Janssen: Ego Kritik

JANSSEN: EGO“ von Peter Voss-Andreae (Co-B + R; D 1989; 118 Minuten; Start D: 16.11.1989)

“Janssen: Ego“ heißt ein neuer Film, der diese Woche ins Kino kommt. Der Verleih wirbt mit großen Worten: “Begriffe wie Dokumentarfilm oder Künstlerportrait sind für diesen Film fast eine Beleidigung, “heißt es im Pressetext. Und weiter: “Janssen: Ego“ Komödie, Drama und scharfzüngige Satire in einem“. Da erwartet der Zuschauer viel. Aber sehen wir uns die nackten Tatsachen an.

Ein dicker Mann beim Malen. Der gleiche Mann schwitzt, trinkt Unmengen Alkohol, raucht unentwegt. Er macht einen unästhetischen Eindruck und scheint sich dessen bewußt. Ja, er kultiviert sein Schmuddeltum sogar. Der Mann hält große Reden, liebt ordinäre Begriffe, er will Anstoß erregen. Er erzählt viel: langsam, genießerisch und bedeutend. Am Ende lacht er über seine Witze und seinen Scharfsinn am lautesten. Ein eitler, selbstgefälliger Kerl, der eine Schar Lakaien um sich hat, die ihm jeden Wunsch erfüllen.

Lüften wir das Rätsel: Der Mann heißt Horst Janssen, ist ein zeitgenössischer Maler und seine Bilder genießen hohes Ansehen.
Sein exzentrisches Gebaren trägt ihm den Namen ‚enfant terrible‘ ein, schreckliches Kind. Auf Französisch klingt das in unseren Ohren exotisch. Ein vergleichbarer Ausdruck in deutscher Sprache wäre eine Beleidigung.

Warum nun einen 110 minütigen Film über einen Selbstdarsteller? Diese Frage vermag der Zuschauer nicht zu beantworten.
Zu allem Überfluss ist der Film unerträglich langweilig fotografiert. Immerzu Schweiß und Fett in Großaufnahme. Oft sind Räume schlecht ausgeleuchtet. Der Tonmann knallt sich das Mikrofon sogar einmal vor den Kopf. Das ist nicht komisch sondern tragisch. Ein talentierter Maler muss kein umgänglicher Mensch sein. Wer den Maler Horst Janssen schätzt, wird vom Mensch Horst Janssen, der im Film gezeigt wird, enttäuscht sein.

“Janssen: Ego“ ist filmisch ein Desaster (= 1 PÖNI).

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