise mit der medialen Präsenz des realen JCVD, sowohl im Gericht, wo sich seine Tochter über ihn lustig macht, wie dann auch in der Bank. Eine spannend-witzige und vor allem auch köstlich selbstironische fiktionale Geschichte über DEN MENSCHEN Van Damme, der nun im Auftrag der drei Gangster mit der Polizei verhandeln soll, weil er ja wegen vieler „ähnlicher Filme“ doch über „genügende Erfahrungen“ verfügt. Und: Ausgesprochen phantastisch wird es, wenn im zweiten Filmteil Van Damme in einem anscheinend improvisierten minutenlangen Monolog seine Filmerfahrungen sehenswert reflektiert. Für mich: Einer der packendsten, ehrlichsten Monologe in der Filmgeschichte über die Filmerfahrungen eines Stars. Erstmals in seiner langen Karriere (mit rd. 40 Filmen) ist also Van Damme in einer „ernsten Rolle“ zu erleben, und siehe da, es funktioniert: Der Typ überzeugt, ist interessant-emotional und – in der Rolle als ER-Selbst – ausgesprochen charakterstark. Das verblüfft, das überrascht, das ist außergewöhnlich ansprechend wie durchweg unterhaltsam.

Zudem: Neben dem Film selbst ist auch das BONUS-MATERIAL in dieser 2-Disc-Collection´s Edition überaus empfehlenswert. Mit zwei zusätzlichen Filmen, die intensiv hier die Hintergründe beleuchten („Ein Tag im Leben von JCVD“); mit einem ordentlichen MAKING-OF, herausgenommenen Szenen und einem Regisseur-Kommentar. Wie sehr Jean Claude Van Damme hinter diesem Projekt stand, dieser „Muscles from Brussels“, wie er gerne spöttisch tituliert wird, kommt hierbei sehr informativ wie kurzweilig ´rüber. Insgesamt also: „JCVD“ erweist sich eine wirklich lohnende Film-Entdeckung!